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Handwörterbuch der Philosophie
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430 Naturalismus. Naturgefühls, 1882-88. Vgl. Naturalismus, Naturphilosophie, Natur- wissenschaft, Gott, Physisch, Wesen. ist, allgemein, die Betonung des Natürlichen, Natur- haften als das Wesenhafte, Wirksame, Wertvolle, Mustergültige. Der physische (theoretische, philosophische) N. betrachtet die Natur (s. d.) — als Inbegriff materieller Objekte oder doch streng kausal-gesetzmäßig zusammenhängender Vorgänge — als die einzige oder die wahre Realität; das Geistige gilt hier als bloßes Produkt der Natur, als durchaus abhängig vom Naturgeschehen und von irgendeinem „Übernatürlichen" kann nicht die Rede sein. Alles ist in den Bann der Naturgesetzlichkeit eingeschlossen, auch der Mensch. Dies führt zum praktischen (historischen, soziologischen) N., der die Handlungen des Menschen dem Naturgeschehen einreiht, die Aktivität und Selbständigkeit (Autonomie) des Geisteslebens nicht würdigt, das geschichtliche, kulturelle und soziale Leben von Naturgesetzen im engern Sinne streng be- herrscht sein läßt, ohne die Macht des Willens, der Idee (s. d.) und des Sollens (s. d.) anzuerkennen. Der ethische N. leitet das Sittliche aus natür- lichen Bedingungen und Trieben ab und wertet das „naturgemäße" Leben, oder das „Ausleben" natürlicher Anlagen (vgl. Sittlichkeit). Der tische N. verlangt eine von „Idealisierung", freie, strenge Nachahmung der Wirklichkeit und eine Darstellung auch des Gewöhnlichen, Häßlichen, Ab- stoßenden. Der religiöse N. identifiziert die Gottheit mit der Natur (natu- ralistischer Pantheismus) oder anerkennt überhaupt keinen Gott (Atheismus). „Naturalist" heißt bei J. derjenige, welcher von der natürlichen Erkenntnis ausgeht (vgl. EUCKEN, Geschichte d. philos. Terminologie, S. 172). Nach G. F. MEIER leugnet der „Naturalist" alles Übernatürliche (Metaphysik, 1755—59, IV, 487). Nach KANT ist Naturalismus die Ableitung alles schehens aus Naturtatsachen. Ein „Naturalist der reinen Vernunft" ist, wer „sich zutraut, ohne alle Wissenschaft in Sachen der Metaphysik zu entscheiden" (Prolegomena, § 31). Theoretische Naturalisten sind in verschiedener Weise die philosophen (THALES U. a.), DEMOKRIT, STRATON aus Lampsakus („docet esse effecta naturata", CICERO, prior. II, 38, 121), die Stoiker, kureer, G. BRUNO, VANINI, HOBBES, SPINOZA, HOLBACH („l'homme de la nature"), LAMETTRIE, J. TOLAND, GOETHE (S. L. FEUERBACH, nach welchem die Natur der „Inbegriff des Wirklichen" D. FR. STRAUSS, DÜHRING, CZOLBE, LOEWENTHAL (System u. Geschichte des Naturalismus6, 1897), E. HAECKEL, H. SCHMIDT U. andere Vertreter naturalistischen Monismus (s. Monismus, Materialismus). Den historisch-soziologischen N. vertreten SPENCER, BUCKLE, manche Sozialdarwinisten (vgl. dagegen R. GOLDSCHEID, u. Menschenökonomie I, 1911) u. a. Ethische Naturalisten sind die Kyniker, Kyrenaiker, Stoiker, kureer, HOBBES, BOLINGBROKE, MANDEVILLE, HELVETIUS, NIETZSCHE U. a. — Die Rückkehr zum „Naturzustand", bzw. zu einfacheren, von den Schäden der Zivilisation freien Lebensverhältnissen fordern die Kyniker, ROUSSEAU, welcher meint: „Tout est bien sortant des mains l'auteur des choses, tout entre les mains de TOLSTOJ u. a. Vgl. SORLEY, Ethics of 1885.
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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