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586 Seele.
„Pneuma" ist, einfach, unteübar, unzerstörbar, von Gott eingeblasen („Dei
so aber, daß jede Seele ein Zweig („surculus") der Seele Adams ist
(De anima 4, 27; 7 ff.; Adversus Praxeam; Opera, f.; deutsch 1881).
Ferner bei ARNOBIUS, nach welchem die S. körperlich und vergänglich ist,
göttliche Gnade unsterblich (Adversus gentes II, 30, hrsg. 1543),
LACTANTIUS (Institut. VII, 12 ff.); vgl. ORIGENES, De princip. I, 1, 7; II, 8,
1; III, 4, — Als immaterielles Wesen betrachten (vorwiegend unter Plato-
nischem Einfluß) die S. NEMESIUS cpvoecog
hrsg. 1802, II, 96 ff.), GREGOR NYSSA xal
De et resurrect. ff.; De opif. 11 ff.), CLAUDIANUS
MAMERTUS (De stat. anim. CASSIODORUS, (De anim. ration.
ad virgin. 10) u. a., namentlich aber AUGUSTINUS. Die S. ist eine un-
räumliche, immaterielle Substanz („substantia spiritualis"), einfach, einheitlich,
durch den ganzen Leib verbreitet (De trinitate De quan-
titate anim., 13 De anim. IV, 21; De immortal. anim., 15). Eine immate-
rielle, einfache Substanz ist die S. auch nach JOH. SCOTUS ERIUGENA (De
natur. II, 23 f.; IV, 11), HUGO VON ST. VICTOR, BERNHARD VON
CLAIRVAUX, BONAVENTURA (Breviloqu. 10) u. a. — Als substantiale „Form"
Organismus, bzw. als „erste Entelechie" („perfectio prima"), die meist als
immaterielle, einfache „Substanz" bestimmt wird, fassen die S. auf AVICENNA
(De anima, 1 ff.), AVERROES 4), nach welchem in allen Indi-
viduen eine einheitliche Seele ist (Destruct. destruct., I, 1, s. Monopsychismus),
MAIMONIDES U. a., ALEXANDER VON HALES (Sum. theol. II, 90, 2), ALBER-
MAGNUS („substantia incorporea", „endelechia", Sum. theol. II, 68 ff.),
THOMAS VON AQUINO („incorporea et subsistens", „forma per se subsistens",
„forma sive substantia Sum. theol. I, 75; Contr. gent. II, 65 u.
nach welchem die Seele mit dem Leibe zur natürlichen Einheit („naturalis
des Menschen verbunden ist, wobei die Seele selbst das Prinzip des
Lebens, das den lebenden Organismus zu einem solchen Gestaltende ist (anders
bei DESCARTES, S. unten). Vgl. GUNDISSALINUS, De anima, hrsg.
1890. HEINRICH VON GENT, DUNS SCOTUS U. a. nehmen außer der Seele
noch eine „forma corporeitatis" an. Nach WILHELM VON ist die
-sinnliche Seele mit dem Leibe „zirkumskriptiv" verbunden, während die
lektive S. eine trennbare Substanz ist. — Den Monopsychismus vertreten
VON BRABANT (De anima inteliectiva, hrsg. 1901) u. a. Averroisten
(s. d.).
Im scholastisch-aristotelischen Sinne definieren die S. auch SUAREZ (De
anima I), ZABARELLA (De hum. 6) u. a.; vgl. MELANCHTHON, De anim.
f. CASMANN, GOCLENIUS, L. (De anim. I, 42 ff.) u. a. Als
geistiges Wesen bestimmen sie NICOLAUS CUSANUS (De coniectur. II, 14 ff.),
MARSILIUS FICINUS (Theol. Platon. VIII, 2), TELESIUS und CAMPANELLA U. a.,
die aber daneben noch einen körperlichen Lebensgeist („spiritus") annehmen
auch F. BACON, De dignit. IV, 3; Organ. II, 40; GASSENDI U. a.).
Den neueren Dualismus (s. d.) begründet DESCARTES, der Leib und Seele
als zwei völlig verschiedene Substanzen („substantiae incompletae") einander
gegenüberstellt; nur durch Gott sind sie geeinigt, der auch ihre
Wechselbeziehungen ermöglicht concursus Dei"). Die S. ist ein-
fach, unausgedehnt, unstofflich, unteilbar, unzerstörbar, zu ihrem Wesen gehört
Denken Sie ist mit dem ganzen Körper verbunden (durch
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften