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Handwörterbuch der Philosophie
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334 Kausalität. (Letzterer Satz gilt wenigstens als Prinzip exakt-naturwissenschaftlicher Er- Um das „Tun" der Dinge kümmert sich die „positiv" gewordene Naturwissenschaft nicht. Hingegen kann die Philosophie sich etwa auf folgen- den Standpunkt im Verhältnisse von Ursache und Wirkung die voneinander abhängigen, einander bedingenden „Erscheinungen", Objekte licher Erfahrung; und diesem Verhältnis entspricht ein (lebendiges oder auto- matisiertes) Verhalten im „An sich" oder „Für sich" der Dinge, eine „Wirksam- keit" im metaphysischen Sinne (vgl. Zweck). Das Kausalverhältnis ist aber auch empirisch-phänomenal mehr als regelmäßige Abfolge; es besagt ein „Durchein- ander" und „Auseinander", ein „Erfolgen", nicht ein bloßes „Folgen", eine Notwendigkeits-Relation, welche dem zeitlichen Ablauf etwas Regelmäßige Abfolge ist nur der Anlaß zur Vermutung, Erwartung eines Kausalverhältnisses, nicht die Quelle des Kausalprinzips selbst, welches viel- mehr auch schon an einem einzigen Tatbestand sich geltend machen kann. Was im Einzelnen Ursache ist, das läßt sich nicht a priori feststellen, sondern nur durch denkende, methodische Verarbeitung des Erfahrungsmaterials, wobei Erkennen, die Wissenschaft immer vorsichtiger, immer kritischer geworden ist, um nicht das bloße „post hoc" für ein „propter hoc" zu halten (vgl. In- duktion, Analyse). Der Satz freilich, daß jede Veränderung kausal bedingt ist,, gilt a priori und ausnahmslos, er ist ein unentbehrliches Forschungsprinzip, ohne welches wir keine Ordnung, keinen einheitlich-stetigen Zusammenhang unserer Erfahrungsinhalte hätten, auch zeigt die Erfahrung nirgends ein Ver- sagen der Anwendung des Kausalprinzips. Nicht nur das anorganische, auch das organische, das psychische, soziale, historische Geschehen ist kausal bedingt, auch da, wo allgemeine Gesetze sich nicht formulieren lassen („historische Kausalität"; RICKERT, S. HESSEN a.). Doch ist Kausalität nicht mit „Zwang" zu verwechseln, auch ist nicht alle K. mechanische K. (vgl. freiheit). Da wir zu jeder Veränderung in der Natur eine entsprechende äquivalente Veränderung als Ursache erwarten müssen und eine solche schließ- lich auch immer wieder finden (empirische Bewährung des Kausalprinzips), so ist die Reihe des Naturgeschehens als eine nirgends und niemals durch hete- rogene (nicht-natürliche, nicht-physische) Vorgänge durchbrochene, unter- brochene zu betrachten („Prinzip der geschlossenen Naturkausalität"; vgl. Parallelismus). Das hindert nicht, daß die physische Kausalität die „Außen- seite", Erscheinung, Objektivation, der Ausdruck, einer psychischen K. sein kann (s. Identitätstheorie). Zu den Ursachen des Geschehens gehören auch zielstrebige Faktoren (s. Zweck). In der Geschichte der Philosophie wird das Kausalprinzip zuerst von LEUKIPPOS (bzw. DEMOKRIT) formuliert: Nichts geschieht von Ungefähr, sondern alles aus einem Grunde und notwendig (ovdev kx xe xal vn Stobaeus, I, 160). Ferner von PLATON ndvxa Philebus 26 E), nach welchem die Materie die Quelle der blinden mechanischen Kausalität ist (Timaeus 46 69 A). ARISTOTELES versteht unter Ursache besonders das- jenige, wovon die Veränderung herrührt r) dgxr) aber Stoff, Form, Zweck gehören zu den „Ursachen" (s. Prinzip; Metaphys. V, 2; Phys. II, 6). Den streng Zusammenhang alles Geschehens, in welchem die göttliche Weltkraft als Schicksal und Vernunft (Xoyog) waltet, so daß es nichts Zufälliges gibt, betonen die Stoiker (Diogen. Laert. VII,
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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