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compositionis", nicht „unio naturalis"), wirkt aber unmittelbar von der
Zirbeldrüse aus auf die „Lebensgeister" (s. d.), vermittelst deren sie die Richtung
der Körperbewegungen zu beeinflussen vermag (Meditat. Princip. phüos. I,
8, 53; anim. I, 30, 47; vgl. Wechselwirkung, TierpsychoL). Ähnlich
die Okkasionalisten (s. d.). Als vom Leibe wesentlich und numerisch ver-
schiedene Substanz bestimmen die S. auch LOCKE (Essay concern. hum. under-
stand. II, K. 23, § 5), nach welchem wir vom Wesen der seelischen Substanz
keinen klaren Begriff haben, BERKELEY (Principles, CXXXV ff.), nach welchem
die S. rein aktiv und (außer Gott) das einzige Reale ist (s. Spiritualismus),
REID, HUTCHESON, CONDILLAC, BONNET (Essai analyt. IV, 20) u. a. — Als
eine besondere Art von „Monaden" (s. d.), die von den Körpermonaden nur
graduell verschieden ist (auch die letzteren sind ausgedehnte Kräfte, seelen-
artige Einheiten, aus denen sich der Leib zusammensetzt), als immaterielles,
vorstellendes und strebendes Kraftwesen, das (als Zentralmonade) mit einem
Komplex niederer Monaden verbunden ist, bestimmt die S. LEIBNTZ. Die S.
ist ein „geistiger Automat", eine im Kleinen, in die nichts von außen
hineinkommt, sondern wo sich alles stetig auseinander entwickelt (s. Monade);
„spiegelt" mehr oder weniger bewußt das Universum und zwischen ihr und
dem Leibe sowie den anderen Monaden besteht keine Wechselwirkung, sondern
eine „prästabilierte Harmonie" (s. d.; vgl. 15 — 19; Princip. de la
nature 4; Werke, Gerhardt IV, u. ö.). Ähnlich nur mit Annäherung der
Körpermonaden an dynamische Atome (ohne Vorstellungen) — lehrt CHR. WOLFF,
nach welchem die S. ein sich seiner und anderer Wesen außer ihm bewußtes
Wesen ist Gedanken von Gott . . . I, § 192, 742 f.; Psychol. empir.,
20; Psychol. rational., § 51 ff.), ferner BAUMGARTEN (Metaphys., 1739,
566), PLATNER (Philos. Aphorismen, 1776 ff., I, § 30, 66),
MANN über den Menschen, 1777 f.), MENDELSSOHN U. a. VgL
RÜDIGER, Phys. divina I, 4; VON Versuch über die Seele, 1753 u. a.
Den Aktualitätsstandpunkt (s. d.) begründet in neuerer Zeit SPINOZA.
Die S. ist keine Substanz, sondern der „Modus" eines „Attributs" der einen,
unendlichen, göttlichen „Substanz" (s. d.), die zugleich noch eine andere
Daseinsweise, die Ausdehnung, die Körperlichkeit hat. Jedem körperlichen
Modus entspricht ein geistiger, denn die Ordnung und Verknüpfung der Ideen
ist eins mit der der Dinge. Die Seele ist die ideelle Seite eben dessen, was
als Körper auftritt („idea corporis"), das zu einem Körper (der dessen „Objekt"
bildet) gehörige Bewußtsein (im weitesten Sinne). Die S. ist etwas Zusammen-
gesetztes („ex pluribus ideis composita"). Seele und Leib sind ein und dasselbe
Wesen nur in verschiedenen Daseinsweisen (s. Identitätstheorie). Die S. han-
delt nach Gesetzen und ist gleichsam ein „geistiger Automat", dem das Ge-
schehen im Leibe parallel geht (s. Parallelismus). In Gott ist eine „Idee des
Geistes" („idea die vom Geiste untrennbar ist und dessen (zeitlose)
Unsterblichkeit (s. d.) begründet (Eth. II, prop. XI ff.). In anderer Weise ver-
tritt den Aktualitätsstandpunkt HUME, nach welchem die S. nur ein Bündel
beständig veränderlicher Erlebnisse („a of perceptions in a perpetual
and movement", Treat. IV, sct. 2, 6; vgl. Dialoge, S. 157 ff.) ist. KANT endlich
zeigt in seiner Lehre von den „Paralogismen" (s. d.), daß es wohl berechtigt
ist, die S. als logisch-einheitliches Subjekt zu denken, daß aber die Theorie der
einfachen Seelensubstanz unerweislich und willkürlich ist, „weil das Einfache
in ganz und gar keiner Erfahrung vorkommen kann" (Krit. d. rein. Vern.,
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften