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420 — Motiv.
(Phänomenologie, S. 457 f.; Enzyklop. § 487,502; Rechtsphilos, hrsg. von
G. Lasson, 1911, § 207, § vgl. S. 312 f.).
Moralphilosophie: (s.d.); im Englischen („moral philosophy")
soviel wie Geisteswissenschaft (vgl. HUME, Enquiry, sct. 1).
oberster sittlicher Grundsatz, oberste Norm (s. d.) des
Sittlichen. VgL Ethik, Sittlichkeit, Imperativ, Maxime.
Moral sense: „moralischer Sinn", unmittelbares Sittlichkeitsbewußt-
sein, unmittelbare Unterscheidung des Rechten und Unrechten; unmittelbare,
angeborene Neigung zum Guten, Abneigung gegenüber dem Schlechten; Ver-
mögen unmittelbarer sittlicher Billigung und Mißbilligung. Einen „moralischen
Sinn" gibt es nach SHAFTESBURY (Inquiry virtue I, 2, sct. 3),
HUTCHESON, JAMES MILL („sense of right and wrong") u. a. Ein sittliches
Gefühl („moral gibt es nach HUME, A. SMITH, PLATNER U. a.
VgL KANT, Tugendlehre, Einleit. Vgl. Sittlichkeit, Intuitionismus.
Moralstatistik heißt die Statistik (s. d.), die quantitative Darstellung der in
der menschlichen Gesellschaft regelmäßig sich vollziehenden sozial bedeutsamen
Handlungen (Eheschließungen, Selbstmorde, Verbrechen usw.). Es zeigt sich,
daß unter gleichartigen Verhältnissen die Tendenz zu gleichartigem Handeln
besteht; das „Gesetz der großen Zahlen" zeigt eine gewisse Regelmäßigkeit des
durchschnittlichen Verhaltens der Menschen unter bestimmten sozialen Ver-
hältnissen, welche gleichbleibende Motive für den Willen darbieten. Keines-
wegs aber beweist die M. eine rein äußerlich zwingende Naturgesetzlichkeit,
der die Menschen sich nicht entziehen können, sie schließt die
sittliche Willensfreiheit und den Einfluß des Individualitätsfaktors nicht aus,
der — wenn auch der Begriff des (QUETELET) von ihm ab-
strahiert — doch deshalb erhalten bleibt. Tatsache ist nur, daß Menschen
mit ähnlichen Bedürfnissen und Strebungen auf ähnliche Verhältnisse, Lebens-
bedingungen ähnlich reagieren; eine Änderung der sozialen Verhältnisse und
der Menschen bedingt ein anderes Verhalten. Vgl. SÜSSMILCH, Göttliche
Ordnung in den Veränderungen des Menschengeschlechts, 1742; 4. A.
QUETELET, Sur 1835, 1869; deutsch 1838; Physique sociale, 1869;
AD. WAGNER, Die Gesetzmäßigkeit in den scheinbar willkürlichen Hand-
lungen, 1864; DROBISCH, Die moralistische Statistik, 1867; A. v. ÖTTINGEN,
Die Moralstatistik, 1868, 3. A. 1882; KNAPP, Die neueren Ansichten über M.,
1871; G. MAYR, Die Gesetzmäßigkeit im Gesellschaftsleben, 1877; N.
BERG, Die Statistik u. die Gesellschaftswissenschaft, 1893; HAGEMANN, Psy-
chologie8, 1911. — Vgl. Soziologie, Willensfreiheit.
ie (Ethikotheologie): Ableitung der Existenz Gottes und
seiner Eigenschaften aus ethischen Momenten, „aus dem moralischen
Zwecke vernünftiger Wesen in der Natur" (KANT, Krit. d. Urteilskraft, 85).
Aus dem Gesichtspunkte der sittlichen Einheit ergibt sich ein „einiger oberster
Wille", der alle Gesetze in sich befaßt (Krit. d. rein. Vernunft: Vom Ideal
des höchsten Gutes). Vgl. Moralischer Beweis.
Motiv bewegend): Beweggrund, Bestimmungsgrund. M. ist
(psychologisch) jede gefühlsbetonte Vorstellung, sofern sie die Kraft hat, eine
Willenshandlung (äußerer oder innerer Art) auszulösen, sofern sie also der
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften