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Konvergenz — Kopulative Urteile. 347
den Definitionen (s. d.) und Hypothesen (s. d.) der Mathematik und Physik
betont POINCARE, noch mehr LE ROY U. a. Vgl. F. C. S. Formal
Logic, 1912. VgL Theorie.
Konvergenz heißt in der Physiologie die Richtung der beiden
Augenachsen, bei welcher sich die Blicklinien in dem fixierten Punkte des
Gegenstandes schneiden; das Bild des gesehenen Punktes wird dann einfach
gesehen, weil es auf „identische" korrespondierende Stellen der beiden Netz-
häute fällt (vgl. KREIBIG, Die fünf Sinne des Menschen2, 1907). Vgl. Orga-
nismus (FRIEDMANN).
Konversion ARISTOTELES, Analyt. prior. II 8, 59 b 1;
conversio, im logischen Sinne zuerst bei vgl. PRANTL, Gesch. der
Logik I, 584 f.) ist eine Art der „Umkehrung" des Urteils, bei welcher der
Prädikatsbegriff zum Subjekt wird, ohne daß die „Qualität" (s. d.) des Urteüs
sich ändert. „Rein" ist die K. („conversio pura, simplex"), wenn die „Quan-
tität" (s. d.) des Urteils unverändert bleibt, sonst ist sie „unrein" („c. per
accidens"). Auch hypothetische Urteile sind konvertierbar, wobei die
Hypothesis (Bedingung) zur Thesis (Bedingtem) wird. 1. Allgemein bejahende
und verneinende Urteile sind rein umkehrbar, wenn sie Identitätsurteile sind
(Alle S sind P — Alle P sind S; Kein S ist P Kein P ist S). 2. Sub-
sumtionsurteüe (s. d.) lassen sich nur der unreinen K. unterziehen (Alle S sind
P — Nur einige P sind S). 3. Besonders bejahende Urteile sind rein umkehr-
bar (Einige S sind P Einige P sind S). 4. Besonders verneinende Urteile
sind in der Regel nicht konvertierbar. Vgl. UEBERWEG, Logik, 1882, § 89;
SIGWART, Logik, 1904, I2, ff.; B. ERDMANN, Logik I, 1892, 432 ff.;
LINDNER-LECLAIR, Lehrbuch d. allgemeinen 1903, S. 89 f.
Konzeptualismus (conceptus, Begriff) heißt jene Richtung der Uni-
versalienlehre (s. d.), nach welcher das Allgemeine (s. d.), also die Gattung,
Art weder außerhalb des Geistes („Realismus"), noch als bloßes Wort („Nomi-
nalismus"), sondern als Bewußtseinsinhalt, als begriffliches Gebilde, als ge-
dankliche Zusammenfassung des Gemeinsamen einer Klasse von Objekten
existiert oder Geltung hat (ABAELARD, GILBERTUS PORRETANUS, PETRUS
AUREOLUS, WILHELM VON OCCAM U. LOCKE, LEIBNIZ, REID, BROWN U. a.
Vgl. Allgemein, Allgemeinvorstellung, Terminismus.
Koordiniert (beigeordnet) sind umfangsgleiche Begriffe, die einem ge-
meinsamen Gattungsbegriff untergeordnet sind (z. B. Eisen — Gold, in Be-
ziehung zu Metall). VgL WUNDT, Logik 1906, S. 115 f.
Kopula (copula, Band; im logisch-grammatikalischen Sinne wohl zuerst
bei ABAELARD ; PRANTL, Gesch. d. Logik II, 196 f.) ist derjenige Bestandteil
eines Satzes (s. d.), welcher ein Verhältnis zweier Begriffe zueinander ausdrückt
(vgl. die Logiken von KANT, LOTZE, MILL, WUNDT, SIGWART, B. ERDMANN
a.; KREIBIG, Die intellektuellen Funktionen, 1909, S. 135: „gedankliche
Form, in der die Bejahung oder Verneinung ausdrückt"; F. C. S.
SCHILLER, Formal Logic, E. LASK, Die Lehre vom Urteil, 1912). Das
„ist" („ist nicht") als Kopula bedeutet nicht die reale Existenz. Vgl. Urteü.
Kopulative Urteile sind e mit einer Mehrheit von Subjekten
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften