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Schöpfung.
Setzung (Position) alles dessen zu beachten, was in der Zeit als unendlich
fortgehende Entwicklung endlicher Momente sich darstellt. das, im
Grunde geistige, All-Leben immer neue Qualitäten und Werte, immer neue
Formen und Gebilde zur Entfaltung kommen läßt, ist es „schöpferische
Entwicklung" als Projektion des überzeitlich Unendlichen in die Zeit (s. d.).
Die Schöpfungslehre setzt — abgesehen von älteren Mythen — mit der
Bibel ein; die Erschaffung der Wesen in „sieben Tagen" wird jetzt meist von
den Theologen auf eine Reihe längerer „Perioden" bezogen und zum Teil auch
mit der Entwicklungslehre zu vereinbaren gesucht. Von der Schöpfung „aus
nichts", dem „nicht Seienden" (kg ist erst später die Rede (Makk.
VII, 28; vgl. Liber sapientiae XI, 18; 26; „ex materia — Nach PLA-
TON schuf Gott (der die der Sinnendinge aus der relativ
nicht seienden „Materie" (s. d.) mit der Zeit (s. d.) selbst, und zwar aus Güte
28 € f., 37 C ff., 47 B f.). Die der „Ideen'« (s. d.) ist ewig.
Nach ARISTOTELES hingegen ist die (s. d.) überhaupt ewig. Nach den
gehen aus dem göttlichen „Pneuma" (s. d.) immer wieder
hervor, die immer wieder sich in ihm auflösen (s. Ekpyrosis). Die Ewig-
keit der lehren die antiken (s. d.), während die Neu-
platoniker die „Emanation" (s. d.) derselben aus dem göttlichen „Einen"
lehren. Hingegen hat sie nach dem Juden PHILON Gott (aus durch den
„Logos" (s. d.) aus der Materie geschaffen (Werke, deutsch I, 1909).
Während ORIGENES die Ewigkeit der lehrt (De princip. I, 2, 10),
wäre letztere nach AUGUSTINUS nichts ohne die ewig erhaltende Schöpferkraft
Gottes („creatio continua"), der sie (aus Liebe) aus nichts geschaffen hat.
lich lehren MAIMONIDES (Doctor perplexorum I, 74, 2), ANSELM VON
BURY (vgl. Monolog. 13), THOMAS VON AQUINO (Contr. Gent. II, 38; Sum.
theol. I, 45, 1 c), welcher die zeitlose, ewige Schöpfung zwar nicht lehrt, aber
doch nicht für logisch unmöglich erklärt. Die Zeit ist erst mit der ge-
schaffen worden, die Erhaltung der ist eine „creatio continua". Gott hat
von verschiedenen möglichen die beste gewählt (vgl. LEIBNIZ), um in
ihr seine Vollkommenheit zu offenbaren. Nach DUNS SCOTUS hat Gott die
durch seinen absoluten, freien Willen („ex libertate") geschaffen
(Opera, 1891—95).
Die ewige oder die kontinuierliche Schöpfung lehren Meister ECKHART,
ANGELUS SILESIUS, CARDANUS, F. M. DESCARTES (Meditat. III),
SPINOZA, der die S. als zeitloses Folgen der endlichen Modifikationen aus den
Attributen der göttlichen Substanz (s. d.) auffaßt (vgl. Eth. I, prop. XXIV:
esse causam essendi rerum"), BAYLE, E. WEIGEL, LEIBNIZ (ähnlich
wie THOMAS ; vgl. Theodizee, Monade), CHR. WOLFF Gedanken von
I, § 1053; Möglichkeit der Ewigkeit der LESSING (Was Gott
vorstellt, das schafft er auch; indem er seine Vollkommenheit zerteilt dachte,
schuf er die Das Christentum der Vernunft, 1753; vgl. P. LORENTZ,
Lessings Philosophie, 1909) u. a. — Auch nach HEGEL ist die S. ewig; „sie
ist nicht einmal gewesen, sondern sie bringt sich ewig hervor, da die unendliche
Schöpferkraft der Idee perennierende Tätigkeit ist" (Naturphilos., S. 433; vgl.
Dialektik). — Als Entlassung von „Urpositionen" zur Selbständigkeit
aus dem ewigen göttlichen Weltdenken betrachten die S. J. H. FICHTE (Die
theistische Weltanschauung, 1873, S. Spekulative Theologie, S. 427 ff.),
ULRICI (Gott und die Natur2, 1866, S. 638 ff.), A. SCHOLKMANN (Philos. des
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Buch Handwörterbuch der Philosophie"
Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften