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308 Individualität Individuell.
oder Evolutionismus? 1887; F. J. WINTER, L, 1880. — Vgl. Monadologie,
Sittlichkeit, Egoismus, Soziologie.
Individualität ist die Einheit der ein Individuum (s. d.), ein Einzelding,
besonders eine Einzelperson konstituierenden, charakterisierenden Sondermerk-
male, Sonderreaktionen, Sonderdispositionen. Im engeren Sinne ist „eine Indi-
vidualität" ein Mensch mit besonders ausgeprägtem, eigenartigem Habitus und
Verhalten. Die Vereinigung starker Individualitäten mit größter Solidarität
derselben bildet das soziale Ideal. Eine Gesellschaft erfordert starke Indivi-
dualitäten zu ihrer Höherentwicklung und die Individuen werden nur in der
und durch die Gesellschaft stark und differenziert. — Als eine besondere
Kategorie betrachten die „Individualität im weiteren Sinne COHEN, DRIESCH
(Zwei Vorträge zur Naturphilos., 1910; die „Entelechie" als „Individualitäts-
konstante"; vgl. Entelechie, Leben) und W. STERN (Person u. Sache I,
1906, S. 120 ff.). Vgl. SIGWART, Kleine Schriften, 1893, ff.;
Die Individualität, 1896; The Principle of Individuality and
1911; (J. POPPER), Das Individuum und die Bewertung
menschlicher Existenzen, 1910; J. M. FRÖHLICH, Die I., 1897; LE DANTEC,
et 1911; I. u. Persönlichkeit,
1911. — VgL Charakter, Persönlichkeit, Geschichte, Soziologie.
bedeutet: 1. im weiteren Sinne die Psycho-
logie der typischen Vorgänge des individuellen menschlichen Bewußtseins, im
Unterschied von der „Völkerpsychologie" (WUNDT, Logik, 1905, II 168);
2. die „Differentialpsychologie", die „Psychologie der individuellen Differenzen",
der individuellen und generellen Variationen des Seelischen (L. W. STERN,
Psychologie der individuellen Differenzen, 1900; 2. A. 1911). — Vgl. Charak-
terologie.
Individuation (individuatio): Besonderung des Allgemeinen, der Art
in Einzeldinge, des Seienden in eine Vielheit (s. d.) von Individuen. Das
Individuationsprinzip („principium ist der die Indivi-
duation begründende Faktor. Dieser liegt nach ARISTOTELES im Stoffe (Meta-
phys. XII 8, 1074 a 33); so auch nach AVICENNA, ALBERTUS MAGNUS U. a.
Nach THOMAS beruht die I. auf dem geformten Stoffe („materia signata vel
Sum. theol. III, qu. 77, 2; I, 3, 2), nach DUNS SCOTUS auf der
„Form", welche die „quidditas" zur „haecceitas" (s. d.) macht (In senten-
2). Nach den Nominalisten (PETRUS AUREOLUS, DURAND VON
ST. POURCAIN, WILHELM VON OCCAM U. a., LEIBNIZ, De princip.
§ 4) ist das Wirkliche durch sich selbst individuell res singularis
se ipsa est singularis"). Nach SPINOZA ist die I., die „Determination" (s. d.)
des Allgemeinen, eine „Negation", Einschränkung des einen Seienden (s. Modus).
Nach CHR. WOLFF ist das Individuationsprinzip die allseitige Einschränkung
dessen, was dem Dinge angehört (Ontolog. § 29, 228). Nach SCHOPENHAUER
sind Raum und Zeit, die nur subjektive Anschauungsformen sind, der Grund
dafür, daß der eine „Wille", das „Ding an sich", als Vielheit von Einzelwesen
erscheint (Die als Wille u. I. Bd., § 2b, 63). M. GLOSSNER
Das Prinzip der L, 1887. VgL Vielheit.
Individuell: Dem Einzelnen, dem Individuum zukommend, im Unter-
schiede vom Generellen, Allgemeinen. Vgl. Geschichte, Individuum.
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften