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Handwörterbuch der Philosophie
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Rezeptivität — Rhythmus. 567 Motive, die unterlagen, kommen jetzt nachträglich zur Geltung, die „bessere Person" in uns, das Bewußtsein des Seinsollenden, der Norm, wird stärker und wirksamer vernehmbar. Die R. ist wertvoll, sofern sie uns den Unwert niedrigen Handelns fühlen läßt und den Willen zum Guten verstärkt. Den Unwert der (passiven) Reue lehren SENECA (De IV, 34; vgl. EPIKTET, Dissert. II, 22, 35), SPINOZA (Eth. IV, prop. u. a. Nach SCHOPENHAUER entspringt die R. nicht aus einer Änderung des Willens, son- dern der Erkenntnis. „Ich kann . . nie bereuen, was ich gewollt, wohl aber was ich getan habe, weil ich, durch falsche Begriffe geleitet, etwas anderes tat, als meinem Willen gemäß war. Die hierin, bei richtigerer Erkenntnis, ist die Reue" (Die als Wille u. Vorstellung I. Bd.). Nach JODL ist R. der Vorgang, durch welchen eine im Konflikt der Motive unterlegene wertung die Oberhand im Bewußtsein gewinnt (Lehrb. d. Psychol. II3, 1909, 454 f.). — Vgl. Gewissen, Willensfreiheit. Rezeptivität: Aufnahmsfähigkeit, passive Empfänglichkeit für äußere Erregungen (Affektionen). KANT scheidet schroff zwischen R. und Spontaneität (s. d.) des Geistes. Die R. ist die Fähigkeit, Vorstellungen durch Affektion des Geistes zu bekommen (s. Sinnlichkeit), vermittelst welcher uns Gegenstände Empfindungen) „gegeben" werden und An- schauungen Zustandekommen (Krit. d. rein. Vern., S. 48 ff.). Vgl. Aktivität, Passivität. Reziprok (reciprocus, wechselseitig) sind Begriffe, deren zu- sammenfallen oder Urteile von verschiedener Form und gleichem Inhalt (vgl. Äquipollent). Rhythmus Fließen) ist die Gliederung einer reihe durch regelmäßige Wiederkehr gleicher Momente, Vorgänge; im engeren Sinne der Wechsel der Intensität und Dauer der Töne und deren Intervalle (vgl. JODL, Lehrb. d. Psychol. 1909, 397). Ein Teil unserer Körper- bewegungen (Herz-, Atembewegung) verläuft rhythmisch und auch sonst ist eine Tendenz zur Rhythmisierung von Tätigkeiten vorhanden (Gang, Arbeiten verschiedener Art: Rudern, Schmieden usw.; Hineinhören eines R. in regel- mäßige Geräusche, z. B. bei der Eisenbahn). Dieses Rhythmisieren erleichtert (physische und geistige) Arbeit, es spart psychische Energie und wirkt durch den Gefühlston erfrischend (vgl. K. BÜCHER, Arbeit u. S. 27 ff., 305 ff., 4. A. 1909). Durch rhythmische Gliederung werden Bewußtseinsinhalte, insbesondere Zeitvorstellungen leichter überschaubar (WUNDT, Grdz. d. phys. Psychol. III5, 1903, ff.; E. MEUMANN, Philos. Studien IX, X; zur Psychol. u. Ästhetik des R., 1894). Der R. hat große Bedeutung (Poesie, Musik, Tanz), er übt auch eine Art Suggestion oder Ekstase („Rausch") aus (NIETZSCHE, SOURIAU, K. GROOS U. a.). Daß alles Geschehen rhythmisch ist, lehren SPENCER, DÜHRING (Der Wert des Lebens, 6. A. 1902, S. 82 ff.), KEYSERLING; vgl. WYNEKEN, Der Aufbau der Form II, 1907. — Vgl. HERBART, WW. VII, 291 ff.; FECHNER, Vorschule der Ästhetik, I, LOTZE, Medizin. Psychol., 1852, S. 517; LIPPS, Ästhetik I, 1903; Psychol. 1905; M. ETTLINGER, Zur Grundlegung einer Ästhetik des R., Zeitschr. f. Psychol., Bd. 22; Experim. zur Lehre vom R., 1908; MARBE, Über den R. der Prosa, 1904; BEHN, Der deutsche R., 1912. — Vgl. Zeit, Periodizität.
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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