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Handwörterbuch der Philosophie
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Praxis — Prinzip. 507 Praxis Handlung, gewohnte, regelmäßige Tätigkeit, praktisches Verhalten im Gegensatz zur Theorie (s. d.). Die P. bildet den Ausgangspunkt der Theorie und wird dann von dieser wieder beeinflußt (vgl. Aktivismus). Die vollständige, exakte Theorie muß sich in der Praxis realisieren, anwenden lassen, doch gibt es Fälle, die zwar theoretisch möglich sind, in der Praxis (d. h. hier Wirklichkeit) nicht (oder nicht rein) vorkommen (vgl. Fiktion). — VgL KANT, Über den Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis, 1793 (Berliner Monatshefte; K. wendet sich gegen diesen Aus- spruch). Vgl. Pragmatismus, Fiktion. Präzis (praecisus): genau, scharf, eindeutig bestimmt. P. sollen Begriffe und Definitionen sein. Primalitäten (primalitates) nennt CAMPANELLA die das Wesen des Seienden und konstituierenden Attribute. Die P. des Seienden sind das Vermögen zu sein und zu wirken (potentia), das Wissen (sapientia) um sich selbst, die Liebe (amor); die P. des Nicht-seienden sind „impotentia", „insipientia", Nur Gott hat die positiven P. in unendlichem Grade; Geschöpfe sind eine Mischung von Sein und philos. II, 2, f.). Primär: erstlich, ursprünglich, wesentlich. So spricht LOCKE von Qualitäten (s. d.) der Dinge. — Primäre, sekundäre und tertiäre Bewußtseinsvorgänge (Empfindungen u. dgl.; höhere geistige Prozesse) unterscheidet JODL. Vgl. Gedächtnis. Primat (primatus): Vorrang, Vorzug. So lehrt KANT den P. der „praktischen Vernunft" vor der theoretischen (Krit. d. prakt. Vernunft, Univ.- BibL, S. 144; vgl. Vernunft); auch FICHTE, WINDELBAND, RICKERT, MÜNSTER- BERG, VAIHINGER U. a. Vgl. E. LASK, Bericht d. III. intern. Kongr. für Philos., 1909. Vgl. Voluntarismus, Wahrheit, Sollen. Primitiv: ursprünglich, uranfänglich, einfach, unentwickelt, undifferen- niedrig stehend. Prinzip (principium, dgxrj): Anfang, Ausgangspunkt, Ursprung, Urgrund Grundeinheit, Grundlage, oberster Grundsatz als Voraussetzung, Grundlegung Denkens, Erkennens, Handelns. P. ist also sowohl das, woraus ein Seien- des hervorgegangen ist oder was den Dingen zugrundeliegt (Realprinzip, Seinsprinzip), als das, worauf sich das Denken und Erkennen notwendig stützt (Denkprinzip, Erkenntnisprinzip, Idealprinzip formaler und materialer Art), als auch ein oberster Gesichtspunkt, eine Norm des Handelns (prak- tisches P.). Der Begriff des Seinsprinzips findet sich (implicite) schon in der ältesten grie- chischen Philosophie (s. unten). PLATON versteht unter Prinzipien schon auch erste Grundlagen der Erkenntnis (Phaedrus, vgl. 107 B). ARISTOTELES versteht unter P. (dgxrj) die erste Ursache, das, woraus etwas ist, wird oder erkannt wird (o&ev rj Metaphys. 1, 1012 b 34 ff.; s. unten). Nach THOMAS VON AQUINO ist P. dasjenige, „a quo procedit quocumque modo", „quod est aut in esse rei . . . aut in fieri rei . . . aut in rei cognitione" (vgl. Sum. theol. I, 33, 1 c). Nach
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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