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Handwörterbuch der Philosophie
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Leiden — Leidenschaft. 371 Funktionen, die ineinander übergehen können (Seele und 1912, S. 60 ff.). Vgl. Du PREL, Monistische Seelenlehre, 1887, S. 128 ff.; WUNDT, Grundz. d. phys. Psychologie I9, 1908, S. 11; BRADLEY, Appearance and Reality, 1897, S. 295 ff., SCHUPPE, Grundr. d. Erkenntnistheorie u. Logik, 1894, S. 26 f., E. BECHER, Gehirn und Seele, 1911; H. Leib u. Seele, 1911; R. WILLY, Die Gesamterfahrung vom Gesichtspunkt' des Primärmonismus, 1908 (Die Außenwelt ist der „Leib der menschlichen Gattung"). — Vgl. Körper, Seele, Physisch, Wechselwirkung, Identitätsphilosophie. Leiden nd'&og, passio) ist das der Gegensatz zur Tätigkeit, zum Tun. Leiden (Erleiden) ist ein aufgezwungener Zustand, ist ein Geschehen, das von etwas „Fremden" abgenötigt ist, das in oder an einem Wirkungsfähigen erfolgt, aber nur als erzwungene Reaktion von ihm Im engeren Sinne ist Leiden ein mehr oder weniger andauernder Zustand des. intensiven Schmerzes und der Unlust. Als eine der „Kategorien" (s. d.) tritt das „Leiden" (ndoxeiv) bei TOTELES auf (Categor. 1, 11 b 1 f.; De anima II, 5; De gener. et corrupt. 7,. 324 a Die Relativität der Verschiedenheit von Tun und Leiden schon PLOTIN (Ennead. VI, 1, 19). — Nach leiden wir, wenn wir nur Teilursache eines Geschehens sind (Eth. IV, prop. II, demonstr.). Insbe- sondere leiden wir, wenn wir Affekten (s. d.) ausgesetzt sind und die Dinge nicht adäquat erkennen (1. c. V, prop. XVII, XX). Nach LEIBNIZ verhalten sich die „Monaden" (s. d.) leidend, wenn sie verworrene Perzeptionen haben und der Grund von dem, was in ihnen vorgeht, in einem andern ent- halten ist (Monadolog. 49, 52). FICHTE betrachtet das Leiden (die Affektion) des Ich durch die Objekte nur als verminderte, aufgehobene, gehemmte Tätig- keit des Ich der gesamten S. 62 ff., 78 ff.). VgL Das Dasein als Lust, Leid u. Liebe, 1891; v. KEPP- LER, Das Problem des 1911; MIDDENDORF, Die Bedeutung des L.s bei Nietzsche, 1911. — Vgl. Rezeptivität, Objekt, Pessimismus, Schmerz, Wirkung, Pathos, Intellekt. Leidenschaft passio) ist eine zur Herrschaft über das Vorstel- und gekommene, dauernd gewordene Begierde, ein habi- tuelles Begehren von bestimmter Richtung und großer Stärke, welches als Disposition bereit liegt, und auf Befriedigung lauert, oder eine Abfolge heftiger Gefühle und Affekte (s. d.). Die L. ist scharfsichtig im des sie Be- friedigenden, aber meist blind; unbekümmert um die Folgen ihrer Befriedigung strebt sie nach Durchsetzung und macht so den Menschen unfrei, auch ver- engert sie das Bewußtsein, indem sie Vorstellungen, die ihr günstig sind, be- vorzugt und alles andere zurückdrängt. Das Impulsive, Konzentrierende der L. hat aber manchmal auch gute Wirkungen für das Handeln, und so kann eine L. auch von Wert sein. Es gibt sinnliche und geistige jedes Begehren kann zur Leidenschaft werden. In der älteren Psychologie werden Affekt (s. d.) und Leidenschaft nicht unterschieden. Dies geschieht erst bei KANT. Eine L. ist nach ihm eine „Neigung, die die Herrschaft über sich selbst ausschließt" (Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft, Univ.-BibL, S. die „Neigung, durch welche die Vernunft gehindert wird, sie in Ansehung einer gewissen Wahl mit der Summe aller Neigungen zu vergleichen" (Anthropol. I, § 77). „Wo viel 24*
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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