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Handwörterbuch der Philosophie
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560 Religion. Gefühl wie der Wille, der Intellekt wie die Phantasie Anteil. Im Gegen- satz zur Wissenschaft Philosophie ist sie, ihrem Kerne nach, nicht ab- strakt-begrifflich, sondern anschaulich-konkret, sie will nicht bloß gedacht, sondern auch gelebt werden. Sie ist subjektiv ein eigenartiger Zustand der Seele, objektiv aber ein Inbegriff von Glaubenssätzen und Kultusvorschriften, in denen der Gesamtgeist seine Religiosität objektiviert und fixiert hat; die der Religionsentwicklung ist daher nur mit Hilfe der Völker- psychologie (s. d.) zu erforschen, denn von Anfang an ist die R. durch die Wechselwirkung der Mitglieder der Gemeinschaft bedingt, wie anderseits die R. selbst ein Faktor des sozialen Lebens ist. An dem Fortschritte der Religion sind aber immer wieder große Persönlichkeiten mit besonderen religiösen Be- beteiligt, welche zu den Urquellen der R. zurückgehen und die oft erstarrte R. in Fluß bringen. Gefühle der Abhängigkeit, Furcht, Ehrfurcht, Pietät (gegen die Toten, die Ahnen), Wünsche nach Schutz, Förderung, Ab- wehr usw. stehen an den Anfängen der R. und die mythenbildende Phantasie baut, alles in der Natur belebend, beseelend und später personifizierend, das eigene Fühlen und Wollen auf die Geister, Dämonen, Götter übertragend Animismus), allmählich zusammenhängende Mythen auf. Immer mehr versitt- sich dann die R., die Naturgottheiten werden zu Schützern und Gesetzgebern sittlicher Normen, die Mannigfaltigkeit der Götter weicht endlich einem •obersten, dann einem einzigen Gott und dieser Gott wird zur persönlich oder gedachten zentralen, lebendigen, geistigen Einheit des Alls (s. Wissen (s. d.) und Glauben mit einander in Harmonie zu bringen, ist das immer erneuerte Streben des nach Einheit suchenden Menschengeistes, der wohl „Übervernünftiges" im Sinne des über die Relationen mäßigen Denkens aber schließlich nichts Widervernünftiges •erträgt, so sehr er auch die Postulate des Gemüts anerkennt. — Die R. auf primitiver Stufe betrachtet den Menschen als von Geistern umgeben („Geister- religion"); die höchste, die „Geistesreligion" läßt den Menschen seinen Zusammenhang mit dem universalen Geistesleben, das, über alle empirische hinausgehend, in der selbst sich manifestiert, empfinden. Betreffs des Ursprungs der R. bestehen verschiedene Theorien: Euhemeris- (s. d.), Rationalismus (LOBECK, J. H. VOSS U. a.), Nativismus, Symbolis- mus (CREUZER), Naturismus (Ableitung der R. aus Vergötterung von Natur- die man fürchtet oder dankbar hinnimmt: LUCREZ, HUME, U. a.; vgl. M. MÜLLER, Natural Religion, 1889), Naturismus ver- mit Ableitung aus sprachlichen Veränderungen (M. MÜLLER, USENER, RUNZE, Sprache und Religion, 1889; Katechismus der Religionsphilos., 1901, S. 32 ff.), Autoritätstheorie (HOBBES, BOLINGBROKE U. a.: die R. eine Erfin- von Priestern oder Staatsmännern), Pragmatismus (GRUPPE, Die griech. Kulte u. Mythen I, 1887) u. a. Vgl. TYLOR, Anfänge der Kultur, 1872 f.; d. Soziologie, 1877 f.; WUNDT, 1911 f. Als psychologische Faktoren der R. werden genannt: Furcht u. dgl. in orbe Deos fecit PETRONIUS bei Statius, Thebais 661); so nach LUCREZ (De rerum natura V, 1159 ff.), HUME concern. natural 12; deutsch von Paulsen, S. 141 f.), HOLBACH (Furcht und Unwissen- heit), P. REE, EBBINGHAUS, Furcht und Liebe: CASPARI. Ferner: Phantasie, bzw. der Traum (vgl. A. TAYLOR U. a.; s. unten FEUERBACH),
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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