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450 Objekt.
Seinsrepräsentant des objektiv-realen Dinges an sich" (Kategorienlehre, 1896, S.
Nach UPHUES, H. U. a. sind die Vorstellungen die Repräsentanten
der Gegenstände (vgl. Transzendenz). Nach TH. LIPPS ist Gegenstand nicht
der Bewußtseinsinhalt, sondern das damit Gemeinte, das „in meiner Vor-
stellung Intendierte", ein Jenseitiges für mein Wahrnehmen, das eine
Forderung an dasselbe stellt (Einheiten u. Relationen, 1902, S. 7 ff.). STUMPF
tont: „Das, woran sich die gesetzlichen Beziehungen die den
Gegenstand und das Ziel der Naturforschung bilden, sind nie und nimmer
sinnlichen Erscheinungen. Zwischen ihnen, wie sie jedem das eigene Bewußt-
sein darbietet, besteht die regelmäßige Folge und Koexistenz, die der
Naturforscher in seinen Gesetzen behauptet" (Leib u. Seele2, 1903, S. 27
Nach V. KRAFT müssen wir selbständig existierende Objekte
postulieren, weil nur so die objektive Erfahrung begreiflich wird, wir
nur so dem Solipsismus (s. d.) entgehen und
begriff, 1912). „Die Erkenntnis einer objektiven Realität ist
weil sie die Bedingung einer Erklärung der erlebten Erscheinungen
(S. 232). Ähnlich lehren UEBERWEG, BAUMANN, KÜLPE, VOLKELT, W. FREY-
TAG, RIEHL, E. BECHER, E. DÜRR, WENTSCHER, MESSER U. a. (s.
— Nach WUNDT ist das ursprünglich Gegebene das außer dem
sein liegende „Vorstellungsobjekt", d. h. das Objekt, dem nur
zukommen, die ihm in der Vorstellung beigelegt werden. „Zu diesen Merk-
malen gehört es, Objekt zu sein, es gehört aber dazu ursprünglich nicht im
mindesten, von einem Subjekt vorgestellt zu werden." Das Denken kann
Objektivität schaffen, sondern nur bewahren, wobei ein Teil des Gegebenen ais-
subjektiv betrachtet werden muß, bis dann der Begriff eines bloß mittelbar ge
gebenen, nur noch begrifflich denkbaren Objekts zurückbleibt und die Vor-
stellungen „subjektive Symbole von objektiver Bedeutung" werden. Das Ob-
jekt wird nun nur infolge seiner Wirkung auf unsere vorstellende
gedacht, als Tätigkeit, die unseren Willen bestimmt. Da wir nun nicht an-
nehmen können, daß die Objekte kein eigenes Sein haben und ein
eigenes Sein als unser Wille uns nirgends gegeben ist, so dürfen wir
physisch) das eigene Sein der Dinge als dem unseren gleichartig, als „vor-
stellendes Wollen" bestimmen (s. Voluntarismus; vgl. Philos. Studien VII,.
XII, XIII; System d. Philos. I8, 1907).
Der erkenntnistheoretische (s. d.) erblickt in den Objekten
keine Dinge an sich, sondern Inhalte des (individuellen oder allgemeinen, psy-
chologischen oder „transzendentalen") Bewußtseins. Die Objekte sind durch
das Subjekt (s. d.) bedingt, Erzeugnisse desselben oder von ihm
nichts von den Vorstellungsinhalten oder Wahrnehmungsmöglichkeiten Ver-
schiedenes, nichts außerhalb des Erfahrungs- und Denkprozesses
oder sie bilden samt dem Subjektiven den Inhalt eines allbefassenden, univer-
salen Bewußtseins (objektiver Idealismus), sind Momente eines
Prozesses, einer selbständig sich entfaltenden Vernunft.
Daß Objekte nur in Beziehung auf das Bewußtsein, den Geist
nicht absolut, lehrt A. COLLIER (Clavis universalis, 1713, S. 3 ff.), besonders
aber BERKELEY. Nach ihm sind die materiellen Dinge Komplexe von
findungen, welche in den Geistern unmittelbar von Gott erzeugt werden
ideas imprinted on senses by the autor of nature are called real
Principles XXXIII). Unwahrgenommene Dinge existieren in anderen Geistern und
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Buch Handwörterbuch der Philosophie"
Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften