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442 Normal — Notwendigkeit.
Logik, Ethik, Ästhetik, Zwang (H. Sollen, Pflicht,
Recht.
Normal: der Norm, der Regel gemäß, regulär, naturgemäß. Vgl.
DURKHEIM, La division du travail social, 1893; Die soziologische Methode,
1908; FOUILLEE, La morale des 1908, S. 137 ff.; STERN, Different.
Psych., 1911.
Normalreiz (N) heißt bei der Vergleichung der Reize zwecks psycho-
physischer Untersuchungen der konstant gehaltene Reiz, der als Norm zur
Feststellung der Beschaffenheit eines zweiten, abgeänderten, verschiedenen
Reizes („Vergleichsreiz", V) dient. Die entsprechenden als gleich oder ver-
schieden beurteilten Empfindungen heißen „Normal- und Vergleichsemp-
findung". Vgl. KÜLPE, Grundr. d. Psychol., 1903, S. 51; WUNDT, Grdz.
d. physiol. Psychol. I6, 1908.
Normativ: normgebend, Normen (s. d,) aufstellend oder wenigstens
formulierend, erklärend, begründend. N. Wissenschaften sind besonders Logik,
Ethik, Ästhetik, aber auch die Pädagogik, Rechtsphilosophie und
andere „praktische" Disziplinen sind zum Teil normativ. Vermittelst einer
Logik der Normen, der Ableitung sekundärer aus primären Normen (welche
letzteren durch Analyse des auf einem Gebiete zuhöchst Gewollten, Gesollten,
Bezweckten gefunden werden), wird ein System von Forderungen aufgestellt,
denen genügt werden muß, wenn die angestrebten Zwecke gelten und erreicht
werden sollen.
Nach HUSSERL begründet die n. Wissenschaft allgemeine Sätze, in welchen
mit Bezug auf ein normierendes Grundmaß, z. B. eine Idee oder einen obersten
Zweck, bestimmte Merkmale angegeben sind, deren Besitz die Angemessenheit
an das Maß verbürgt oder eine unerläßliche Bedingung für diese Ange-
messenheit beistellt Untersuch., 1900 I, 27). — Nach SIMMEL ist die n.
Wissenschaft nur „Wissenschaft vom „Sie selbst normiert nichts,
sondern sie erklärt nur Normen und ihre Zusammenhänge, denn Wissenschaft
fragt stets nur kausal, nicht teleologisch" (Einleit. in die Moralwissenschaft I,
1892/93, 321; letzteres M. WEBER U. a.: vgl. M. ADLER, Kausalität und Teleo-
logie, 1904. — R. GOLDSCHEID, 1908; EISLER, Grund-
lagen der Philosophie des Geisteslebens, 1908: NAVILLE, Archiv f. systemat.
Philos. IV; DESSOIR, Arch. f. syst. Philos. X, 1904; WUNDT, Ethik2, 1904,
3; 4. A. 1912). Vgl. Sollen, Zweck, Wissenschaft, Wert.
nennt R. AVENARIUS den Charakter der den ge-
wisse Erlebnisse aufweisen (Krit. d. reinen Erfahrung, 1888/90, II, 41).
Notion zuerst bei CICERO, Topica, 6, 30): Gedanke, Begriff.
Notwendigheit ist ein „modaler" (s. d.) Begriff
und bedeutet allgemein das das
insofern das Gegenteil des betreffenden Etwas nicht gedacht werden kann.
Notwendig ist alles, dessen Gegensatz oder Mangel zu denken einen Wider-
spruch einschließt, was also der Denkwille nicht umhin zu bejahen, an-
zuerkennen, als gültig oder seiend zu setzen. Notwendig ist, was aus
bestimmten Gründen unweigerlich, unabänderlich folgt, hervorgeht. Es gibt
verschiedene Arten der N. Die subjektive, psychologische N. besteht in
«der Bedingtheit eines (theoretischen oder praktischen) Verhaltens durch die
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Buch Handwörterbuch der Philosophie"
Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften