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den u. a. der Leib eine Fessel, ein Kerker der. Seele (s. d.).
ARISTOTELES ist der im zur Seele eine Potenz, welche
durch die Seele (s. d.) verwirklicht wird und ihr zum Werkzeuge dient; was
den Leib lebendig macht, ist die Seele selbst, die „Form", „Entelechie" (s. d.)
desselben. lehren die Scholastiker, während AUGUSTINUS mehr
im Sinne Piatons denkt und später DESCARTES Seele (s. d.) und Leib als
zwei völlig verschiedene Substanzen betrachtet, deren Wechselbeziehungen
nach ihm und den (s. d.) durch Gott vermittelt werden
müssen. Dagegen lehrt SPINOZA monistisch: Seele und Leib sind nur zwei
Daseinsweisen eines und desselben Wesens (vgl. Identitätsphilosophie), und
LEIBNIZ Der Leib besteht aus seelenartigen einfachen Wesen,.
„Monaden" (s. d.). Nach KANT ist vielfach die Ansicht zur Geltung gekommen,
daß der Leib eine Erscheinung oder Betrachtungsart desselben Wirklichen ist,
das dem unmittelbaren Erleben als Seele sich darstellt (FECHNER, WUNDT
u. a.; s. Identitätsphilosophie). So ist nach SCHOPENHAUER der Leib die
„Objektität", „Sichtbarkeit" des Ding an sich, welches „Wille" ist, das „un-
mittelbare Objekt" des Erkennens, welches einmal als Körper, dann aber auch
als Wille sich darstellt. Der Leib ist der „sichtbar gewordene Wille", die
Aktion des Leibes ist der „objektivierte, d. h. in die Anschauung getretene
Akt des Willens" (Die als Wille u. Vorstellung, I. Bd., § 18 ff.).
Als äußere Daseinsweise des Innenseins des Leibes, welches selbst seelen-
artig ist, betrachten den materiellen Leib BENEKE (System der Metaphys., 1840,.
S. 91 ff., 192 ff.; Das Verhältnis von Leib u. Seele, S. 239 ff.), LOTZE, FORT-
LAGE, J. H. FICHTE („innerer der L. als „Raum- und Zeitbild der
Seele", Psychologie, f., I, 13; II, 81; Anthropologie, 1860, S. 269 ff.), TEICH-
MÜLLER u. a. Nach A. LASSON ist der L. an sich ein „System von
Beziehungen", dessen Substanz die „Form" ist. Der L, ist
ein „Erzeugnis der Seele", vom „Körper" zu unterscheiden. Er ist der
„Niederschlag des gesamten Inhalts aller unserer Erlebnisse", das „äußerlich,
gewordene Gedächtnis der Seele", die Erscheinung, der Ausdruck der
er ist kein Ding, sondern ein Prozeß, ein sich Aufbauen (Der Leib, 1898).
Nach BERGSON ist der L. eine Verkörperung des Geistigen und ein Organ
desselben, ein Aktionszentrum („centre ein Mittel zur zur
Wahl der verschiedensten Betätigungen („instrument de selection"), aber
Quelle von Vorstellungen, da er selbst nur ein Komplex von „Bildern"
die anderen Körper ist. Er ist ein Ausschnitt aus dem stetigen Werden,
schöpferischen Entwicklung (s. d.), der „reinen Dauer" („une coupe transver-
sale de devenir"), welche das geistige Leben ausmacht. Er ist ein
sensorisch-motorischer Apparat, ein Sitz von motorischen Gewohnheiten
tudes motrices"), von Handlungsbereitschaften (s. Gedächtnis). Seine
besteht darin, die Erfahrungen der Vergangenheit aufzuspeichern und in ak-
tuelle Handlungen überzuführen, Handlungsmöglichkeiten zu verwirklichen.
et memoire6, 1910, S. 1 ff., 150 ff., 197 ff., 251 ff.; vgl. Materie,
Seele und sind zeitlich verschiedene Momente des Werdens. Nach
sind Seele und Leib Gegensätze und zugleich Komplemente, Korrelate. Der
Leib ist die Objektivierung unseres Seins, die passive Seite desselben, während
die Seele Aktivität, Variation, Aufschwung ist. Der Leib ist ein Denkmal
unseres Lebens, ist „erstarrte", „gebundene" Seele, Instrument und Ausdruck
der Seele, deren Funktion er vorbereitet oder fortsetzt. Seele und Leib sind
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften