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Handwörterbuch der Philosophie
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Phantasie. 487 mehr „schöpferischen", produktiven Charakter, sowie durch ihre Leitung seitens des Willens zum schauenden Gestalten und gestaltenden Schauen und seiner Zielpunkte (ästhetische „Ideen"). Gefühle und Triebe erregen die Phantasie und geben ihr vielfach die Richtung; sie selbst beeinflußt das Gefühls- und Triebleben und geht auch in das Denken ein, welches sie schöpferisch, er- findend und entdeckend gestaltet. Die Ph. hat daneben ihre eigene „Logik", ihre eigenen, Zusammenhänge, die für die Kunst be- deutsam sind. Die Ph. schöpft ihr Material aus der Assoziation, geht aber über diese hinaus und ist eine Richtung derselben Geisteskraft, die im Denken zur Geltung kommt. „Phantasia" bedeutet ursprünglich Vorstellung (s. d.) überhaupt, die nach ARISTOTELES eine Nachwirkung der Wahrnehmung ist (Rhetor. I 11, 28; De anima III 3, 328 a 7 ff.). Die Stoiker unterscheiden von der das Phantasma (s. d.). — AUGUSTINUS unterscheidet reproduktive, produktive und synthetische Ph. Die Scholastiker bezeichnen ein eigenes Seelenvermögen als „vis imaginativa", „imaginatio" (Aufnahme von inhalten ; Vorstellung eines Abwesenden). Auch bei DESCARTES, SPINOZA U. a. ist die „imaginatio" das unmittelbare, anschaulich-konkrete Vorstellen. Die Phantasievorstellungen sind nach DESCARTES „selbsterzeugt" („ideae a me ipso factae", Meditationes, III; I, 20 f.). Nach SPINOZA erfaßt die die Dinge als einzelne, zufällige, beschränkte, ver- änderliche Objekte (Ethik II, prop. während die Vernunft sie als zeit- los-notwendig und ewig erfaßt. Im 18. Jahrhundert wird die Ph. Öfter als „Dichtkraft", mögen" bezeichnet (G. F. MEIER, TETENS U. a.). Nach WUNDT ist die Ph. ein „Denken in Bildern", „Denken in sinnlichen Vorstellungen". Sie ist eine Form der apperzeptiven Analyse und zerlegt eine in eine Reihe von Gebilden. Die passive Ph. geht unmittel- bar aus den Erinnerungsfunktionen hervor, die aktive steht unter dem Einfluß streng festgehaltener Zweckvorstellungen (Grundr. d. Psychol.5, 1902. 317 ff. ; Grdz. der physiol. Psychol. III6, 1903, 631 ff.); vgl. LUCKA, Die Phantasie, 1908. Die Bedeutung der Einbildungskraft (s. d.) für die Erkenntnis betont zuerst HUME (S. Kausalität, Substanz). Ferner KANT, nach welchem die „produktive a priori das Anschauliche verbindet, als eine „Wirkung des Verstandes auf die Sinnlichkeit und die erste Anwendung desselben" (s. Ein- vgl. Anthropol. I, § 26), FICHTE, SCHELLING, VAIHINGER (S. Fiktion) u. a. Das bewußt und unbewußt-schöpferische Wirken der Ph. betont die Schule auch CHR. KRAUSE, J. H. FICHTE (Psychol. I, 462 ff.), ULRICI u. a. Ferner besonders FROHSCHAMMER, nach welchem Ph. das Vermögen ist, „das Geistige in sinnliche (oder sinnlich-psychische) innere Formen, Vor- stellungen zu bringen" (Monaden u. Weltphantasie, 1879, S. 7). Die „Weltphan- tasie" wirkt in allem gestaltend, plastisch, unbewußt und bewußt, im Organi- schen und Geistigen (Die Ph. als Grundprinzip des Weltprozesses, 1877, S. 192 ff.). — Vgl. H. COHEN, Die dichterische Ph., DILTHEY, Die Einbildungskraft des Dichters, 1892; Das Schaffen des Dichters, 1887; S. RUBINSTEIN, Essays, 1878; H. SCHMIDKUNZ, Analytische u. synthetische Ph., 1889; Über Phantasievorstellungen, 1889;
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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