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Kausalität.
148 f.). Nach EPIKUR geschieht nichts ohne aus nichts wird nichts
(ovdev kx xov ovxog, Diogen. Laert. X, 38; vgl. LUCREZ, De rerum
natura I, 150 ff.). Die Scholastik ist betreffs des Kausalprinzips
von Aristoteles beeinflußt. Es wird Jede Wirkung hat eine Ursache
(„omnis effectus habet oder auch: Alles Bewegte muß von einem
andern bewegt werden . . . quod movetur, oportet ab alio
vgl. THOMAS, Sum. theol. I, qu. 2, 3). Verschiedene Arten der Ursache wer-
den unterschieden (s. causa). — VgL Compendium phüos. scho-
lasticae, 1902 f., II (Ontologia).
In der neuern Phüosophie tritt, in Verbindung mit der Entwicklung der
Naturwissenschaft, eine strengere Auffassung des Kausalprinzips auf. Der
Rationalismus (s. d.) betrachtet dasselbe als denknotwendiges Prinzip. Der
Satz: Aus Nichts wird Nichts („ex nihilo nihil fit") ist nach DESCARTES
„ewige Wahrheit", gilt zeitlos, unbedingt (Princip. philos. I, 49). Alles
schehen hat eine Ursache, und zwar hat die Wissenschaft nicht Zweck-, son-
dern bewirkende, bewegende Ursachen aufzusuchen (s. Mechanistisch; Princ..
philos, I, 28), was auch KEPLER, GALILEI, BACON, HOBBES (De corpore
1 ff.) u. a. betonen, auch SPINOZA, nach welchem Gott (s. d.) die „immanente
Ursache" von allem ist, so aber, daß jedes Geschehen in einem andern Ge-
schehen seinen Grund hat und ebenso nicht ohne Wirkung bleibt (Eth.
prop. XXVIII ff.). Physische Vorgänge haben wieder physische Vorgänge
Ursachen und Wirkungen, ebenso ist Psychisches durch Psychisches bedingt
(Geschlossene Naturkausalität; Begriff der psychologischen Kausalität).
Ursache wird aber vom Grund (s. d.) noch nicht scharf unterschieden.
formuliert das Kausalprinzip als Satz des zureichenden Grundes, der durch
sich selbst gewiß ist: Nichts geschieht ohne zureichenden Grund 32,.
6); aber eine direkte Wechselwirkung besteht nicht (s. Harmonie). Ähnlich
CHR. WOLFF (vgl. Ontologia, § 884) u. a. Daß Gott es ist, der die als
direkt kausal erscheinende Zuordnung der Vorgänge herstellt oder her-
gestellt hat, lehren außer LEIBNIZ auch die (s.
wie GEULINCX, MALEBRANCHE U. a., ferner BERKELEY (vgl.
XXX ff.).
Psychologisch-empiristisch erklären den Kausalitätsbegriff LOCKE (Essay
concern. hum. understand. II, K. 6, § 1 f.), CONDILLAC, BONNET U. a. — Hin-
gegen lehren, nachdem schon antike Skeptiker die Gültigkeit des
litätsbegriffes angefochten hatten (vgl. Sextus Empiricus, Adv. Mathem. IX,.
207 f., 241), GLANVILLE (Sceps. scientif. 23) und besonders HUME, das Kausal-
verhältnis, das innere Band, welches Ursache und Wirkung verknüpft, sei
unwahrnehmbar, kein Gegenstand der Wahrnehmung und Erfahrung. Aber
auch aus dem reinen Denken, aus der Vernunft läßt sich, nach HUME,
Kausalprinzip nicht ableiten, denn es ist unmöglich, a priori, vor aller Erfah-
rung, zu denken, was aus einer Ursache folgen wird. Vielmehr legen wir
subjektive, psychologische Notwendigkeit, beim Auftreten einer Vorstellung,
mit der eine andere regelmäßig verbunden war, das Auftreten auch
Vorstellung zu erwarten, in die Dinge hinein und glauben, ein Geschehen rufe
das andere hervor. Der Glaube an die Kausalität beruht also auf
Assoziation, Erwartung und Gewohnheit, der großen Führerin im
menschlichen Leben, welche Erfahrungen instinktmäßig nutzbringend
gestaltet, also biologisch nützlich ist, wenn sie uns keine Erkenntnis von
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Buch Handwörterbuch der Philosophie"
Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften