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414 Monadologie — Monismus.
abstoßenden und anziehenden Kräften nimmt KANT in seiner vorkritischen
Periode an (Metaphysicae cum geometria iunctae usus in philos. naturali, 1756).
„Monaden" (oder „Entelechien") gibt es nach GOETHE, HERDER U. a. HER-
BART lehrt die Existenz von „Realen" (s. d.), einfachen Wesen mit „Selbst-
erhaltungen", aber an sich ohne Vorstellungen. Nach LOTZE sind die Monaden
(„unräumliche Atome") einfache Kraftzentren mit einem
inneren Zuständen ohne räumliche Größe und Gestalt; eigentliches Bewußtsein
gibt es aber nur den Seelenmonaden. Die M. sind permanent sich er-
haltende Kräfte, nicht absolut selbständig, sondern Akte, Zustände des gött-
lichen Absoluten, Teile einer „einzigen, sie alle umfassenden, innerlich in sich
hegenden unendlichen Substanz", welche ihre Wechselwirkung (s. d.) vermittelt
(Metaphysik, 1879; 1896 ff.). Monaden gibt es ferner nach
ULRICI, J. H. FICHTE, M. CARRIERE, FROHSCHAMMER (Monaden u. Welt-
phantasie, 1879), TEICHMÜLLER, KIRCHNER, (Das Ding an sich,
1901), L. BUSSE, RENOUVIER (La nouvelle Monadologie, 1899),
MARTINEAU, F. C. S. SCHILLER, M. PETÖCZ, ASTAFJEV, PETRONIEVICS
(Prinzipien der Metaphysik, 1904—1912), KÜHTMANN, CASPARI U. a. Vgl.
Wille (WUNDT U. a.), Atom, Hylozoismus, Panpsychismus, Substanz, Spiritua-
lismus, Seele, Bionten, Harmonie, Kraft, Materie, Pluralismus, Psychade.
Monadologie: Monadenlehre. VgL Monade.
einzig), ist, allgemein, die Zurückführung einer
Mannigfaltigkeit auf eine Einheit oder die Ableitung jener aus dieser, aus einem
einzigen Prinzip. So kann von einem M. (s. Leben), von einem
psychologischen, ethischen, soziologischen M. gesprochen werden, auch
von einem erkenntnistheoretischen M., welcher die Gegensätze von Sein
und Bewußtsein, Objekt und Subjekt durch Zurückführung alles Gegebenen
auf das Bewußtsein oder auf die Erfahrung oder auf Erlebnisse, Elemente,
Empfindungen (s. d.) zu überbrücken sucht (SCHUPPE. LECLAIR, E. MACH,
PETZOLDT, AVENARIUS, VERWORN U. a.; vgl. Immanenzphilosophie, Idealismus,
Positivismus). Der philosophische (bzw. metaphysische, Monismus
ist die Zurückführung der Gegensätze oder Unterschiede von Geist und Körper,
Geist und Natur, Seele und Leib, Psychischem und Physischem auf ein einziges,
einheitliches Seinsprinzip. Je nach der Art, wie dieses Prinzip bestimmt wird,
gibt es verschiedene Arten des ontologischen die im größten
zueinander stehen können, wie der materialistische M.
s. d.) einerseits, der spiritualistische (s. d.) und idealistische M. ander-
seits ; den ersteren liegt allem Sein und Geschehen die Materie (bzw. etwas
Körperliches, Physisches) zugrunde, und der materialistische Charakter wird
auch dadurch noch nicht ganz beseitigt, wenn statt der „Materie" (physische)
Kräfte oder Energien als Prinzip gesetzt werden („dynamischer", „energetischer"
M.). Für den idealistischen M. ist das Seiende an sich geistig (s. Idealismus).
Ein dritter Standpunkt ist der der Identitätsphilosophie (s. d.), nach
welcher Psychisches und Physisches die beiden Daseinsweisen, Seiten, Pole,
Erscheinungen oder Betrachtungsweisen eines und desselben Prinzips sind;
dieser Standpunkt kann bald mehr nach der realistischen und materialistischen,
bald mehr nach der idealistischen Richtung hin sich modifizieren. Einen
Übergang zum kritischen Monismus der Identitätsphilosophie, der z. Teil
„transzendenter" M. ist, bildet der psychophysische M., nach welchem das
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Buch Handwörterbuch der Philosophie"
Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften