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Real Realismus.
der (inneren und äußeren) Willenshandlung und zur Messung der Ge-
psychischer und psychophysischer Vorgänge. Die Zeit, welche
zwischen der Einwirkung des Reizes und der Reaktionsbewegung (Niederdrücken
Tasters) verstreicht, und die zum Teil auf physiologische, zum Teil auf
psychische Vorgänge sich verteilt, wird durch ein Chronoskop gemessen. Man
unterscheidet „vollständige" (sensorielle) und „verkürzte" (muskuläre) Reaktion;
bei der ersteren ist die Erwartung der Sinneserregung zugewandt, bei der
letzteren aber der auszuführenden Bewegung. Die vollständige Reaktionszeit
ca. 0.120—0.250, die verkürzte ca. 0.100—0.180 Sekunden. VgL WUNDT,
«Grdz. d. physiol. Psychol. III«, 1903, S. ff.; 6. A. f.; Grundr. der
1902, S. 235 ff.; L. LANGE, Philos. Studien V; Arbeiten von G. E.
MÜLLER, L. W. STERN, GÖTZ MARTIUS, KRAEPELIN, CATTELL, V.
EXNER, MERKEL U. a.; N. ACH, Die Willenstätigkeit und das Denken, 1905;
E. WESTPHAL, Archiv f. d. gesamte Psychol. XXI.
Real: sachlich, wirklich, objektiv. Vgl. Realität.
Realdefinition s, Definition.
Realen nennt HERBART die von ihm angenommenen Wirklichkeits-
elementarer Art. Sie sind schlechthin seiend, substantiell, absolut ein-
ohne Quantität und Ausdehnung, mit unveränderlicher Qualität. Es
kommt ihnen „Selbsterhaltung" gegen den Versuch von „Störungen" zu. Die
Realen sind an sich unveränderlich, nur ihre Beziehungen zueinander wechseln
{je nach ihrem „Zusammen" oder „Nichtzusammen") für die An-
sicht". Die Seele (s. d.) ist eines der Realen (Allgem. Metaphys.
HARTENSTEIN, Metaphys. 1836, S. 167 ff.).
bedeutet allgemein: Realitätsstandpunkt, Betonung der
Realität (s. d.) einer Sache; Verbleiben beim Wirklichen, Erreichbaren (prak-
tischer R.).
1. Begriffs-Realismus (R. im scholastischen Sinne): Annahme der
Realität des Allgemeinen (s. d.), der „Universalien", wobei der extreme R.
Gattungsbegriffen ein von den Dingen gesondertes, selbständiges
{„ante res") lehrt, während der R. die Existenz des Allgemeinen
{der Art, Gattung) im Einzelnen, Besondern („in rebus") lehrt. Vgl. REINERS,
Der aristotelische R. in der Frühscholastik, LOEWE, Der Kampf zwischen
R. u. Nominal., 1876.
2. Erkennntniskritischer Realismus: Annahme der (absoluten)
Realität, der vom erkennenden Bewußtsein völlig unabhängigen,
Existenz, Seinsweise der Außenwelt, der Dinge (s. d.), Objekte (s. Der
R. hält den gesamten Wahrnehmungsinhalt für real, der naturwissen-
R. unterscheidet von den subjektiven Sinnesquali-
täten (s. Qualität) die in gewissen Bestimmtheiten existierenden Dinge. Als
dogmatischer R. hält er meist die Räumlichkeit (Ausdehnung) und Bewegung
{s. d.) für eine Bestimmtheit der Dinge an sich, als R. schreibt
er dem „an sich" Seienden öfter nur Analoga des Räumüchen zu (eine gewisse
„Ordnung") oder er nimmt an, daß zwar die raum-zeitüche der Objekte als
ideell, phänomenal (d. h. nur für ein „Bewußtsein überhaupt" darstell-
bar) ist, daß ihr aber ein selbständiges Fürsich- oder zugrunde-
iiegt Dem Wesen nach betrachtet der materia-
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften