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576 Schluß.
folgt nichts; sind beide Prämissen bejahend, so ist es auch die Konklusion; ist
Prämisse partikulär, so ist auch die Konklusion partikulär, u. a.
Die traditionelle Einteilung der (mittelbaren) Schlüsse ist die in
und zusammengesetzte, vollständige und verkürzte (vgl. Sorites,
Enthymem, Epicherem, Schlußkette). Ferner in kategorische (s. d.), hypo-
thetische (s. d.) und disjunktive (s. d.). Eine neuere Einteilung ist:
I. Identitätsschlüsse; IL Subsumtionsschlüsse (klassifizierende,
Wahrscheinlichkeits-, Analogieschlüsse); III. Bedingungs-
und Begründungsschlüsse; IV. Beziehungsschlüsse (Vergleichungs-
und Verbindungsschlüsse; WUNDT, Logik I8, 1906).
Nach der „heterogenetischen" Schlußtheorie ist der S. eine
verbindung oder ein vermitteltes Urteil, nach der „idiogenetischen" Theorie
aber eine eigene Denkfunktion, ein Ableiten oder ein durch ein anderes Für-
wahrhalten bedingtes Fürwahrhalten (diese Einteilung bei KREIBIG, Die intel-
lektuellen Funktionen, 1909, S. 245 ff., der selbst den S. logisch als „Abfolge
von Urteilssätzen, bei der das Wahr- oder Wahrscheinlichsein eines
satzes durch das Wahr- oder Wahrscheinlichsein anderer Urteilssätze bedingt"
ist, definiert, 1. c. S. 203 ff.; S. 204: Unterscheidung von Schlußakt, Schluß-
inhalt, Schlußgegenstand).
Definitionen des S. ARISTOTELES (Analyt. prior. 24 b 18; II
68 b 13 ff.), die Stoiker (Sextus Empir., Pyrrhon. hypotyp. II, 135 ff.; vgl.
hypothetisch), HOBBES (De corpore C. 4, 1), CHR. WOLFF (Logica, § 50, 322;
Gedanken von Gott . . . I, § 340), H. S. REIMARUS (Vernunftlehre8,
1790, S. 201 ff.), KANT (Logik, § 41 ff.; Krit. der rein. S. 267 ff.; vgl.
Idee; der „Vernunftschluß" ist „nichts anderes als Urteil vermittelst der
Subsumtion seiner Bedingung unter eine allgemeine Regel"), APELT (Theorie
der Induktion, 1854, S. 1 ff.; S. = ein hypothetisches Urteil), BOLZANO
1837, VI, § 155, 164; ähnlich); BACHMANN (System der
Logik, 1828, S. 150 ff.), HEGEL (Logik III, 19, 126; Enzyklop., § 181 f.: der
ist der „vollständig gesetzte Begriff", das „Alles ist ein
Schluß"), SCHOPENHAUER als Wille u. Vorstellung, IL Bd., K. 10),
W. HAMILTON (Lectures III, 268 ff.), J. ST. MILL (Logik I, 1877, 196;
unten; der S. beruht auf der Substitution des so auch JEVONS,
Leitfaden der Logik, S. ff.), LOTZE (Logik, 1843, S. 109 ff.), B. ERDMANN
(Logik 1907, 641 ff.), HÖFLER (Logik, S. 97 ff.), SIGWART, Logik
422 ff., 4. A. 1911), HILLEBRAND (Die neuen Theorien der kategorischen Schlüsse,
1891, S. 11, 69 ff.: der S. ist „ein durch ein oder mehrere Urteile motiviertes
Urteil"; vgl. Quaternio), MEINONG 1882, II, 106 ff.), SCHUPPE
(Grundr. d. Erk. u. Logik, 1894, S. 38 ff.), LACHELIER (Rev. phüos. 1876),
(Psychol. du raisonnement, 1886, S. 82, 149), H. MAIER (Psychol. des
emotionalen Denkens, 1908, S. 301 ff.), STÖRRING (Archiv f. die gesamte
1908), PILLSBURY (The Psychology of Reasoning, 1910), STÖHR
«(Logik, 1911), PAULHAN (La logique de la contradiction, 1911), E. J. HAMIL-
TON (Modalismus und Perzeptionalismus, 1912; Erkennen u. Schließen, 1912)
u. a. (vgl. die Literatur unter „Logik").
Den Wert des Schlusses (Syllogismus) bestreiten zuerst die antiken Skep-
tiker. Jeder S. ist nach ihnen ein Zirkelschluß, denn der Obersatz setze schon
Gültigkeit der Konklusion stillschweigend voraus (Sextus Empir., Pyrrhon.
II, 193 ff., 234 ff.). Die hohe Wertung des syllogistisch-deduktiven
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften