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der Willenswirksamkeit bzw. auch auf das Er-
leben der Muskelanstrengung (GALILEI, J. J. ENGEL, sur de
de la force, 1802 u. a.) hingewiesen von LEIBNIZ (S. unten),
des sensations I, K. 2, § 11), MAINE DE („effort
Oeuvres II, 17), SCHOPENHAUER, E. H. WEBER, SPENCER, WUNDT u. a.;
BENEKE, LOTZE, UEBERWEG, RIEHL (Der philos. Kritizismus, 1876/87, II, 1, 243),
BIGWART (Logik f.), TH. ZIEGLER, DILTHEY, PAULSEN, ADICKES,
F. SIMMEL, W. JERUSALEM (Die Urteilsfunktion, 1895, S.
vgl. Urteil), JODL, REININGER, J. SCHULTZ, FOUILLEE, RIBOT, NIETZSCHE
(WW. XV), VAIHINGER a. — Auch HUME beachtet das unmittelbare Er-
leben der Willensanstrengung beim Bewegen der Glieder, meint aber, daß auch
hier das Wesen der Kraft nicht erkannt werde; das innere Band, die Notwen-
digkeit, welche Ursache und Wirkung miteinander verknüpft, wird von uns
nirgends erfahren (Enquiry VII; Treatise III, sct. 14; vgl. Kausalität). — KANT
rechnet die K. zu den „Prädikabilien", d. h. den reinen, aber abgeleiteten Ver-
standesbegriffen ; sie folgt aus der Kategorie der Kausalität und ist eine aprio-
rische Denkform in deren Anwendung auf das Formale der Anschauung, hat
daher auch nicht für das „Ding an sich", sondern nur für „Erscheinungen"
Geltung. Ähnlich die (s. d.). Im Sinne des kritischen Idealismus
lehren LIEBMANN (Gedanken u. Tatsachen, 1882, I, 189 ff.), COHEN (Logik,
1902, S. 289), NATORP, CASSIRER, BAUCH U. a. (s. Kausalität).
Rein qualitativ, z. Teil noch an die ursprüngliche Kraftauffassung erinnernd,
tritt der Kraftbegrif im (s. d.) auf. Nach EMPEDOKLES sind
Freundschaft und Streit (veXxog) Naturkräfte. Nach ARISTOTELES
wirken die „Formen" (s. d.) als Kräfte. Die K. als Potenz (dvvapiig) ist das
Prinzip der Veränderung oder Bewegung
phys. IV 12, 1019 a f.); es gibt aktive und passive K. (dvvapiig xov
xov 1. c. IX 1, 1046 a 20). Die Stoiker verlegen die K. in das
(s. d.), das zugleich stofflich ist. Die kennen (wie
DEMOKRIT) nur Druck und Stoß der Atome als Kräfte, keine inneren Agen-
zien. — Die stehen meist auf Aristotelischem Standpunkte; sie
unterscheiden aktive Kraft und Vermögen (vgl. Potenz). Nach THOMAS U. a.
ist die K. von der Substanz (s. d.) real unterschieden (vgl. URRABURU,
pend. philos. scholast., 1902/04; STÖCKL, Lehrbuch d. Phüos. 1912; vgl.
Seelenvermögen). — In der Renaissance tritt ein — oft phantastischer —
Dynamismus (s. d.) auf, der in die Dinge innere, gestaltende, zielstrebige
Kräfte hineinlegt (PARACELSUS, J. B. VAN HELMONT, MORE U. a.).
Nun macht sich aber auch der strengere, exakte, mechanische Kraft-
begriff geltend. So bei BACON, HOBBES, DESCARTES (Princip. philos. II, 43),
KEPLER U. a., besonders aber bei GALILEI, welcher die K. (impetus) als stetige
Folge von Bewegungsimpulsen bestimmt (vgl. Opere, 1887 ff.), NEWTON, nach
welchem die K. eine auf den Körper ausgeübte Tätigkeit ist, welche seinen
Zustand der Ruhe oder der gleichförmigen Bewegung in gerader Richtung
ändert (Naturalis philosophiae princip. mathematica II, def. 4),
D'ALEMBERT, LAGRANGE, LAPLACE, HUYGENS, EULER U. a. — Nach LEIBNIZ
ist die K. das die Substanz (s. d.) Konstituierende. Sie ist das
prinzip" (principe kein leeres Vermögen, sondern ein Streben, das
nur der Beseitigung des Hindernisses bedarf, um von selbst wirksam zu
werden. Die „aktive" K. schließt die Tendenz zum Wirken ein, die
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften