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456 Objektiv Objektivierung.
bloße Sein als Gegenstand der Vorstellung, des Begriffs, des Denkens,
„was im bloßen d. h. im Vorstelligmachen, liegt und hiermit auf
Rechnung des Vorstellenden fällt" (PRANTL, Gesch. d. Logik III, vgL
SUAREZ, Metaphys. disputationes II, sct. 1, 1). So stellt auch DESCARTES
„obiective" im Sinne von „per repraesentationem" dem Realen („subiective",.
„formaliter", „in rebus ipsis", „extra nostram „in obiectis")
über (Meditat. III; Princip. philos. I, 57, 67, 70, 199; vgl. Realität).
GARTEN unterscheidet „fides sacra obiective" (Glaubensinhalt) und „f. s. subiec-
tive" (Glaubensakt; Metaphys., § 758). A. F. MÜLLER aber z. B. übersetzt
schon „obiective" mit sich und dem (Einleit. in d.
Wissenschaft., 1733, II, 63).
Nach TETENS bedeutet Objektivität einer Sache, daß sie allgemein und
notwendig so erscheinen muß („Ein beständiger Schein ist vor uns
Das „Objektivische" ist das „Unveränderliche und Notwendige in dem Subjek-
tivischen", das Allgemeingültige (Philos. Versuch., 1776, I, 535 ff.). Damit nähert
er sich dem KANTschen Begriff der Objektivität (s. Objekt). Objektiv ist nach
KANT das für jedes Wesen Gültige, die von der Willkür des
unabhängige, kategorial-gesetzmäßige Verknüpfung von Daten der Anschauung..
Urteile sind objektiv, wenn sie „in einem Bewußtsein überhaupt, d. i. darin not-
wendig vereinigt werden" (Prolegomena, § 18 f., 22). Nur dadurch, daß durch
„Kategorie" der Kausalität eine gewisse Ordnung in das Zeitverhältnis
Vorstellungen kommt, erlangen diese objektive Bedeutung. Von der „subjek-
tiven Folge unserer Apprehension" unterscheiden wir die objektive Folge
Begebenheiten dadurch, daß „eine Regel zum Grunde liegt, die uns
diese Ordnung der Wahrnehmungen vielmehr als eine andere zu beobachten"
(Krit. d. rein. Vernunft, S. 187). — RIEHL definiert kritisch: „Objektiv
heißt für jedes erkennende Wesen gültig sein" (Der philos. Kritizismus II 2,
164). Nach TH. LIPPS ist das Bewußtsein der Objektivität das Bewußtsein der
„Forderung" des es gibt eine objektiv reine
standsapperzeption (Einheiten u. Relationen, 1902, S. 10 ff.). Nach WUNDT sind
objektiv „diejenigen Tatsachen, die auf dem Wege fortschreitender
der Wahrnehmung nicht mehr beseitigt werden können" (Logik I2, 1893—95,.
425 ff.). Vgl. VOLKELT, Erfahrung und Denken, 1886; HÖFFDING, Der
menschliche Gedanke, 1912; F, KUNTZE, Die kritische Lehre von der
tivität, 1906; FRISCHEISEN-KÖHLER, Wissenschaft und Wirklichkeit, 1912;.
POINCARE, Der Wert der 1906, S. 198 f.; Geistige
Strömungen der Gegenwart, 4. A. 1909; E. J. HAMILTON, Erkennen
Schließen, 1912 (gegenständlich = „objektual", gegenstandsmäßig =
jektiv"). — Vgl. Subjektiv, Gültigkeit, Qualität, Relation, Wahrnehmung,.
Objektivismus, Idealismus, Wert, Geist, Realität, Wirklichkeit, Tatsache,
formismus, Logik.
Objektiv (das) nennt MEINONG den Gegenstand von Urteilen und An-
gibt Seins- und Soseins-Objektive. Vgl. Objekt.
Objektivierung: Vergegenständlichung, zum Objekt (s. d.)
durch Lenkung der Aufmerksamkeit auf einen Inhalt, der dann vom psychischen
Akt seiner Erfassung unterschieden werden kann, oder (im engeren Sinne),.
durch „kategoriale" Formung des Erfahrungsmaterials (s. Objekt), oder durch
Setzung der Wahrnehmungsinhalte als Gegenstände im oder Beziehung,
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften