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Psychische Energie — Psychische Kausalität. 513
S. V., 12 ff., 5. A. 1906; Erkenntnis u. 1906, S. 6: „das nur
unmittelbar VERWORN, ZIEHEN U. a. Auch MÜNSTER-
BERG, nach dem aber das Psychische (Psychologische) im Unterschied vom
Geistigen ein bloßes Abstraktionsprodukt ohne Realität und Kausalität ist
d. Psychol. I, 57 ff.). Daß das Psychische mit zum Bewußtseins-
inhalt gehört, gerade so wie das Physische, betonen COHEN, NATORP, RICKERT
(Grenzen d. naturwissensch. Begriffsbild., S. 175 ff.), SCHUPPE, H. Das
Problem der Gegenständlichkeit in der modernen Logik, 1912 (wie RICKERT:
Psychisches und Physisches sind immanente Inhalte des Bewußtseins, beide werden
durch dieses als seine Objekte erzeugt). — Die absolute Realität des Psychischen
betonen hingegen BRENTANO, MEINONG, WITASEK, HÖFLER, KREIBIG, DIL-
THEY, LIPPS, HEYMANS, BUSSE, ERHARDT, BERGMANN, JAMES, H. BERGSON
Psychische ist „reine Dauer", innerlich-stetige, schöpferische Entwicklung,'
nicht eine Sukzession homogener Zustände; L'evolution 1910, S. 1 ff.,
24 ff.) u. a.
Als eine Form der „Energie" betrachten das Psychische OSTWALD (Vor-
lesungen über Naturphilos.2, 1902, S. 377 f.), GOLDSCHEID (vgl. Zur Ethik des
Gesamtwillens I, 1903, 10 ff.), STUMPF (Leib u. Seele2, 1903, S. 24, nur hypo-
thetisch) u. a. Dagegen sind RIEHL, B. KERN, KASSOWITZ U. a.
Betreffs der Zurückführung des Psychischen auf materielle, physiologische
Prozesse vgl. Materialismus, Bewußtsein, Seele.
Die biologisch-teleologische Natur des Psychischen betonen SCHNEIDER,
STEINTHAL, NIETZSCHE, SPENCER, RIBOT, JAMES, DILTHEY, EBBINGHAUS, JODL,
JERUSALEM, OSTWALD, MACH, J. SCHULTZ, SIMMEL, KREIBIG, KOHNSTAMM, VAI-
HINGER, BALDWIN, STOUT U. a. Vgl. LOEWENFELD, Bewußtsein u. psychisches
Geschehen, 1913. — Vgl. Atomistisch, Seelenvermögen, Akt, Aktivität, Psycho-
logie (auch die Literatur daselbst), Arbeit, Geist.
Psychische Energie: psychische Wirkungsfähigkeit, qualitativ-in-
tensiver Art, im Unterschiede von der physikalischen, in mechanische Arbeit
umsetzbaren Energie. Es besteht ein „Wachstum", organischer und geistiger
Energie, d. h. sowohl eine intensive Steigerung derselben im Laufe der Entwick-
lung als auch eine Zunahme psychischer Qualitäten, Gebilde, Zusammenhänge,
Werte, ohne daß das Prinzip der Erhaltung der physischen Energie dadurch
verletzt wird, das sich nicht auf geistige „Wertgrößen", sondern auf
mechanische „Größenwerte" (WUNDT) bezieht. Vgl. LASSWITZ, Archiv für
Philos., N. VON GROT, 1. c. IV, LIPPS, Leitfaden der
Psychologie, 3. A. 1909, S. 62 f. (psychische „Kraft", welche den Seelenvor-
gängen je nach ihrer „Energie" zufließt); M. OFFNER, Das Gedächtnis2, 1911,
S. 45 f. (ebenso); E. BISCHOFF, Die Bedingungen der psychischen Energie, 1906;
H. HERZ, Energie und seelische Richtkräfte, K. C. SCHNEIDER, Vitalis-
mus, 1903; F. LIEDES, Die psychische Energie und ihr Umsatz, 1910; WUNDT,
Grundr. d. Psychol.5, 1902. — VgL Psychisch (OSTWALD U. a.), Arbeit,
Energie.
Psychische Kausalität: Wirksamkeit des Psychischen, kausaler
Zusammenhang psychischer Vorgänge, nicht als äußerliche Abfolge homogener
Zustände, sondern als stetiges Hervorgehen immer neuer Aktionen und Reak-
tionen, Gebilde und Werte aus dem sich „schöpferisch" entwickelnden Seelen-
leben, welches aber auch typische, allgemeine, gesetzmäßige Zusammenhänge,
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften