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374 Liebe — Logik.
Liebe, intellektuelle Gottes („amor intellectualis Dei"), ist, nach
SPINOZA, ein Teil der Liebe, mit der Gott sich selbst liebt. Diese Liebe ver-
schafft uns die Erkenntnis der Dinge „sub specie aeternitatis", als ewig-not-
wendige Folgen aus der göttlichen Einheit, zu der auch wir gehören. Diese
Liebe, die das höchste Gut ist, ist die Liebe, mit der Gott sich in seinen
Modifikationen selbst liebt („pars est infiniti quo se
Die Liebe zu Gott ist zugleich die Liebe Gottes zu den Menschen
(Eth. V, prop. XV ff.; vgl. schon AUGUSTINUS, Solüoqu. I, 2; De trinitate
f.; SCOTUS ERIUGENA, De divisione naturae I, 76; Meister
HART, Deutsche Mystiker, hrsg. von F. Pfeiffer, II, LEO HEBRAEUS,
Dialogi di 1535 u. a.). VgL Liebe.
Liebe, platonische, ist eine nicht sinnliche, rein geistige Liebe ohne
Begehren, insbesondere aber der philosophische Eros, das Streben nach dem
Schauen und Erkennen des Seienden, der Ideen (s. d.), des Guten und
Schönen, des Göttlichen. Der Eros wirkt als geistiger Zeugungstrieb und
treibt uns empor ins Reich des (Symposion 178 ff., 205 E.; Republ. V,
479 f., 505 vgl. L. ROBIN, La platonicienne de 1908). VgL
L. ZIEGLER, Der abendländ. Rationalismus u. der Eros, 1905.
Limitation: Einschränkung, Beschränkung. Sie ist nach KANT eine
der Kategorien (s. d.), ist „Realität mit Negation verbunden" (Krit. d. rein.
Vernunft, 2. A., hrsg. von Valentiner, 1906, S. 123). — Limitativ: be-
schränkend. Limitative oder unendliche Urteile heißen seit KANT Ur-
teile, welche der Form nach bejahend sind, aber ein negatives Prädikat ent-
halten (S ist non-P). Sie an, daß ein Subjekt außer der Sphäre des
Prädikates irgendwo in der unendlichen Sphäre möglicher Prädikate liegt,
die nur in Beziehung ein bestimmtes Prädikat beschränkt wird. Durch
den die Seele ist „nichtsterblich" setze ich die Seele als eins von der un-
endlichen Menge Dinge, die übrig bleiben, wenn ich das Sterbliche wegnehme;
dadurch „wird nur die unendliche Sphäre alles Möglichen insoweit beschränkt,
daß das Sterbliche davon abgetrennt und in den übrigen Raum ihres Umfangs
die Seele gesetzt wird" (Krit. d. rein. Vern., S. 90 f.). VgL COHEN, Logik, 1902,
S. 69 J. KELLER, Zur Geschichte u. Kritik des unendlichen Urteils, 1876.
Das „praedicatum infinitum" unterscheidet schon WILHELM VON OCCAM vom
„pr.
logica, von Xoyog, Gedanke, Vernunft) ist (im engeren,
die Erkenntnistheorie ausschließenden Sinne) die Wissenschaft vom „richtigen
Denken", von den Formen, Bedingungen, Vorraussetzungen (Prin-
zipien), Gesetzen, Normen, des richtigen, d. h. seiner Idee entsprechenden, zur
Erreichung seines Zieles tauglichen Denkens. Sie entlehnt von der Psycho-
logie des Denkens sowie von den einzelnen Wissenschaften und deren Ge-
schichte den („phänomenologischen") Tatbestand der Denkprozesse und Denk-
gebilde, geht aber über alle Psychologie hinaus, da sie nicht das Denken als
psychischen Vorgang beschreiben und erklären, sondern feststellen will, was
das richtige (bzw. falsche), theoretisch-zweckmäßige, normmäßige, „ideale"
Denken konstituiert, welche typischen Denkformen und Denkzusammen-
hänge theoretisch und zweckmäßig, Bedingungen und Mittel zur Er-
reichung des reinen Denkziels und daher absolut und allgemein gefordert sind.
Die L. ist eine „normative" Disziplin, insofern sie die von ihr erkannten Formen
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften