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Handwörterbuch der Philosophie
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Notwendigkeit. 443 Gesetzmäßigkeit des Psychischen oder der seelischen Individualität. Die N. ist die Unausbleiblichkeit der physischen Wirkung beim Ein- tritte ihrer Ursache, die strenge Gesetzmäßigkeit des Naturgeschehens. Die N. ist das Gefordertsein eines Verhaltens durch das Sittengesetz, den sittlichen Willen. Die mathematische N. ist das Gefordertsein von Größen-Relationen und von Operationen und Konstruktionen mit solchen durch die Lehrsätze und Axiome der Mathematik. Die (rein) N. ist eine ideelle (oder ideale) N., im Unterschiede von der realen (physischen, psycho- logischen), nämlich das absolute, allgemeingültig Gefordertsein der Setzung, Anerkennung eines Denkinhalts (als Folge) im Zusammenhange mit einem andern (dem Grunde). Durch denkende Verarbeitung des Erfahrungsstoffes ge- langt die Wissenschaft zu den empirisch fundierten, realen Notwendigkeiten, d. h. zu konstanten, in der Natur der Dinge selbst begründeten Relationen (s. Gesetz). Diese Notwendigkeiten sind N., d. h.-sie gelten unter bestimmten Bedingungen; „absolute" N. gibt es nur im reinen Denken. Von kausalen ist die teleologische N. zu unterscheiden, welche in dem Gefordertsein des Mittels durch den Zweck (s. d.) besteht. Es gibt praktische und rein theoretische Zwecke und so läßt sich die erkenntnistheoretische („transzendentale") N. als Abart der teleologischen N. auffassen; die apriorischen Erkenntnisfaktoren sind Bedingungen wie Mittel zur Erreichung des reinen Erkenntnisziels, des einheitlichen Zusammenhanges in objektiver Erfahrung {vgl. a priori, Denkgesetze). — Nicht die N. bildet den Gegensatz zu der (mit ihr prinzipiell vereinbarten) Freiheit, sondern der Zwang (s. d.). Nicht alles Notwendige, nur ein Teil desselben ist zwangsmäßig, durch äußere Faktoren gegen die eigene Natur, das eigene Streben oder den eigentlichen, höheren, ver- nünftigen Willen abgenötigt (vgl. Willensfreiheit). Das „Fundament" der realen N. überhaupt ist das unter gleichen Bedingungen und Anreizen (Ursachen) sich gleichbleibende, der eigenen Natur entspringende Verhalten der Dinge; während im Anorganischen dieses Verhalten „mechanisiert", fest, einseitig geworden, erstarrt ist, ist es in den Organismen mehr oder weniger variabel; der Mensch endlich vereinigt unzählige Möglichkeiten zur Betätigung in sich, von denen jede einzelne „notwendig" gewesen nachdem sie einmal realisiert wurde. Denn erst, wenn alle Bedingungen des eines Vorgangs er- füllt sind, ist er für uns als „notwendig" zu denken (vgl. Möglichkeit). In der antiken Philosophie wird die N. zuerst vielfach als eine die Dinge beherrschende Macht (s. Schicksal) betrachtet. Nach HERAKLIT ist sie eins mit der Vernunft des Alls, dem „Logos" (s. d.). Daß in der alles streng notwendig geschieht, betont DEMOKRIT (Diogen. Laert. IX, 45). Nach dem Megariker DIODOROS geschieht nichts, was nicht notwendig war (vgl. CICERO, De fato, 17). Daß in der und Notwendigkeit gemischt sind, lehren PLATON 47 E, 48 A) und PLOTIN (Enneaden I, 8, 7), während die und Epikureer die strenge Notwendigkeit des Geschehens lehren Schicksal; vgl. aber Willensfreiheit). ARISTOTELES definiert das Not- wendige als das, was sich nicht anders verhalten kann (xb Metaphys. IV 5, 1015 a 34); er unterscheidet objektive und rein logische N., ferner N. schlechthin und bedingte, hypothetische N. (kg Met. XI 8, 1064 b 33 f.; vgl. De interpretatione, 9). — Die bestimmen das Notwendige als das, was nicht kann („quod non potest non esse", THOMAS, Sum. theol. I, 82, 1) und unterscheiden ver-
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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