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Katharsis — Kausalität. 333
Reinigung, Läuterung (z. B. der Seele von den
Schlacken der Leiblichkeit, Sinnlichkeit: PLATON, PLOTIN (Ennead. I, 2, 3)
u. a. Im medizinischen Sinne gebraucht den Begriff der K. HIPPOKRATES.
Von einer Reinigung der Lustgefühle (x. xcov von „reiner Freude"
spricht PLATON (Pheado 19 C.; Paedrus 268 Den Begriff
der K. im Sinne der Ästhetik stellt ARISTOTELES auf. Die Musik übt nach
ihm eine K. aus VIII, 7); vor allem aber bewirkt die (s. Tragisch)
durch Erregung von Furcht und Mitleid eine Reinigung dieser Affekte
1449 b 23 ff.), wohl durch Herab-
stimmung solcher Affekte auf das rechte Maß durch die „erleichternde Ent-
ladung" derselben (vgl: J. BERNAYS, Zwei Abhandlungen über die Aristotelische
Theorie des Drama, 1880) oder auf reine, ästhetische Gefühle. Vgl. LESSING,
Hamburgische Dramaturgie, St. 74 ff. (Umwandlung der Affekte in „tugend-
hafte Fertigkeiten"); GOETHE, WW. XXIX; UEBERWEG, Zeitschr. f.
Philos. Bd. 36, 50 (Ausscheidung von Affekten); DÖRING, Kunstlehre des Ari-
stoteles, 1876, S. ff.; SIEBECK, Aristoteles, 1906, S. ff.; Freiherr ALFR.
YON in der Ausgabe der Aristotelischen Poetik von Gomperz, 1897;
H. LEHR, Die Wirkung der Tragödie nach Aristoteles, 1896; J. EGGER, K.-
Studien, 1883.
Kausalität (causalitas): Ursächlichkeit, das Verhältnis von Ursache
nnd Wirkung, die Wirksamkeit. Der Begriff der K. ist eine der „Kategorien"
(s. d.), ein Grundbegriff, der eine „apriorische" Bedingung objektiv-einheitlichen
Erfahrungszusammenhanges ist, für alles, was Gegenstand einer Erfahrung
werden kann, notwendig und sicher gilt. Ohne daß wir das Gegebene nach
der Relation von Ursache — Wirkung deuten, ordnen, vereinheitlichen, gibt es
für uns keine „Dinge", keine wirksamen Einheiten. Das äußere „Wirken" (als
Tätigkeit, Aktion, Reaktion) nehmen wir nicht wahr, erfahren wir nicht, es
ist uns nicht „gegeben". sind uns nur mehr oder weniger regelmäßige
Abfolgen im Geschehen, gewisse Daten, die uns veranlassen, nötigen, das Erfahr-
bare als Ausdruck, Symptom eines Tuns zu deuten, analog dem, welches das
wollende, zielstrebige Ich durch seine Fähigkeit, Veränderungen einzuleiten,
erlebt. Diese „personale" Form des Wirkens (s. d.), Verursachens
ist die Wurzel des Kausalitätsbegriffs im weitesten Sinne,
ohne daß aber die Kausal-Relation selbst Erlebnisinhalt ist. Das setzt und
erlebt sich als Agens, Tätiges bzw. als Erleidendes und deutet auch die Objekte
als aktiv-reaktive Einheiten, ja es schreibt ihnen zunächst geradezu
tendenzen, Wülenskräfte zu. Später erfolgt, besonders innerhalb der Wissen-
schaft, eine dieses Wirkensbegriffes, und das Kausalprinzip
nimmt die Form eines an: für jede Veränderung ist eine
möglich quantitativ bestimmte — andere Veränderung als Ursache (s. d.) jener
zu suchen. So wie wir zu jedem Wollen einen Beweggrund, ein Motiv haben und
suchen, so wie wir ferner zu jedem Urteü, welches wir begreifen wollen, einen
Erkenntnisgrund fordern, so erwarten wir auch — in Anwendung des
schen Prinzips des „zureichenden Grundes" daß jede Veränderung nicht
isoliert, sondern als Glied eines stetigen Zusammenhanges in dem sie
eindeutig bestimmte Stelle einnimmt: Kein Geschehen, keine Veränderung
ohne Ursache und Wirkung, und: Jedes Maß an objektiver Veränderung
sein Äquivalent in einem bestimmten Ausmaß anderer Veränderungen
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften