Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geisteswissenschaften
Handwörterbuch der Philosophie
Seite - 385 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 385 - in Handwörterbuch der Philosophie

Bild der Seite - 385 -

Bild der Seite - 385 - in Handwörterbuch der Philosophie

Text der Seite - 385 -

Materialismus. letztere selbst als Kraft (s. d.) (Dynamischer M.) oder als Komplex von Energien (energetischer M.) aufgefaßt werden kann. Verbindet er sich mit der Forderung, auch das psychische Geschehen, seiner materiellen, physischen Seite nach zu untersuchen, so wird dieser „kritische" zum „phänomenalistisch-idealistischen" M., wenn zwar das Materielle als bloße „Erscheinung" oder aus- gegeben, zugleich aber das Psychische (als Gegenstand der Psychologie), wenig- stens seinen Verbindungen nach, nur als „Abhängige" physiologischer Zu- sammenhänge betrachtet wird („Psychophysischer Materialismus"). Der M. ist aber in der Regel die zur allgemeinen Weltanschauung erhobene mechanistische d.) Naturbetrachtung, die Erhebung des auf seinem Gebiete berechtigten Standpunktes der äußeren, sinnlich vermittelten Erfahrung und der sie ver- arbeitenden Denkweise zum absoluten, metaphysischen Standpunkt. Statt der richtigen These: vom Standpunkte der äußeren Erfahrung stellt sich alles als physisch-materiell dar, hat alles — auch das Geistige — eine materielle (phy- sische, energetische) Seite, kann und muß alles, was dieser Betrachtungsweise zugänglich ist, in physikalisch-chemischen Begriffen gedacht werden können — wird behauptet: ist an sich materiell. Es ist zu beachten, daß „Materie" (s. d.) uns nicht unmittelbar gegeben, sondern ein Begriff ist, vermittelst dessen wir das Gegebene der äußeren Erfahrung geistig verarbeiten; daß die innere Er- fahrung ebenso ursprünglich ist wie die äußere; daß das Bewußtsein dasjenige ist, was alles Erkennen materieller Objekte schon bedingt, daher nicht erst aus diesen letzteren abzuleiten ist; daß aus noch so komplizierten Bewegungen oder Energien immer wieder nur andere Bewegungen oder Energien hervorgehen während auf keine Weise abzusehen ist, wie aus einer Bewegung, die •etwas Objektives ist, zum Erkenntnisinhalt gehört, eine Empfindung oder sonst Erlebnis als solches, etwas Subjektives entspringen kann; daß Empfindung nicht selbst Bewegung ist, sondern sich von dieser — die selbst erst auf von Empfindungsinhalten gegeben ist — begrifflich absolut unterscheidet; daß das Umschlagen von Bewegung in Empfindung die als solche nicht selbst ein räumlicher, physischer, energetischer Vorgang ist — dem Prinzip der Erhal- tung der Energie (s. d.) zuwider ist; daß wohl die Materie, das Materielle Erscheinung (s. d.) sein kann, das Geistige aber, das Bewußtsein — die Be- dingung aller Erscheinung nicht auf eine bloße „Erscheinung" zu redu- zieren ist, u. a. m. Kurz, das Psychische (s. d.) oder Geistige ist auf keine Weise aus dem Physischen ableitbar, es hat sich im Besondern wohl „entwickelt", aber nicht aus dem Materiellen, sondern aus psychischen Zuständen niederster Art, die das dessen bilden, was vom Standpunkte äußerer Er- fahrung als physisch erscheint (vgl. Identitätsphilosophie, Seele). Das Geistige ist ein Weltprinzip, das in physischen Vorgängen zum Ausdruck gelangt, ihnen in lebendiger oder „mechanisierter" (s. d.) Form zugrundeliegt. Die „Ab- hängigkeit" psychischer Vorgänge von physischen (Gehirnprozessen) besteht in dem Sinne, daß ohne die Erreichung einer bestimmten Seinsstufe, die in komplizierten Organismus, bzw. in einem Zentral-Nervensystem zur objektiven Erscheinung gelangt, ein differenziertes und Seelenleben nicht möglich ist (vgl. Leib, Wechselwirkung, Panpsychismus) und daß bestimmten psychischen Vorgängen bestimmte Zustände und Vorgänge im (bzw. in der organischen Substanz überhaupt) entsprechen, die aber nicht als wahre, letzte „Ursachen" der psychischen Vorgänge zu be- sind, sondern als äußere Zeichen für dasjenige, was das Identische er, 25
zurück zum  Buch Handwörterbuch der Philosophie"
Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Handwörterbuch der Philosophie