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Raum.
Größe (öder eine Mannigfaltigkeit), noch allgemeiner (erkennt-
nistheoretisch betrachtet) eine Grdnungsform, eine Form der einheitlichen
Synthese einer Mannigfaltigkeit. Der R. ist kein für sich bestehendes Ding,
keine Art Gefäß, in welchem die Körper stecken, noch eine Relation der Dinge,
sondern er ist die Form, welche die Relationen der Wirklichkeitsfaktoren zu-
und zum erkennenden Bewußtsein annehmen, die Art und Weise, wie
sich die an sich bestehende Ordnung des Realen vom Standpunkt sinn-
lich vermittelter Erfahrungserkenntnis notwendig und allgemein darstellt, so
daß also der R. (mit der Zeit) etwas Formales an den anschaulich erfaßbaren,
objektiven Erscheinungen, eine Verknüpfungsweise, eine Gesetzlichkeit mög-
licher einheitlicher Ordnung äußerer Erfahrungsinhalte darstellt, die als
solche wohl nur für ein „Bewußtsein überhaupt" Bestand, Sinn hat, der wohl
etwas im „An sich" der Dinge entsprechen kann (als metaphysischer „Grund" der
Raumbestimmtheiten des Gegebenen, der nicht selbst räumlich zu sein braucht).
Es sind, außer diesem „transzendenten Grund" der Raumbestimmtheiten, zu
unterscheiden der subjektive, psychologische Raum, der von den einzelnen
Subjekten abhängig ist, und der empirisch-reale (und dabei zu-
doch „ideelle"), physikalische Raum (als realisierter mathematischer
R.), der für alles Erkennen absolut gleichartige, durch bestimmte allgemeine
Merkmale charakterisierte R. Dieser Raum ist nicht eins mit der Raumvor-
stellung, auch nicht mit der primären „Ausdehnung" (s. d.) des Wahrgenom-
menen, auch nicht bloß „reine Anschauung", sondern ein Begriff, und zwar
der Begriff einer in der Anschauung notwendig und allgemeinen konstruierbaren
Ordnungsweise (des einer Form oder Gesetzmäßigkeit des
Anschauens und Denkens von Inhalten äußerer Erfahrung. Dieser Begriff geht
schließlich über alle konkrete Anschauungsmöglichkeit hinaus und so entstehen
die völlig abstrakten Begriffe nicht-euklidischer Räume (Meta-
geometrie, s. unten) neben dem anschaulich fundierbaren Begriff des euklidischen
Raumes. Als die Form der äußeren Erfahrung und der ihr gemäßen Erkennt-
nis ist der R. nicht selbst ein Erfahrungsinhalt, sondern eine apriorische
Bedingung aller äußeren Erfahrung und deren Objekte, mag auch
psychologisch die Raumvorstellung nicht angeboren sein, sondern erst mit dem
Erfahrungsinhalt entstehen und auf Grund der Erfahrung sich
Ohne Räumlichkeit (Extension und extensive Ordnung) können wir Objekte der
sinnlich vermittelten weder anschauen noch die Raumform,
welche die Grundlage der geometrischen Axiome (s. d.) ist, besitzt
notwendigkeit" (LIEBMANN), sie konstituiert mit der objektiven (äußeren) Er-
fahrung zugleich die Erfahrungsobjekte und ist daher absolut untrennbar von
diesen, mag rein begrifflich der Raum wie immer gedacht, logisch weitergebildet
werden. — Betreffs der Entstehung der Raumvorstellung, die aus einem ur-
sprünglichen und genetisch hinzukommenden Faktoren hervorgeht, ohne daß
das elementar und primär Extensive ableitbar ist, vgl. unten (WUNDT).
Die Psychologie des Raumes ist teils empiristisch, teils genetisch, teüs nati-
Erkenntnistheoretisch wird der R. teils empiristisch, teils aprioristisch,
als objektiv (absolut real), transzendent, teils als „subjektiv" oder als
ideell (nur empirisch real), immanent, teils als subjektiv (ideell) und zugleich
objektiv (transzendent) bedingt, begründet aufgefaßt.
Aus der Erfahrung und Abstraktion objektiv räumlicher Ver-
hältnisse, bzw. aus der Assoziation (etwa von Gesichts- mit Bewegungs-
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften