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Handwörterbuch der Philosophie
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386 Materialismus. beider Daseinsweisen bildet; es sieht dann nur so aus, als ob das die „Ursache" des Geistigen wäre (vgl. Materialismus als „Fiktion" VAIHINGER, Die Phüosophie des Als ob, 1911). Der Ausdruck „Materialist" findet sich schon bei ROB. BOYLE. Bei BER- KELEY bedeutet „Materialist" jeden, der die Materie (s. d.) für etwas hält. Vgl. CHR. WOLFF, Psychol. rationalis, § 33. Die ursprüngliche Form des M. ist der „organische", hylozoistische (s. d.) M., welcher alles Wirkliche als körperlich auffaßt, aber dem Stoffe selbst Kraft,. Leben, Beseelung zuschreibt (THALES, ANAXIMANDER U. a.). Einen solchen M. vertreten die Stoiker (s. nach welchen alles Wirkliche körper- lich (näv xb ocopia Diog. Laert. VII, 56) und nur das Körperliche wirklich ist. Hingegen lehrt der Atomismus (s. d.) eines DEMOKRIT, einen rein mechanischen M., nach welchem alles Geschehen in der Ver- bindung und Trennung von Körperelementen besteht (vgl. Diogen. Laert. X; CARUS, De rerum natura, deutsch in der Univ.-BibL). Nachdem im Mittelalter ARNOBIUS, U. a. die Seele (s. d.) als eine Art Körper betrachtet hatten, kommen materialistische Tendenzen erst wieder in der Philosophie auf, so bei HOBBES, GASSENDI, PRIESTLEY, TOLAND, DIDEROT, U. a., besonders bei HOLBACH de la nature,, 1770) und LAMETTRIE, nach welchem das Denken eine Eigenschaft der die Seele (s. d.) nur ein Teil des Gehirns ist. Der Mensch ist eine die ihre Federn selbst aufzieht" machine, 1748; deutsch 1909, in der „Philos. Zuweilen verbindet sich mit dem theoretischen ein (sonst wegs daraus folgender) ethischer M. (Genuß als Lebensziel, wobei man aber auch das „Praktische" betont) und der Atheismus, der allerdings vielfach zum hinzukommt. — Als eine Funktion des Gehirns betrachtet (wie das Denken CABANIS; das Gehirn denkt so, wie der Magen verdaut oder die Leber GaUe absondert du physique et du de l'homme, 8. 1844). — Als Reaktion gegen den Idealismus tritt um 1850 in Deutschland eine materia- listische Strömung auf, welche das Psychische als Funktion des Gehirns auf- faßt, die strenge Gesetzlichkeit und Naturnotwendigkeit alles Geschehens, auch der Willenshandlungen betont, keine immaterielle Seele und keine individuelle Unsterblichkeit und den Menschen und sein Tun als ein Stück der Natur auffaßt. Führer der Bewegung sind C. VOGT (Köhlerglaube und Wissenschaft, 1854; gegen RTJD. WAGNER, Über Wissenschaft und 1854), J. MOLESCHOTT (Der Kreislauf des Lebens, 1852; 5. A. f.; von L. Feuerbach beeinflußt; Die Kraft als Eigenschaft des Stoffes, das Psychische als Eigenschaft des Gehirns, das Denken als Gehirnbewegung), L. BÜCHNER. (Kraft und Stoff, 1855; 21. A. 1904; Natur u. Geist, 1857; 3. A. 1876; Der Mensch u. seine Stellung in der Natur, 1869, u. a.: „Keine Kraft ohne „Stoff, Kraft, Seiendes sind nur verschiedene Ausdrücke für dasselbe D. FR. (Der alte u. der neue Glaube, 1872; 15. A. 1903: Im Gehirn wird Bewegung in Empfindung verwandelt). Materialisten verschiedener Art sind ferner H. CZOLBE (In: Neue Darstellung des Sensualismus, 1855; Die Entstehung des Selbstbewußtseins, 1856), E. DÜHRING (Wirklichkeitsphilosophie, 1895), weiter J. C. FISCHER (Das Bewußtsein, 1874), F. WOLLNY (Der Materialismus, 1888, 2. A. 1902; Apologie des M., 1890), M. BERGER (Der M. im Kampfe mit dem Spiritualismus u. Idealismus, 1883), W. STRECKER u. Menschheit, 1891), B. CONTA (Philosophie Kritischer M.) u.
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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