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Monade. 413
bedeutsamste Phase der Handlung in einem Drama; 2. (das M.)
punkt, Phase eines Prozesses (vgl. HEGEL, Enzyklop. § 145; Philos. des Rechts,
33: „Entwicklungsmomente der Idee"); 3. „statisches" und „Trägheits-
moment" in der Mechanik. — Vgl. GALILEI, ff., I, 191, 555; KANT,
Krit. d. rein. Vernunft, S. 165, f.; HUSSERL, Logische Untersuchungen,
1900, II, 260. Vgl. Milieu.
Monade 1. Einheit (s. d.), so bei dem Mathematiker EUKLID
(Elementa VII), PYTHAGORAS (S. Zahl) u. a. PLATON nennt die „Ideen"
d.) Einheiten (Monaden oder Henaden); 2. metaphysische, substantielle Ein-
heit, einfaches Wesen ohne jede Zusammensetzung, als unausgedehnt, immateriell,
gedacht. Gemäß der „Monadologie" bestehen die Dinge an sich
solchen Monaden, die in ihrer Verbindung der Sinneswahrnehmung als
Körper erscheinen; die Seele (s. d.) gilt hier meist als eine „herrschende"
Monade, welche mit den Leibesmonaden in Wechselbeziehungen steht.
„Monaden" als letzte Elemente („minima"), als physische und zugleich
psychische (empfindungsfähige) Wirklichkeitsfaktoren nimmt GIORDANO BRUNO
an (De triplici 1591, I, 2; De et figura, 1591). Mo-
naden als beseelte Körperelemente gibt es ferner nach F. M. VAN HELMONT,
H. MORE, F. GLISSON U. a. Begründer der Monadologie ist aber erst LEIBNIZ.
Es muß immaterielle Monaden geben, weil das Zusammengesetzte aus Teilen
bestehen muß, die als einfach nicht ausgedehnt sein können. Die Monaden
sind ohne Teile, ausgedehnte, punktuelle („points metaphysiques"), einfache,
unzerstörbare, unwandelbare Kraftzentren seelischer Art, einfache Substanzen
simples"), (s. d.), die „wahren Atome" in der Natur.
Sie haben nur qualitativ-intensive Zustände, sie sind vorstellend (empfindend)
und strebend, haben alle etwas unserem Fühlen und Streben (ten-
dance) Analoges. In jeder Monade besteht eine Entfaltung einer stetigen Reihe
von „Perzeptionen" („lex continuationis seriei operationum"). Keine
M. gleicht der anderen, jede „spiegelt" das ganze Universum, aber von einem
besonderen Gesichtspunkt („point de vue") und in verschiedenem
grade, angefangen von dem dumpfen, verworrenen, „schlafartigen" „Momentan-
bewußtsein" der niedersten Monaden bis zu den mit eigentlichem Bewußtsein,
Apperzeption (s. d.), Selbstbewußtsein begabten Seelenmonaden und bis zu Gott
d.), der „Monade der Monaden", deren „Fulgurationen" (Ausstrahlungen)
die von ihm geschaffenen endlichen Monaden sind (Annäherung an den Pan-
theismus und die Emanationslehre). Die M. sind alle lebendige Spiegel des
Universums („miroirs vivants de konzentrierte („univers con-
jede eine für sich a part"), eine konzentrierte Dar-
stellung des Weltinhalts, so daß man aus jeder M. das Universum erkennen
könnte. Die Monaden können, weil absolut einfach, nicht direkt aufeinander
wirken oder erleiden (sie haben „keine Fenster"), stehen aber mit-
in prästabilierter Harmonie (s. d.), d. h. Gott hat sie in gesetzmäßiger
Zuordnung zueinander geschaffen. Die Körper (s. d.) sind insgesamt Er-
scheinungen von Monadenkomplexen, welche in den Organismen von einer
besonderen Seelenmonade werden (Monadologie 1 ff.; Principe de la
3 ff.; Hauptschriften, 1906 f.; vgl. E. CASSIRER, L.S System, 1902).
Bei CHR. WOLFF werden die Monaden zu naturae" mit inneren
Eigenschaften, Kräften, aber ohne Vorstellungen. „Physische mit
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften