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Raum. 535
SPENCER (First Principles, 1882, S. 162 f.), ADICKES, L. W. STERN
(Person u. Sache, 1906, I, 188 ff.), E. BECHER, F. ERHARDT (Metaphys. u.
Erkenntnistheor., 1894, S. 163 ff.), RIEHL (Der philos. Kritizismus, II 1, 1879,
78 ff.; R. ist ein „empirischer Grenzbegriff", dessen Inhalt für das Bewußtsein
und für die Wirklichkeit gültig ist), WUNDT (der Raumvorstellung, die eine
„subjektive Rekonstruktion" ist, entspricht eine Ordnung der Objekte, Logik
ff.; System d. Philos. I8, 1907), H. A. MESSER, KÜLPE,
STÖRRING U. a.
Die kritische Lehre von der Idealität („Subjektivität") und Apriorität
Raumes begründet KANT (vgl. schon: De mundi atque intelligi-
forma et principüs, sct. § Der R. ist et ideale e
natura stabili lege proficiscens, veluti externe
sibi coordinandi"). Der R. ist die Form der äußeren Anschauung („reine
Anschauung") kein allgemeiner Begriff; er ist nicht aus der Erfahrung ab-
sondern a priori (s. d.), eine Bedingung der (äußern) Erfahrung und
des Gegebenseins von räumlichen Dingen in ihr, eine allgemeingültige und not-
wendige, gesetzliche des Gegebenen, weder ein an sich existie-
rendes Ding noch ein an sich bestehendes Verhältnis, sondern die Art und
Weise, wie die Dinge der sinnlich vermittelten Erkenntnis uns erscheinen, die
Verknüpfungsweise möglicher Erfahrungsdaten zur äußeren Einheit. Vermittelst
des „äußeren Sinnes" „stellen wir uns Gegenstände als außer uns, und diese
insgesamt im vor. Darinnen ist ihre Gestalt, Größe und Verhältnis
gegeneinander bestimmt oder bestimmbar". Der R. ist „kein empirischer Be-
griff, der von äußeren Erfahrungen abgezogen werden kann". „Denn damit
gewisse Empfindungen auf etwas außer mir bezogen werden (d. i. auf etwas
in andern Orte des Raumes, als darinnen ich mich befinde), imgleichen
damit ich sie als außer und neben einander . . . vorstellen kann, dazu muß
die Vorstellung des Raumes schon zum Grunde liegen. Demnach kann die
Vorstellung des Raumes nicht aus den Verhältnissen der äußern Erscheinung
durch Erfahrung erborgt sein, sondern diese äußere Erfahrung ist selbst nur
durch gedachte Vorstellung allererst möglich." Der Raum ist also „eine
wendige Vorstellung a priori, die allen äußeren Anschauungen zum Grunde
liegt. Man kann sich niemals eine Vorstellung davon machen, daß kein Raum
«ei, ob man sich gleich ganz wohl denken kann, daß keine Gegenstände darin
angetroffen werden". Der R. ist ferner kein „diskursiver" oder allgemeiner
Begriff, sondern eine „reine Anschauung." Denn man sich nur einen
Raum" vorstellen und die einzelnen „Räume" sind nur Teile ein und
desselben Raumes. Der R. wird als eine „unendliche Größe" vorgestellt, er
die „Grenzenlosigkeit im Fortgange der Anschauung". Soll die Geo-
metrie (s. Mathematik) die Eigenschaften des Raumes „synthetisch und doch
priori" bestimmen können, dann muß der R. ursprünglich Anschauung sein;
dann man, warum der Satz von der Dreidimensionalität des Raumes
als streng notwendig bewußt ist. Eine reine Anschauung, welche das Objektive
a priori bestimmt, bedingt, muß aber im Subjekt, als die „formale Beschaffen-
heit desselben, von Objekten zu werden" ihre Quelle haben, d. h. sie
ist die „Form des äußern Sinnes überhaupt", durch welche die empirische
Anschauung erst möglich Der R. stellt demnach nichts an sich Be-
stehendes dar (dies nicht a priori angeschaut werden), sondern ist „nur
die Form aller Erscheinungen äußerer Sinne, d. ji. die subjektive Bedingung
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften