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Handwörterbuch der Philosophie
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Kritizismus. 357 und der Gegenstände desselben sind. Die apriorischen Gesetze des Er- kennens, der „reinen Vernunft" gelten für die Erfahrung, weil diese und deren Objekte selbst schon durch diese Gesetze bedingt sind, nicht an sich bestehen, nicht fertig uns sind Objekt). „Die Bedingungen der Möglichkeit der Erfahrung überhaupt sind zugleich Bedingungen der Möglichkeit der Gegenstände der Erfahrung und haben darum objek- tive Gültigkeit in einem synthetischen Urteile a priori" (vgl. Deduktion). Der Kritizismus beschränkt dann alle Erkenntnis auf Gegenstände möglicher Er- fahrung, auf Phänomene; eine Erkenntnis übersinnlicher Dinge, also eine dogmatische, transzendente, die Erfahrung überfliegende Meta- physik ist unmöglich; den Schein einer solchen Erkenntnis Zerstört die kritische „Dialektik" (s. d.). Metaphysik d.) als Wissenschaft (von den apriorischen Bedingungen aller Erkenntnis) ist nur durch Kritik der Vernunft möglich. Das Scheinwissen ist aufgehoben, und nun bleibt Platz für den Glauben und für eine „praktische" Bedeutung der Vernunftideen. So festigt KANT einerseits die wissenschaftliche Erkenntnis, innerhalb deren die Sicherheit und der höchste Fortschritt möglich sind, anderseits schützt er Ge- mütsbedürfnisse ethisch-religiöser Richtung vor den Angriffen des Skeptizis- mus, der nur in bezug auf Metaphysik als vermeintliche apriorische Wissen- schaft vom Übersinnlichen zur Geltung kommt (Krit. d. rein. Vernunft, S. 5 ff., 18 ff., 581; Prolegomena, Einleit., § 1 ff., § 4 ff.; vgl. die Schrift: De mundi sen- sibilis atque intelligibüis forma et principüs, 1770, in welcher K. den Kritizis- mus schon teilweise vertritt; vgl. Vernunft, praktische; Urteilskraft). — Gegen KANT schrieb HERDER eine „Metakritik" auf empiristischer Grundlage (Ver- stand u. Erfahrung I, ff., 1799). Über KANT hinausgehend bestimmt FICHTE den K. als die Auffassung der Dinge als „im Ich gesetzte", also als reinen Idealismus der gesamten Wissenschaftslehre, S. 41). Einen „Neokritizismus" vertritt RENOUVIER. — Als „methodischen Idealismus", für welchen die Gegenstände nichts Gegebenes, sondern dem Denken „aufgegeben" sind, d. h. sich erst aus den Grund- faktoren der Erkenntnis selbst aufbauen, bestimmen den K. COHEN, CASSIRER, W. KINKEL U. a. (s. Kantianismus). Der K. hat zum Teil einen voluntaristischen (s. d.) Charakter (so bei MÜNSTERBERG, ROYCE U. a.; vgl. luntarismus), in anderer Weise bei VAIHINGER U. a. — Einen „teleolo- gischen" Kritizismus, welcher aus allgemeingültigen Zwecken als obersten Werten und Normen das Erkennen und Handeln beurteilt, vertreten WINDEL- BAND (Präludien8, 1907, S. 34, ff.; 4. A. 1911), RICKERT, B. CHRISTIAN- SEN, LASK, J. COHN U. a. Nach WUNDT ist der K. das Verfahren des der logischen Motive der wissenschaftlichen Erkenntnis (Phüos. Studien VII, 15); kritisch ist die Philosophie, welche von vornherein Rechenschaft über ihre Voraussetzungen und Verfahrungsweisen gibt (Logik II, 2, 631). Einen „kritischen Rationalismus" vertreten KÜLPE, STÖRRING, A. MESSER U. a. Den „Empiriokritizismus" (s. vertreten AVENARIUS, CARSTANJEN U. a. — VgL B. ERDMANN, Kants Kritizismus, 1878; RIEHL, Der philosophische Kritizismus2, f.; E. CAS- SIRER, Das Erkenntnisproblem in d. Phüos. u. Wissenschaft der 2. A. 1911; COHEN, Kants Theorie der Erfahrung2, 1885; Kants Begründung der Ethik2, 1910; Logik der reinen Erkenntnis, 1902; NATORP, Die logischen Grundlagen der exakten Wissenschaften, 1910; JERUSALEM, Der kritische
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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