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Handwörterbuch der Philosophie
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Raum. 531 Die Bevorzugung des Begriffs, des Denkens, der Abstraktion vor der sinn- lichen Wahrnehmung finden wir schon früh, so bei den mit ihrer hohen Wertung der Mathematik (s. d.), welche auch für den späteren R. charakteristisch ist, bei den (Diogen. Laert. IX, 22 ff.), bei HERA- (Sext. Empir., Adv. Mathem. VII, 126, 131 ff.), ferner bei SOKRATES (s. Begriff), PLATON (S. Anamnese, A priori, Idee), nach welchem das wahr- haft Seiende nur im Begriff erfaßt wird und nur das Gedachte wahrhaft ist, ARISTOTELES, nach welchem die Erkenntnis zwar von der Erfahrung ausgeht, aber zuhöchst doch im begrifflichen Denken mit dessen unmittelbar evidenten Grundsätzen wurzelt. Selbst die Stoiker, die sonst dem Empirismus huldigen, werten das Begriffliche, Logische hoch (Diog. Laert. VII, 83; Wahrheit). Rationalistisch denkt vorwiegend die Scholastik, meist im ARISTOTELES. — Den neueren R. begründet, nach dem Vorbilde der Mathematik (s. d.), DESCARTES, dem SPINOZA, MALEBRANCHE U. a. folgen. Rationalisten ferner HERBERT VON CHERBURY, R. CUDWORTH U. a. Ferner LEIBNIZ, nach welchem die ewigen Wahrheiten im Geiste potentiell angelegt sind (s. und nur die Vernunft Notwendigkeit der Erkenntnis gewährt (vgl. A priori). Dogmatischer Rationalist ist besonders CHR. WOLFF, der den Satz, des Widerspruches an die Spitze aller Erkenntnis stellt. „Selbstevidente" Er- kenntnisse des gesunden Menschenverstandes („common sense") gibt es nach REID U. a. (Schottische Schule). Gegen den R. treten LOCKE (S. Angeboren), BERKELEY, HUME, CONDILLAC u. a. auf (s. Empirismus, Sensualismus). In der höheren Einheit des Kritizismus (s. d.) hebt KANT die Gegensätze von R. und Empirismus auf. Alle Einzelerkennt- nis beginnt mit der Erfahrung und stammt aus ihr, reicht auch nicht weiter als mögliche aber die Grundlagen, Voraussetzungen, Bedingungen der Erfahrung selbst stammen aus der Gesetzlichkeit, der „reinen Vernunft" reine Anschauung reines Denken). Von den „Neukantianern" vertritt die „Mar- burger Schule" (COHEN, NATORP, CASSIRER, KINKEL U. a.) einen rationa- listischen Apriorismus, indem sie alle Erkenntnis aus dem „reinen Denken" (das sich auch schon in der Anschauung betätigt) ableitet: „Nur das Denken kann erzeugen, was als Sein gelten darf" (COHEN, Logik, 1902, S. 67). — In speku- lativer Weise vertreten den R. FICHTE (Z. Teil; zugleich Voluntarist), SCHEL- LING (später „positive Philosophie" als „höherer Empirismus") und besonders HEGEL (S. Dialektik, Panlogismus). — Rationalisten sind ferner V. COUSIN, BOSTRÖM, W. ROSENKRANTZ, HARMS, HERBART, LOTZE, MEINONG (Z. Teil) u. a., KÜLPE, A. MESSER, STÖRRING U. a. (kritischer R.). — Gegner des R. sind JAMES, F. C. S. SCHILLER, BERGSON (S. Verstand), J. GOLDSTEIN (Wand- lungen in der Philosophie der Gegenwart, 1911) u. a. — Vgl. KÜLPE, Einleit. in die Philos.5, 1911; A. MESSER, in die Erkenntnistheorie, 1909; J. COHN, Philos. Studien, F. Le rationalisme, 1909; OLLE-LAPRUNE, La raison et le 1906; M. Lo- SACCO, Razionalismo e intuizionismo, 1911; W. FROST, Naturphilosophie I, 1910; VARISCO, La conoscenza, 1904; EUCKEN, Geistige Strömungen der Gegen- wart, 4. A. 1909. VgL Relation, Evidenz, Gegenstandstheorie, Liebe (ZIEGLER), Voluntarismus, Vernunft, Irrationalismus, Ontologisch, Romantik. Raum ist, mathematisch, eine stetige, in sich kongruente unendliche 34*
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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