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510 Progreß — Propädeutik.
— P. Na tu ren nennt GOETHE Charaktere, die „keiner Lage gewachsen
sind, in der sie sich befinden und denen keine genug tut" (Sprüche in Prosa
II, 127).
P r o g r e ß (progressus): Fortschritt, Fortgang von der Bedingung zum
Bedingten, vom Allgemeinen zum Besonderen (P. Methoden), von anerkannten
Sätzen zur These als Folgerung (P. Beweis). Vgl. Unendlich.
(proiectio, Entwurf): Verlegung. Die „P. der Empfin-
dung" ist nicht ein wirkliches Hinausverlegen der Empfindungsqualität in den
(objektiven) Raum, sondern die (durch „Lokalzeichen", Assoziation, Erfahrung
bedingte) Auffassung derselben als Bestandteil desjenigen Objekts, das wir als
Sitz des „Reizes" der betreffenden Empfindung betrachten, die Assoziation der
Qualitäten mit gleichzeitigen („lokalisierten") Empfindungen des Tastsinnes
(RIEHL, Der philos. Kritizismus 1879, I 2, 56 ff.; vgl. JODL, Lehrbuch der
Psychol. II8, 1909, 247 ff.: die „Exzentrizität" der Empfindung gehört zum
Wesen der psychophysischen Reaktion, beeinflußt durch Assoziation und Urteil;
Das Ganze der Philos., 1896, S. 266 JAMES, Principles of Psychol., 1890,
II, 31 ff.). Bei der „exzentrischen Projektion" wird jede aus der Erregung einer
sensorischen Nervenfaser entstehende Empfindung an das peripherische Ende
der leitenden Bahn (etwa in den Arm, Fuß usw.) oder noch darüber hinaus
verlegt (z. B. unter den Stock,' auf den man sich stützt und der die Hand
drückt). Vgl. HOBBES, De corpore C. 25, 2; CONDILLAC, Traite des sensations
1754, I, K. 11, § 1; II, K. 7, § 16; IV, K. 8, § 2; TETENS, Philos. Versuch
1776/77, 415; LOTZE, Medizin. Psychol., 1852, S. 368; C. STUMPF, Ent-
der 1873, S. 190; WUNDT, Grdz. d. physiol. Psychol.
1910, S. 730 ff. — VgL Lokalisation. — Projektion im erkenntnistheore-
tischen Sinne: 1. Übertragung von Ich-Bestimmtheiten auf die Außendinge
(TEICHMÜLLER U. a.; s. Introjektion); 2. Übertragung von
erfahrungen in die Zukunft und über das Erleben hinaus (AARS, Zur psychol.
Analyse der 1900). Vgl. E. MÜLLER, Das Abbildungsprinzip, 1912.
P r o l e g o m e n a Vorbemerkungen, Einleitung, Einführung.
Vgl. KANT, Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissen-
schaft wird auftreten können, 1783.
praesumptio, anticipatio, 1. bei den
Stoikern: der aus der Wahrnehmung unmittelbar-planlos ge-
bildete, natürliche Begriff xcov xa&6Xov, Diogen. Laert. VII, 54;
Pseudo-Plutarch, Placita philos. IV, 11, 3). Die gemeinsamen Begriffe
„notitiae communes") sind instinktmäßig entstehende, allgemein ver-
breitete „Annahmen" des Guten, Gottes usw. (vgl. P. Barth, Die Stoa2, 1908,
S. 113; vgl. SENECA, Epist. 117, 6; CICERO, De legibus I, 9 f.; Top. 7, 31);
2. bei den Epikureern: Vorstellung, allgemeine Vorstellung als Erinne-
rung an gleichartige Wahrnehmungen desselben Dinges, an den Namen des-
selben sich knüpfend xov
cpavevxog, Diogen. Laert. X, 33, 51; vgl. GASSENDI, Syntagma
I, 3). VgL COHEN, Logik 1902, S. 132. — Vgl. Antizipationen.
P r o p ä d e u t i k Vorbereitung, Vorbildung, vorbereitende
Wissenschaft („philosophische Propädeutik", gewöhnlich Logik und Psycho-
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften