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558 Relativismus.
überhaupt ist nicht relativ, sondern Voraussetzung und Grundlage der Einsicht
in die Relativität empirisch genommener Bestimmtheiten der Objekte, die an
idealen Forderungen und Zielen des Erkennens und Wollens ihren obersten
Maßstab haben. Das Absolute reinen Denkens und Wollens macht sich innerhalb
des Relativen selbst immer wieder geltend, als Aufgabe, Idee, Ideal, Norm d.).
Von diesem „transzendentalen" Absoluten ist das transzendente Absolute zu
unterscheiden, das positiv Unendliche (s. d.), in welchem die von uns er-
kannnten Relationen der Dinge zur einheitlichen Totalität zusammengehen
An sich).
Den R. vertreten zuerst die Sophisten. Nach PROTAGORAS ist der
Mensch das Maß aller Dinge und ihrer Beschaffenheit (ndvxcov
xcov ovxcov xcov de ovx ovx eoxiv, Diogen. Laert.
IX, 51; Platon, Theaet. 152 A; 385). Die Wahrheit d.) ist
Relatives (Sext. Empir., Adv. Mathem. VII, 60). Wir erkennen die Dinge, so
wie sie jedem erscheinen (ndvxa ooa Sext. Empir.,
hypotyp. I, 217). Was für die einen wahr ist, kann für andere nicht
sein (ARISTOTELES, Metaphys. VI, 10). Der R., den SOKRATES (S. Begriff) und
PLATON (S. Idee) bekämpfen, wird von den (s. d.) erneuert,
welche die Beziehung der Erkenntnis auf äußere Umstände wie auf das Sub-
jekt selbst betonen. — Viele Sophisten lehren auch einen ethischen R.
Daß wir die Dinge nur in deren Relationen, nicht an sich (ihrem innersten
Wesen nach) erkennen, wird öfter gelehrt, so von MONTAIGNE, LOCKE, HUME,
CONDILLAC, MAUPERTUIS, BONNET, de philos., S.
TURGOT, GOETHE, COMTE, MOLESCHOTT, HELMHOLTZ, HUXLEY, SPENCER,
ARDIGO, RENOUVIER, E. LAAS, JODL, L. STEIN, HÖFFDING U. a. (vgl.
Positivismus). Nach HERBART („Wir leben nun einmal in
Relationen und bedürfen nichts weiter", Metaphys. II, ff.; s. Realen),.
MACH, AVENARIUS, STALLO, OSTWALD, POINCARE (Der Wert der Wissen-
schaft, 1906, S. 203 ff.), GOLDSCHEID U. a. bestehen die Objekte der
schaft in (relativ) konstanten Relationen, mit denen es vor allem die Natur-
wissenschaft (s. d.) zu tun hat (F. A. LANGE, WUNDT, DILTHEY, LIPPS,.
NATORP, CASSIRER, RIEHL, F. MARTIN, BERGSON, A. REY, J. SCHULTZ U.
Vgl. Objekt.
Die Bezogenheit aller Erkenntnis der Dinge auf die Gesetzlichkeit des er-
kennenden Bewußtseins lehrt KANT (S. Erscheinung, Ding sich), der aber
die absoluten, allgemeingültigen Bedingungen der Erfahrung und des Denkens
betont A priori, Axiom, Kategorien). Nur das Empirische als solches
relativ, stets im Hinblick auf andere empirische Größenwerte bestimmt, denn
innerhalb des Fortgangs möglicher Erfahrung gibt es keine absoluten Bestimmt-
heiten (s. Regulativ). Ähnlich COHEN, NATORP (Die log. Grundlagen der
exakten Wissenschaften, 1910), CASSIRER (Substanzbegriff u. Funktionsbegriff,
1910) u. a.
Die Relativität aller Wahrheit (s. d.) lehren PROTAGORAS, die Skeptiker
CHR. LOSSIUS (Phys. Ursachen des Wahren, 1775), z. T. GOETHE,
VAIHINGER, F. C. S. SCHILLER, JERUSALEM, AVENARIUS, MACH U. a.
Psychologismus). — Gegen den individuellen und spezifischen Relativismus
betonen die Absolutheit logischer (bzw. auch ethischer) Geltungen HUSSERL
(Log. Untersuch. I, 1900/01, 115), MEINONG, WINDELBAND (Präludien8, 1907,
S. RIEHL, A. MESSER, RICKERT, MÜNSTERBERG, NATORP, EWALD,
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften