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Handwörterbuch der Philosophie
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474 Parallelismus. sich auf zweierlei Weisen betrachten, untersuchen, begrifflich bestimmen läßt. Gegen die Wechselwirkungstheorie wird eingewendet: 1. Die Ungleichartig- keit des Psychischen und Physischen, des Gegenstandes der inneren (unmittel- baren) und äußeren Erfahrung, des Objektiven und Subjektiven, die es ver- bietet, beide Seinsarten in eine Kausalreihe zusammenzufassen, innerhalb welcher von einem Gliede zum andern übergegangen werden kann, da hier alles gemeinsame Maß, alle Möglichkeit einer Umsetzung, aller Angriffspunkt für das „Wirken" fehlt. 2. Das Prinzip der welches aus dem Vorstehenden sich ergibt und die Forderung einer Konsequenten, nirgends Halt machenden Verfolgung der physischen Kausal- reihen und der eindeutigen Zuordnung ihrer Glieder einschließt. 3. Das Prin- zip der Erhaltung der Energie, wonach die Bewirkung eines physischen Vorganges durch einen psychischen einen Energiezuwachs ohne Äquivalent, jede Bewirkung eines psychischen Vorganges durch einen physischen einen Energieverlust ohne Äquivalent bedeuten würde. Auch die „Richtung" des physischen Geschehens ist ohne irgendeinen Energieaufwand nicht beeinflußbar, und ebenso ist es bei jeder der Fall. Das Psychische (s. d.) selbst aber ist keine „Energie" im physikalisch-chemischen Sinn, mag es auch in einem System organischer (zerebraler) Energien zum objektiven Ausdruck, zur Erscheinung gelangen oder sich vom Standpunkt äußerer Erfahrung energetisch betrachten lassen. Die Geschlossenheit des physischen Geschehens verhindert hingegen weder die funktionale wechselseitige „Abhängigkeit" beider Reihen noch die Wechselwirkung zwischen dem Geistigen im engeren, höheren Sinne und dem „Physischen" im weiteren Sinne (Sinnlichen), zwischen bewußten und relativ unbewußten Prozessen, noch endlich die Annahme, daß alles Physische (oder doch ein Teil desselben) unmittelbar oder mittelbar eine psychische hat (vgl. Identitätsphilosophie, Leib, Seele); nur daß die Natur- wissenschaft das Geschehen so betrachtet, als ob es rein physisch (mechanisch- energetisch, wäre und die „Innenseite" der psycholo- gischen (bzw. der metaphysischen) Betrachtungs- und der Wirklichkeit überläßt. Ein regulativ-heuristisch fruchtbares Postulat ist es die eine Erkenntnisweise so weit als möglich durch die andere (nicht zu verdrängen, zu ersetzen, wohl aber) zu ergänzen. Die Theorie des P. tritt in verschiedenen Formen auf. Der realistische P. beide Daseinsweisen des Wirklichen für gleich real, der phänomenalistische P. für Erscheinungen eines ihnen zugrundeliegenden Realen. Der idealistische P. die physische Reihe als etwas Ideelles, vom erkennenden Subjekt Abhängiges, bloß als Inhalt eines Bewußtseins Existierendes. Der idealistische P. mit spiritualistischer Färbung erblickt in der physischen Reihe die objektive Erscheinung eines psychischen „An sich" (Psychischer Monismus). Der halb- P. betrachtet umgekehrt das Psychische als „Begleiterschei- nung" des (realen oder phänomenalen) Physischen. Endlich gibt es einen universalen und einen bloß partialen P. (vgl. Panpsychismus). Die P.-Theorie begründet (in Weiterbildung des s. d., vgl. MALEBRANCHE, Recherche de la II, 5) SPINOZA auf Grundlage Identitätslehre (s. d.). Die göttliche „Substanz" (s. d.) hat unendliche „Attribute" (s. d.), von welchen wir Denken (Bewußtsein) und Ausdehnung die wiederum in vielen „Modis" (Besonderungen) existieren. Jedem Modus des einen Attributs entspricht ein Modus des andern Attributs und
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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