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322 Isolation.
Verfahren, Übersehen von Fehlerquellen, vorschnelle Verallgemeinerungen u.
Nur durch beständige Selbstkontrolle kann sich das Denken vor zu vielen Irr-
tümern hüten. Im Laufe der Entwicklung zeigen sich oft vermeintliche
Wahrheiten als Irrtümer, aber auch vermeintliche Irrtümer als
immer mehr Irrtümer werden ausgeschaltet, je selbstbewußter das Denken,
kritischer das Erkennen wird.
Daß Wahrheit (s. d.) und Irrtum nicht in den Vorstellungen als
sondern im Urteil liegt, wird seit ARISTOTELES meistens betont, so von LOCKE
(Essay concern. hum. unterstand. II, K. 32 f.; IV, K. 20, 1), CHR.
Gedanken, . . ., I, § 396), KANT (Logik, S. 76 ff.), nach welchem
der I. aus dem „unbemerkten Einfluß der Sinnlichkeit auf den Verstand ent-
springt", wodurch wir subjektive Gründe für objektive halten (vgl.
einer Erkenntnis, die „mit den Verstandesgesetzen durchgängig
ist kein Irrtum; in den Sinnen allein, welche nicht urteilen, ist auch
kein Irrtum (Krit. d. rein. Vern., Transzendentale Dialektik I). Vgl. FRIES,,
System der Logik, 1811, S. 448 ff.
Auf die Freiheit des (sich übereilenden) führen den I. Scholas-
zurück (vgl. schon AUGUSTINUS, K. 6, ff.) wie DUNS
SUAREZ (Metaphys. disputat. IX, 2, 6) u. a. Nach DESCARTES beruht der L
darauf, daß der Wille weiter reicht als der Verstand („quod cum latius
voluntas intellectus, non intra limites contineo, sed
ad quae non intelligo, extendo", Meditationes IV; Princip. philos.
29, 31 ff.). — Nach SPINOZA beruht der I. nur auf einem Mangel an Erkennt-
nis infolge unangemessener (inadäquater) Ideen (Eth. II, prop. XXIII ff.);
ähnlich LEIBNIZ (Theodizee I). HUME leitet den I. aus der Verwechselung;
ähnlicher Vorstellungen ab (Treatise IV, sct. 2). — Auf Übereilung führen den
I. zurück ULRICH, JAKOB (Logik, 1788, § 433), CALKER (Logik, 1822, § 232>
u. a. Nach WUNDT geht der I. aus einer „unvollständigen Anwendung unserer
Denkkraft (Logik 1895, S. 625 ff.).
Nach NIETZSCHE sind unsere Wahrheiten nur eingewurzelte
die sich als nützlich, als arterhaltend bewährt haben. Die „falschesten
z. B. die „synthetischen Urteile a sind uns für das Leben am unent-
behrlichsten. So ist die Falschheit eines Urteils „kein Einwand gegen ein Ur-
teü" (vgl. WW. XV, V, VII). Ähnlich z. Teil VAIHINGER, nach welchem
(s. d.) „bewußte Irrtümer", fruchtbare Irrtümer zu praktischen
Zwecken sind (Die Philos. des Als ob, 1911, S. 128, 165; vgl. Wahrheit).
Nach dem (s. d.) sind Irrtümer Urteile, die sich nicht
fruchtbar, d. h. für die Denk- oder Lebenspraxis nützlich, zweckmäßig bewähren
(vgl. F. C. S. SCHILLER, Humanismus 1911; Formal Logic, 1912; Error, in:
Proceedings of the Aristotelian Society, 1911; E. MACH, Erkenntnis u.
S. ff., nach welchem E. und I. aus den gleichen Quellen fließen). —
Vgl. PASCAL, 1866, IV, 8; HAGEMANN, Logik u. Noetik6,
S. ff.; StÖHR, Leitfaden der Logik, 1905, S. 112; BROCHARD, De l'erreur2,
POWELL, Truth and Error, 1898. — Vgl. Wahrheit, Schein, Skeptizismus,.
Sprache, Sinnestäuschung, Richtigkeit, Schluß.
bedeutet für das Denken und Erkennen die
Teüinhaltes von Vorstellungen und die gesonderte Betrachtung desselben
Abstraktion"). VgL VOLKMANN,
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften