Seite - 461 - in Handwörterbuch der Philosophie
Bild der Seite - 461 -
Text der Seite - 461 -
Ontologischer Beweis. 461
nur sofern sie auf Gegenstände gehen, welche den Sinnen gegeben und
also durch Erfahrung belegt werden können" und enthält die „Bedingungen
und ersten Elemente aller unserer Erkenntnis a priori" (Über die Fortschritte
der Metaphysik, Kleine Schriften III2, 1905, „Philos. Bei HEGEL ist
die Kategorienlehre als „Lehre von den abstrakten Bestimmungen des
Wesens" (Enzyklop. § 33), bei HERBART ein Teil der Metaphysik (Allgemeine
Metaphysik, § 199 ff.). Vgl. A. STÖCKL, Lehrbuch der Philos., II8, 1912 =
„die Wissenschaft, welche den Substanzbegriff untersucht"). Vgl. Vom
Sein. Abriß der Ontologie, 1896; L. W. STERN, Person u. Sache I, 1906, 159 ff.;
URRABURU, Ontologia, 1902; LEHMEN, Lehrb. d. Philos. I, 1909. VgL Onto-
Metaphysik, Wesen, Gegenstandslehre.
Ontologischer Beweis für das Dasein Gottes ist der Schluß aus
Begriffe oder Wesen Gottes auf dessen reale Existenz: Gott ist dasjenige
Wesen, das nur als seiend gedacht werden kann, denn das Höchste, Voll-
kommenste, Absolute muß die Existenz einschließen, kann nicht bloßer Denk-
inhalt sein. Wäre Gott nicht seiend, so wäre er — was ein Widerspruch ist
— nicht das Größte, denn es würde ihm die Existenz fehlen. So argumentiert
ANSELM VON CANTERBURY („At certe id, quo malus cogitari nequit,
non potest esse in solo. Si quo cogitari non in
solo intellectu foret, utique eo, quo maius cogitari non potest cogitari . .
Existit ergo procul dubio aliquid, quo maius cogitari non valet in intellectu et in
re"; Proslog. 2 f.). Dagegen wendet schon GAUNILO („Liber pro ein,
daß aus dem Sein Gottes im Denken noch nicht die Existenz Gottes folge;
die Realität eines Gegenstandes muß schon feststehen, bevor aus dessen Wesen
gefolgert werden kann. Darauf ANSELM: Gott als das Größte kann nicht
als nichtseiend gedacht werden (Liber apologeticus 3; vgl. schon AUGUSTINUS,
Confession. VII, 4). THOMAS VON AQUINO U. andere Scholastiker verwerfen
das ontolog. Argument. Erneuert wird es von DESCARTES: Wir denken Gott,
das vollkommenste Wesen als notwendig und ewig, die Existenz gehört not-
wendig zu seinem Wesen, ist von ihm untrennbar („Ex eo, quod non
nisi existentem, sequitur existentiam a Deo esse inseparabilem",
Meditation. V; Princip. philos. I, 14). Nach SPINOZA schließt Gottes Wesen-
heit die Existenz ein (Eth., defin. I, prop. XI).
Gegen das Argument wendet KANT ein: „Die unbedingte Notwendig-
keit der Urteile . . . ist nicht eine absolute Notwendigkeit der Sachen." Ne-
wir das Subjekt samt dem Prädikat eines Urteils, so besteht kein
Widerspruch. Ferner: Existenz ist kein Merkmal, das noch zum Begriff eines
Dinges hinzukommt, sondern bloß „die Setzung des Dinges mit allen seinen
Bestimmungen, wodurch also dieser Begriff gar nicht erweitert wird". Aus
bloßen Begriffen läßt sich keine Existenz herausklauben, es gehört dazu noch
Beziehung auf mögliche Erfahrung; daher ist für übersinnliche Objekte keine
Möglichkeit, ihr Dasein zu erkennen (Krit. d. reinen Vernunft, S. 469 ff.;
Kleine Schriften III2, 135). HEGEL wiederum verteidigt das ontolog. Argument
und meint: „In der Tat ist alles Endliche dies und nur dies, daß das Da-
sein desselben von seinem Begriffe verschieden ist. Gott aber soll ausdrücklich
das sein, das nur ,als existierend werden kann, wo der Begriff das
Sein in sich schließt" (Enzyklop. § 51 ff.; WW. Und LOTZE er-
„Wäre das Größte nicht, so wäre das nicht, und es ist ja un-
zurück zum
Buch Handwörterbuch der Philosophie"
Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften