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426 Nativismus — Natur.
DOWSKI sind die drei Funktionen des Namens „erstens die Kundgabe eines
der sich im Redenden abspielt; zweitens die Erweckung eines
psychischen Inhaltes, der Bedeutung des Namens, im drittens
die Nennung eines Gegenstandes, der durch die von dem Namen bedeutete
vorgestellt wird" (Zur Lehre vom Inhalt u. Gegenstand der Vorstell.,
1894, S. 11 f.). Vgl. F. BRENTANO, Psychol. I, 1874, K. 6, § 3; A. MARTY,
Untersuchungen zur Sprachphilos. u. Grammatik I, 1908; STÖHR, Umriß einer
Theorie der Namen, 1889; Leitfaden d. Logik, 1905, S. 38 ff.; F. C. S. SCHILLER,
Formal Logic, 1912. — Vgl. Wort, Synkategorematisch, Begriff, Allgemein,
Satz.
Nativismus (Ausdruck von HELMHOLTZ) ist die Lehre, daß gewisse
Vorstellungen oder Begriffe angeboren, dem menschlichen Geiste schon ur-
sprünglich eigen sind, schon mit auf die gebracht werden, wobei der ge-
mäßigte N. nur die Anlagen, Dispositionen zu bestimmten Vorstellungen und
Begriffen für angeboren (s. d.) hält. In der Psychologie betrachtet der N. die
Raum- und Zeitanschauung oder die Fähigkeit zu ihr für angeboren, die Räum-
lichkeit und Zeitlichkeit für ursprüngliche Bestimmtheiten des
inhaltes (vgl. Raum, Zeit). Mit „Apriorität" (s. d.) im erkenntniskritischen
Sinne hat dieses Angeborensein nichts zu tun (vgl. Angeboren: KANT). Vgl.
Angeboren, Anlage, Anamnese, Rationalismus.
Natur natura von nasci, entstehen) bedeutet: 1. N. eines
Dinges, das Wesen, die Eigentümlichkeit, das innere Prinzip, die besondere Kon-
stitution, Struktur eines Dinges, auch das daraus entspringende konstante, ge-
setzliche Verhalten des Dinges selbst; das Natürliche als dieses Sein und Ver-
halten steht im Gegensatz zum Unnatürlichen, Abnormalen, zum Widernatür-
lichen, zum Künstlichen, Willkürlichen, zur Kultur (s. d.); 2. den Gegensatz
zum Geist (s. d.), also den Inbegriff des sinnlich Wahrnehmbaren, des rein
Objektiven, der materiellen Dinge und deren Eigenschaften und Relationen, der
physikalisch-chemischen, anorganischen und organischen Prozesse, die des
Materiellen, Dynamisch-Energetischen, die Körperwelt, im Unterschiede von
der Innenwelt, der des Psychischen, des Seelenlebens, der Geistigkeit,
«des Bewußtseins als solchen; 3. die Totalität endlicher Dinge, der alles um-
schließende, als Einheit gedachte universale Zusammenhang des Wirklichen, in
jedes Einzelsein sich als Glied einordnet; die N. in diesem Sinne
schließt auch das Psychische als ihr (potentielles und entwickeltes) „Innen-
sein" ein. Natur und Geist sind, je nach dem engeren oder Sinne
beider Begriffe, 1. zwei Seiten, Betrachtungsweisen einer und derselben Wirk-
lichkeit (s. Identitätstheorie); 2. zwei Richtungen oder Entwicklungsstufen des
Wirklichen, wobei die N. teils als Vorstufe, teils als Mechanisation (s. d.), Fest-
werdung, Erstarrung, Verkörperung des Geistigen zu betrachten ist. — Er-
genommen ist die N. der Inbegriff gesetzlich ver-
knüpfter Erscheinungen als Gegenstände möglicher Erfahrung oder als Inhalt
theoretischen „Bewußtseins überhaupt" (s. Objekt, Erscheinung, Ding an
sich, Naturwissenschaft). — Gegenüber dem Reiche der Kultur und der
sittlichen mit ihren eigenen Gesetzen, Normen, Werten, ihren vom ver-
nünftigen Zweckwillen beseelten Gebilden und ihrer vom „Sollen" beherrschten
Ordnung ist die N. das ursprünglich Gegebene, Unverarbeitete, Unveredelte,
geistig-sittlichen Zwecken noch nicht Unterworfene außer und in uns. In
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften