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Handwörterbuch der Philosophie
Seite - 364 -
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364 Leben. Veränderungen u. dgl. anzusetzen; die Geschlossenheit der chemischen Seite der Lebenskausalität darf nirgends durchbrochen werden, insofern ist jeder „Vitalismus" abzulehnen und der „mechanistische" Standpunkt (im Sinne) einzunehmen — freilich nicht metaphysisch, sondern nur als Forschungsprinzip, welches durch die psychologische Betrachtungsweise des Lebens (Biopsychik) möglichst zu ergänzen ist. Wir werden dann annehmen, daß ebendieselben prozesse, welche, unmittelbar betrachtet, einen einheitlich-stetigen Zu- sammenhang psychischer Reaktionen und Aktionen bilden, vom Standpunkt äußerer, sinnlich vermittelter Erfahrung als Ablauf und Zusammen- hang physischer Vorgänge sich darstellen, erscheinen, gedacht werden müssen. Die Eigengesetzlichkeit des Lebens beruht nicht auf dem Wirken Lebens- kraft, sondern auf der besondern Form der Verbindung sowie des und Wechselwirkens der Bestandteile des Organismus, der im Verhältnis zum Anorganischen eine innere Einheit besitzt und in dem die Vergangenheit in Gestalt latenter Energien von bestimmter Eigenrichtung wirksam ist und die organischen Reaktionen zu etwas der Unweit gegenüber relativ Selbständigem macht. Es bedarf also keiner Annahme einer „Lebenskraft", schon deshalb, weil uns das Lebensprinzip unmittelbar bekannt ist: es ist die Psyche, die Seele (s. d.) als das Innen- oder Fürsichsein des Organismus, der selbst ein „Ausdruck" dieser Innerlichkeit, dieses Regens und Strebens ist (s. Entwick- lung, Zweck). Die älteste Auffassung des Lebens ist die „animistische"; als prinzip gilt hier die Seele, welche dem Körper Leben verleiht, die funktionen ausübt oder anregt, und mit deren Scheiden der Tod Diese Anschauung führt zuerst ARISTOTELES genauer aus. Leben ist nach ihm spontane Ernährung, Wachstum und Zerstörung avxov xe xal xal De anima II 1, 412 a 14), Fähigkeit der Selbstbewegung (1. c. II 1, 403 b 16). Diese sowie die Empfindung kommt nur dem Beseelten zu (1. c. II 3, 413 a 20). Die Seele (s. d.) ist das prinzip, das Prinzip der Ernährung, Fortpflanzung (Pflanzenseele), Empfindung (Tierseele) und des Denkens (vernünftige Seele des Menschen; 1. c. II, 2—4). Ähnlich lehren die auch ihnen gilt das Leben als Wirkung der Seele. Seelenartige, unbewußt-zweckmäßige, gestaltende nehmen an PARACELSUS (S. Archeus), die beiden VAN HELMONT, R. CUD- WORTH, H. MORE, GLISSON U. a. LEIBNIZ verwirft die Annahme von Lebens- kräften, welche in den Zusammenhang des physischen Geschehens eingreifen, etwa die Richtung (s. d.) von Bewegungen verändern können; das Leben eine Äußerung der Seele (Monade) eines Organismus, einer „Entelechie'*', wie sie L. nach dem Vorbilde des Aristoteles nennt (vgl. Organismus). Animistisch denkt namentlich G. E. STAHL (S. Animismus). Abgelöst wird dieser „Animismus" durch den Vitalismus, welcher das Leben auf eine besondere „Lebenskraft" („vis (oder auch einen be- sondern „Lebenstoff") zurückführt, auf eine Kraft (oder Kräfteverbindung), welche sich gestaltend, organisierend, regulierend, zweckmäßig verhält und die physikalisch-chemischen Kräfte im Organismus selbständig verwendet, lenkt, richtet. Einen solchen Vitalismus (in verschiedener Form) vertreten die zinische Schule von A. VON HALLER, BLUMENBACH („Bildungstrieb", s. d.), BICHAT, (Lebensstoff), A. v. HUM-
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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