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Handwörterbuch der Philosophie
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288 Idealismus. kenntnis. Ideale sind nicht völlig erreichbar, wirken aber vermittelst des Willens, dessen Gegenstand sie bilden, als Faktoren individueller, sozialer, historischer Entwicklung, deren Richtung sie, wenn auch oft auf Umwegen, nach Abirrungen, Kämpfen, Rückschritten, schließlich doch oft bestimmen oder wenigstens beeinflussen. Nach KANT ist das Ideal die „Vorstellung eines einzelnen als einer Idee adäquaten Wesens" (Krit. d. Urteilskraft I, § 17) oder „die Idee nicht bloß in concreto, sondern in individuo", ein vollkommenstes Wesen als Urbild d. rein. Vern., S. 452). Solche Ideale haben zwar keine „objektive Rea- lität" (Existenz), sind aber doch nicht „Hirngespinste", sondern von „prak- tischer", „regulativer" Bedeutung, indem sie unserem Handeln die Richtung auf Vollkommenheit geben und die Norm zu deren Beurteilung liefern. Das „transzendentale Ideal", das Musterbild aller Vollkommenheit ist Gott. Dieses Ideal ist kein Erkenntnisobjekt, sondern nur ein „regulatives Prinzip der Vernunft, alle Verbindungen in der so anzusehen, ob sie aus einer notwendigen Ursache entsprängen". Gott ist also in theoretischer Beziehung ein ein Begriff, welcher die ganze mensch- liche Erkenntnis schließt und krönt" (1. c. S. vgl. VAIHINGER, Die Philos. Als ob, 1911, S. 642 ff.). Nach F. A. LANGE bedarf der Mensch der „Er- der Wirklichkeit durch eine von ihm selbst geschaffene Idealwelt" (Geschichte des 1902). Diese des Ideals" erzeugt die „dichtende und schaffende Synthesis" (vgl. über diesen „Standpunkt des Ideals" VAIHINGER, 1. c. S. 756 ff., der ähnlich denkt). — Vgl. SCHILLER, Die Ideale; W. v. HUMBOLDT, WW. IV; HEGEL, WW. X; CLASS, Ideale und Güter, 1886; LIEBMANN, Zur Analys. der Wirklichkeit2, 1880, 3. A. 1900, S. 567 ff.; COHEN, Ethik, 1904, S. 401 ff. („Der Wille allein erzeugt das L. STEIN, Der soziale Optimismus 1905, S. ff.; A. SCHLESINGER, Der Begriff des Ideals, 1908; HUGHES, Ideen u. Ideale, 1908, S. ff.; HORNEFFER, Das klassische Ideal, 1900; A. SVOBODA, Krit. der Ideale I, Ideale Lebensziele, R. WILLY, Ideal u. Leben, 1909. Vgl. Idee, Idealismus. Idealismus ist, erkenntnistheoretisch, der Standpunkt, nach die Außenwelt „ideal" („ideell") d. h. nicht unabhängig von allem Be- existiert, sondern nur als Gegenstand möglicher Erfahrung, als In- halt objektiver, allgemeingültiger Erfahrung, oder nur als Inhalt eines er- kennenden Bewußtseins, als etwas dem Bewußtsein „Immanentes". Es gibthiernach nicht Außendinge, Objekte absolut an sich, sondern nur in Beziehung zu einem er- kennenden Subjekt, zu einem Bewußtsein (s. d.). Es gibt aber verschiedene Formen erkenntnistheoretischen Idealismus. Die extremste Form ist der „Solipsismus" (s. d.). Der s I. lehrt, die Dinge existieren nur als Vorstellungen (Wahr- nehmungsinhalte) einzelner Subjekte, als Komplexe von Empfindungen, die mit gesetzlicher Notwendigkeit auftreten. Der objektive I. betrachtet die Außenwelt als Inhalt eines allgemeinen, universalen, göttlichen Bewußtseins; auch hier ist alles Sein (s. d.) ein Bewußt-Sein, aber die Dinge sind doch von den einzelnen Subjekten, die ebenfalls vom universalen Bewußtsein umschlossen werden oder Modifikationen desselben sind, unabhängig gegeben und denk- bar. Diese Form des Idealismus kommt dem metaphysischen Idealismus nahe, nach welchem das Wirkliche selbst Idee, Geist, Vernunft ist und
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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