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Immateriali8mus — Imperativ. 305
Tätigkeit, welche innerhalb des Tätigen wirksam ist, nicht ein äußeres Ding
beeinflußt, nicht auf dieses übergreift, z. B. ein geistiger Akt („actio immanens"
im Gegensatz zur transiens": THOMAS U. a.). Nach SPINOZA ist Gott, die
(s. d.), welche allen Dingen als deren wahres Wesen inne-
wohnt (Pantheismus), eine d. h. in den Dingen selbst wirkende,
der nicht äußerlich gegenüberstehende Ursache, der zeitlose Urgrund
alles Geschehens, welches aus ihm als Folge hervorgeht („Deus est
rerum causa immanens, non vero transiens", Eth. I, prop. XVIII; vgl.
Ursache).
Erkenntnistheoretisch bedeutet „immanent": 1. innerhalb möglicher
Erfahrung bleibend, auf ein mögliches Erfahrungsobjekt sich beziehend, nur
iür ein solches, also nicht für das unerfahrbare „Ding an sich" gültig, nicht
dessen Wesen So zuerst KANT : „Wir wollen die Grundsätze,
deren Anwendung sich ganz und gar in den Schranken möglicher Erfahrung
hält, immanente, diejenigen aber, welche diese Grenzen überfliegen sollen,
Grundsätze nennen" (Krit. d. rein. Vern., S. 271). Erkennt-
nis (s. d.) gibt es nur innerhalb der Grenzen möglicher Erfahrung (s. d.). —
2. bedeutet „immanent": innerhalb des Bewußtseins (s. d.) verbleibend, nur
Bewußtseinsinhalt gegeben und wirklich, nicht unabhängig von dieser Art
des Gegebenseins existierend. So bemerkt FICHTE : „Der Kritizismus ist darum
immanent, weil er alles in das Ich setzt" d. ges. Wissenschaftslehre,
8. 41) und SCHELLING spricht ebenfalls von einer „immanenten Philosophie"
<Vom Ich, S. 113). Die betrachtet das Seiende, die
Objekte (s. d.) als unmittelbar im Bewußtsein gegebene Inhalte; „Sein" (s. d.)
Inhalt des erkennenden Bewußtseins (s. d.) sein (SCHUPPE, M. KAÜFF-
R. v. A. v. LECLAIR, STOCK,
BULLATY, GUREWITSCH, MARTINETTI U. a.; vgl. Zeitschrift für imma-
nente Philosophie I). — Einen „immanenten Erfahrungsmonismus" vertritt
F. J. SCHMIDT (S. Erfahrung). Vgl. REHMKE, Philosophie als Grundwissen-
schaft, 1910. — Gegen den Immanenzstandpunkt, WUNDT, Phüos. Studien
Vgl. Transzendent, Idealismus, Objekt, Subjekt, Allgemein
(ARISTOTELES), Gott, Urteil (B. ERDMANN), Kategorien, Idee, Intention.
heißt die Leugnung der Realität der Materie
<s. an sich existierender Körper (so besonders COLLIER und BERKELEY),
die Ansicht, daß an sich nur geistige Wesen existieren (vgl. Spiritualismus).
VgL T. Einleitung zu Berkeleys „Principles", 1878; J. F..
Institutes of Metaphysics, 1856. — VgL Seele, Idealismus, Körper.
Immoralismus s. Amoralismus.
Imperativ, energetischer S. Energie.
Imperativ, kategorischer. Im Unterschiede von der Maxime (s.
versteht KANT unter die Formel eines Prinzips, sofern
für einen Willen nötigend ist", d. h. eines Gebots. Alle Imperative werden
durch ein Sollen (s. d.) ausgedrückt und sagen, „daß etwas zu tun oder zu
unterlassen gut sein würde". Die hypothetischen Imperative gebieten etwas
als Mittel zu einem Zweck. Hingegen gebietet der kategorische I.
Handlung für sich selbst, ohne Beziehung auf einen Zweck, auf die „Materie
Handlung". Er betrifft nur die „Form" der Willenshandlung. Er lautet:
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften