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— Rigorismus.
der Richtung nicht gänzlich auf Quantität reduziert werden. Der
bestimmung entspricht auch die Wertung (Annalen der Naturphilos. VI, 1906;..
Höherentwicklung und Menschenökonomie I, 1911: Organismen als
konfigurationen; vgl. Aktivismus, Willenskritik, Wert). — Vgl.
Princip. philos. II, 39 (vgl. Seele); NATORP, Die log. Grundlagen der exakten
Wissenschaften, 1910; MACH, Die S. 85, 95 ff., 6. A. 1908;
DING, Revue de et de Morale, 1907; Der Gedanke, 1911
(Die R. ist das historische Element des seelischen Lebens; vgl. Wille);
WITZ, Seelen u. Ziele, 1908, S. H. JÄGER, Die gemeinsame Wurzel
Kunst, Moral und Wissenschaft, 1909; OFFNER, Das 1911 („Rich-
tungsbewußtsein" bei der Reproduktion); A. WIESSNER, Das Atom oder
Kraftelement der Richtung, 1875 (Das Atom als „geradlinige
— Vgl. Dimension, Raum, Zeit, Entropie, Orthogenie, Organismus,
Tendenz, Streben, Dissolution, Entwicklung, Seele, Zweck, Wechselwirkung.
sind geometrisch-optische Täuschungen, bei
welchen z. B. eine mit ihrem oberen Ende um nach auswärts
Linie vertikal und daher eine in Wirklichkeit vertikale Linie mit ihrem
Ende nach innen geneigt zu sein scheint (für das einäugige Sehen).
Täuschung beruht darauf, daß sich die Abwärtsbewegungen der Augen mit
einer Zunahme, die Aufwärtsbewegungen mit einer Abnahme der
verbinden (WUNDT, Grundr. d. Psychol.5, 1902, S. 148 ff.; Grdz. d.
Psychol. I6, 1908, S. 584 ff.).
Rigorismus (rigor, Starrheit, Strenge): Standpunkt strengster
rungen betreffs der Anwendung und Befolgung von Gesetzen, insbesondere
(Stoiker), im zu den „Latitudinariern", zu
welche die Moral lax anwenden (vgl. BAYLE, Dictionnaire; KANT, Die Religion,
Univ.-BibL, S. 20 f.). Der R. im asketischen Sinne verpönt alles
nach Glückseligkeit, alle Freude und Lust (manche Hingegen
betont der ethische R., wie ihn KANT auffaßt und der weichlichen eudämonis-
tischen Moral seiner Zeit gegenüberstellt, im Grunde nur die
der sittlichen Gesinnung, des sittlichen Willens von Motiven der
förderung; sittlich ist das Wollen aus reiner Achtung vor dem Sittengesetze,
unbeeinflußt von sonstigen Neigungen, ja auch — wo es nottut — mit
solcher, rein um der Pflicht willen, so hart auch manchmal deren Erfüllung
werden mag. „Das Wesentliche aller Bestimmung des Willens durchs sittliche
Gesetz ist, daß er als freier Wille, mithin nicht bloß ohne Mitwirkung
sondern selbst mit Abweisung aller derselben, sofern sie jenem Ge-
setze zuwider sein könnten, bloß durchs Gesetz bestimmt werde" (Krit. d. prakt.
Vern., Univ.-BibL, S. 88). Die einzige echte und
Triebfeder ist die „Achtung fürs moralische und der „moralische
beruht auf dem Handeln aus Pflicht, „bloß um des Gesetzes willen", nicht „aus
Liebe und Zuneigung zu dem, was die Handlungen hervorbringen sollen";
auch Liebe und Wohlwollen sein mögen (vgl. Grundleg. zur Metaphys.
der Sitten, 1. Abschn.). Rigorist ist auch FICHTE. Die in der „schönen Seele"
zur Natur gewordene Neigung (s. d.) zum Guten betont SCHILLER, der aber
sonst mit KANT betreffs der Lauterkeit des sittlichen Willens übereinstimmt.
Vgl. WUNDT, Ethik4, 1911. — VgL Neigung, Sittlichkeit, Moralität,
Pflicht.
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften