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Kausalität.
innerer, objektiv-notwendiger Verknüpfung („connexion") verschafft. Wir
kennen immer nur regelmäßiges Aufeinanderfolgen von Ereig-
nissen, erfassen nicht ein „Wirken", nicht nicht metaphysische Ur-
sachen, die uns absolut verborgen bleiben (Treatise I, III; Enquiry IV, 1).
H. erklärt die K. rein psychologisch, wobei er sich notgedrungen des Kausal-
prinzips selbst bedient. Wie SPINOZA U. a. hat er den „aktualen"
Ursachen sind nicht Dinge, sondern Vorgänge.
Die von KANT begründete kritisch-idealistische Auffassung des
Kausalprinzips geht wieder auf die logische, intellektuelle Wurzel desselben zu-
rück, beschränkt aber die Geltung des Prinzips auf „Erscheinungen", auf Gegen-
stände möglicher Erfahrung; die K. ist eine der (s. d.), und
diese sind Formen einheitlich-gesetzlicher Verknüpfung von Inhalten möglicher
Erfahrung, nicht Begriffe von Seinsformen der „Dinge an sich" (s. d.). Aus
bloßen Begriffen läßt sich der Satz: Alles, was geschieht, setzt eine Ursache
voraus, d. h. etwas, worauf es nach einer Regel folgt", nicht beweisen, aber
das Prinzip entstammt doch dem Denken, dem „reinen Verstand", sofern näm-
lich die Gesetzlichkeit desselben eine Bedingung der Möglichkeit der Erfah-
rung selbst ist (vgl. Axiom, Deduktion). Es ist eben nur dadurch, daß wir die
— sonst subjektive — Folge der Erscheinung dem Gesetze der Kausalität
unterwerfen, objektive Erfahrung möglich. Das Kausalprinzip ist nicht sub-
jektiv-psychologischer Natur, sondern sagt die „Notwendigkeit eines Erfolges
unter einer vorausgesagten Bedingung" aus, ist apriorisch, streng allgemein
und notwendig gültig, hängt nicht etwa von unserer Assoziation und subjektiven
Erwartung ab, ist auch nicht aus der Erfahrung abstrahiert, wenn auch die
Anwendung des Prinzips im Einzelnen sich nach der Anschauung richten
muß. Rein apriorisch ist nur das allgemeine Kausalprinzip: „Alle Verände-
rungen geschehen nach dem Gesetze der Verknüpfung der Ursache und Wir-
kung" (vgl. Analogien). Die Regel, etwas der Zeitfolge nach zu bestimmen,
ist, „daß in dem, was vorhergeht, die Bedingung anzutreffen sei, unter
welcher die Begebenheit jederzeit (d. i. notwendigerweise) folgt". „Also ist
der Satz vom zureichenden Grunde der Grund möglicher Erfahrung, nämlich
der objektiven Erkenntnis der Erscheinungen in Ansehung des Verhältnisses
derselben, in der Reihenfolge der Zeit." „Der Grundsatz des Kausalverhält-
nisses in der Folge der Erscheinungen gilt daher auch vor (von) allen Gegen-
ständen der Erfahrung . . ., weil er der Grund der Möglichkeit einer
solchen Erfahrung ist" (Krit. d. rein. Vern., 2. A., hrsg. von Valentiner,
S. 225 ff.; 1. A., hrsg. von Kehrbach, S. 180 ff.; Prolegomena, § 27 ff.; vgl.
Ursache). In der Natur (s. d.) hängt alles gesetzlich, notwendig, lückenlos,
stetig, ohne Zufälligkeit zusammen; nichts ist zuzulassen, „was dem
und dem kontinuierlichen Zusammenhange aller Erscheinungen, d. i. der Ein-
heit seiner Begriffe, Abbruch oder Eintrag tun könnte".
Als apriorische Voraussetzung für alles, was Gegenstand der Erfahrung
werden kann, betrachten die K. REINHOLD, BECK, KRUG, FRIES, SCHOPEN-
HAUER (s. unten) HELMHOLTZ (Vorträge u. Reden II4, 243 ff.), SCHNEIDER,
FR. SCHULTZE, (Die Doppelnatur der Kausalität, 1876), F. A. LANGE,
LIEBMANN (Gedanken u. Tatsachen II, 114 ff.), COHEN (Logik, 1902, S.
NATORP (Die logischen Voraussetzungen der exakten Wissenschaften, 1910),
KINKEL, M. ADLER (Kausalität u. Teleologie, 1904), K. VORLÄNDER,
BAUCH, WINDELBAND (Präludien8, 1907, 284 f.), J. BAUMANN, SIMMEL,
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften