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Realität.
Objektive Realität (vgl. Tatsache) wird nicht sinnlich
sondern auf Grund motivierender, determinierender Daten zu möglicher Er-
fahrung denkend gesetzt und anerkannt oder auch logisch gefordert (s. Postu-
lat); sie ist nicht „gegeben", sondern dem Erkennen ist
methodisch zu Gewinnendes und Bestimmendes, begrifflich zu
in Urteilszusammenhängen Darzustellendes, aber stets vom psychischen Akt
ens, Urteilens, Denkens — als Gegenstand desselben — Unter-
schiedenes (s. Objekt). Die „empirische" R. der Objekte ist mit der „trans-
zendentalen" Idealität und Phänomenalität derselben vereinbar (s. Raum, Zeit,
Transzendent).
Die verstehen unter dem Realen (dem „realiter") das Sein der
Dinge außerhalb alles Erkennens und Vorstellens. Es gibt Grade der R.; so ist
Gott das „ens realissimum" (s. Ontologisch). Nach DUNS SCOTUS es in jedem
Einzelwesen eine generische und spezifische und eine individuelle
(Opus Oxon. II, d. 3, q. 6). „Objektive" und „formale" R. unterscheidet noch
DESCARTES; unter der ersteren versteht er die vorgestellte, gedachte R., unter
der letzteren die an sich bestehende R. (Meditat. III), auch nimmt er noch
Grade der R. an. LEIBNIZ schreibt „absolute" R. absolu") nur den
Monaden (s. d.) zu; die R. der Phänomene beruht auf der Gesetzlichkeit und
dem Zusammenhang mit anderen Phänomenen (Philos. Hauptschriften II,
123 ff.). Damit ist KANTS Lehre von der R. verwandt, nach dem „absolute"
(transzendentale) R. nur das „Ding an sich" hat, während die „empirische"
R. auf die Objekte als Erscheinungen, als Gegenstände möglicher Er-
fahrung bezieht. „Objektive" R. ist „Beziehung auf einen Gegenstand" und
beruht auf dem Gesetz, daß „alle Erscheinungen, sofern uns dadurch
stände gegeben werden sollen, unter Regeln a priori der synthetischen Einheit
derselben stehen müssen, nach welchen ihr Verhältnis in der empirischen An-
schauung allein möglich ist". R. ist eine der Kategorien der Qualität (s.
und bedeutet (als „realitas phaenomenon") „das, was einer Empfindung über-
haupt korrespondiert". Das „Schema" (s. d.) der R. ist die kontinuierliche und
gleichförmige Erzeugung eines Inhalts in der Zeit. Zwischen der R. in der
Erscheinung und der Negation besteht ein „kontinuierlicher Zusammenhang
vieler möglichen Zwischenempfindungen". Das Reale in der Erscheinung hat
einen „Grad", d. h. eine „intensive Größe", die noch immer vermindert werden
kann. Das (phänomenal) Reale bedeutet nichts als die „Synthesis in einem
empirischen Bewußtsein überhaupt" und objektive R. besteht in einem all-
gemeingültigen, geordneten, gesetzlichen Zusammenhang der Vorstellungen
Objekt, Objektiv). Das Reale äußerer Erscheinungen ist nur in der Wahr-
nehmung und im Fortgang zu möglichen Wahrnehmungen, im Zusammenhang
mit solchen wirklich (s. Wirklichkeit). Raum (s. d.) und Zeit (s. d.) haben
nur empirische Realität (vgl. Anschauungsformen). Begriffe wie: Willensfrei-
heit, Unsterblichkeit usw. haben nur „praktische" Realität, d. h. Geltung für
das sittliche Handeln (Krit. d. rein. Vern., S. 55 ff., 96, 123, 146, 317 f.;
d. prakt. Vern, 1. Teil, 1. Buch, 1. Hptst.). Über KANT hinausgehend leitet
FICHTE alle R. aus dem (absoluten) Ich (s. d.) ab: „aller Realität Quelle ist
das P. wird in den Dingen durch das Ich gesetzt, durch die
bildungskraft" produziert, durch den Verstand begriffen, fixiert
gesamt. Wissenschaftslehre, S. 12, 192; WW. III). — Nach SCHELLING
Reales und Ideales im „Absoluten" (s. d.) identisch (vgl. WW. I 6, 498
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften