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462 — Optimismus.
möglich, daß das Größte von allem Denkbaren nicht wäre" (Mikrokosm. III2,
557). — Vgl. DORNER, Grundr. d. Religionsphilos., 1903, S. 205 f.; J. KÖRBER,
Das ontolog. Argument, 1884; W. SCHMIDT, Der ontolog. Gottesbeweis.
schichtlich-kritische Übersicht bis Kant, 1900.
(to das Seiende): 1. = ontologisches Verfahren,
Ableitung der Existenz von Dingen aus bloßen Begriffen; 2. Lehre, daß das
göttliche Sein Objekt geistiger Intuition sei oder durch Teilnahme am gött-
lichen Erkennen erfaßt werde oder daß die „Ideen" Modifikationen des gött-
lichen Geistes selbst sind (unter dem Piatons, Augustinus,
branches: CARTUYVELS, 1856—57). —
„ontologische" Formel lautet: crea (das Wesen erzeugt
Existenz; Introduzione, 1839 f., I, 5 f.).
ist (nach CLAUBERG) soviel wie Ontologie (s. d.).
Operari esse: Das Handeln folgt aus dem Sein, ist dem
Sein, Charakter gemäß SCHOPENHAUER). Vgl. Willensfreiheit.
(oder Naassener): Name einer gnostischen (s. d.) Sekte,
einen „Schlangengeist" verehrte.
Opposition: (oppositio) Entgegensetzung, Gegensatz (s. d.) logischer
oder realer Art.
(Entgegensetzungsschlüsse) sind Folgerungen
aus der Wahrheit (Falschheit) von Urteilen auf die Falschheit
entgegengesetzter Urteile. Z. B. Alle S sind P = wahr, dann: Kein S ist
falsch; Einige S sind P = wahr; dann: Kein S ist P falsch; Einige S
sind P = falsch; dann: Kein S ist P = wahr; Kein S ist P = wahr,
Einige S sind P = falsch; Einige S sind nicht P = wahr, dann: Alle S sind
P = falsch; Einige S sind nicht P = falsch, dann: Alle (einige) S sind P =
wahr. Vgl. BACHMANN, System d. Logik, 1828, S. 160 ff.; KREIBIG, Die in-
tellektuellen Funktionen, 1909; E. J. HAMILTON, Erkennen u. Schließen,
Optimismus (optimus, der beste) ist 1. die Gemütsdisposition, welche
alles von der guten Seite auffassen, überall nur das Gute sehen oder erwarten,
Menschen und Verhältnisse vertrauensvoll beurteilen 2. die philosophische
Ansicht, daß die trotz der Übel und im einzelnen
gut oder so vollkommen als möglich ist, daß das Leben wertvoll, zu bejahen ist.
Der Standpunkt, daß es in der (und im menschlich-sozialen Leben)
immer besser wird, immer besser werden kann, heißt (s.
ist der Glaube an den sozialen (historisch-kulturellen) Fortschritt
(s. d.) der Menschheit. Der „eudämonologische" lehrt das Überwiegen der
Lust in der — heißt die Neigung, Ver-
gangenes in der Erinnerung optimistischer zu beurteilen (KOWALEWSKI, Studien
zur Psychol. des Pessimismus, 1904; JUNG, EBBINGHAUS, OFFNER, Das Ge-
dächtnis2, 1911, S. 194). Daß lustbetonte Erlebnisse besser in der Erinnerung
bleiben (wie FREUD, JUNG, KOWALEWSKI, A. SCHOPENHAUER, 1908, PETERS
u. a. annehmen), ist, nach OFFNER (1. c. S. 194), nicht erwiesen.
Den vertritt schon PLATON, nach welchem der göttliche Demiurg als
der Beste nur das Schönste schaffen konnte und die Ordnung, die er herstellte,
der Unordnung vorzog ydg b ftebg ndvxa —
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Buch Handwörterbuch der Philosophie"
Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften