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Seele.
Spiegel der Die S. ist zugleich das Lebensprinzip (s. Leben,
Animismus), die des Leibes, der „gesamte Zweckzusammenhang
geistigen Werdens und Geschehens, der uns in der äußeren Beobachtung als
objektiv zweckmäßige Ganze eines lebenden Körpers entgegentritt". Meta-
physisch ist die S. „reiner Wille", der empirisch als „vorstellender Wille" und
als Glied höherer geistiger Einheiten gegeben ist (Grdz. d. physiol.
Psychol. 648; I6, 1908, 10 f.; ff.; Grundr. d. Psychol.6, 1902,
S. 386; Logik 245 ff.; 3. A. 1908; System d. Philos. II8, 1907). Als
„ideelles System individueller Wollungen, in der gesamten Reihe wirklicher
Wollungen sich auslebt und doch in jedem neuen Akt sich mit dem gesamten
«System identisch setzt", bestimmt die S. MÜNSTERBERG (Grundz. d. Psychol. I,
1900, 395 ff.; vgl. Phüos. d. Werte, 1908, S. 114). VgL R. EISLER, Leib
Seele, 1906; Das Wirken der Seele, 1909; Geist u. Körper, 1911.
Als eine immaterielle Substanz oder als Monade bestimmen die Seele
«die neueren Scholastiker (s. Scholastik), wie (Der Kampf
um die Seele, S. 84 ff.; 2. A. 1903), HAGEMANN (Psychologie8, 1911),
PESCH (S. und Leib, 1893), MERCIER (Psychol., 1906, I, 3) u. a.
Psychologie). Ferner F. BAADER, welcher Seele und Geist
d.) unterscheidet (vgl. 1883), HEINROTH (Psychol., 1827,
151), CHR. WEISS (Wesen u. Wirken der menschL Seele, 1811, S. 300),
BOLZANO S. 37 ff.), CHR. KRAUSE, W. COUSIN, GIOBERTI,
MAMIANI, W. ROSENKRANTZ, C. H. WEISSE, TRENDELENBURG, A. L. KYM
{Über die menschL Seele, 1890, S. 6 ff.) u. a. — Als einfache, unveränderliche
Substanz mit „Selbsterhaltungen", aber ohne „Vermögen" und ohne alle Teile und
Vielheit bestimmt die S. HERBART. Sie hat einen Ort, einen mathematischen
Punkt im und steht mit dem Leibe (bzw. dessen „Realen", s. d.) in
Wechselwirkung (Allgem. Metaphys., II, 1828/29, § 312; Lehrb. zur Psychol.8,
1887, S. ff.; Psychol., I, § 31; Enzyklop.3, 1841, S. 227 ff.); vgl.
VOLKMANN, Lehrb. d. Psychol. 1894/95, 58 ff., FLÜGEL, Die Seelen-
frage*, 1890, u. a. Ein immaterielles Wesen, das aus „Grundsystemen" be-
steht und an „Spuren" immer reicher wird, ist die S. nach BENEKE (Lehrb.
Psychol., § 38 f.; Metaphys., S. 414 ff.). Als Monade bestimmen die S.
SENGLER (Erkenntnislehre, 1858), J. H. FICHTE (Psychol. I), nach
«die S. ein „Triebwesen" ist, das im Leibe dynamisch gegenwärtig ist (Anthro-
pol., S. 262 ff.), FORTLAGE § 13), ULRICI, nach welchem die S. eine
von Kräften" und ein ätherisches Fluidum ist (Leib u.
S. 131 f., 323), M. CARRIERE („Kraftzentrum", „Triebwesen",
kraft"), M. PLANCK (Seele u. Geist, 1871), L. HELLENBACH („Metaorganismus"),
DU PREL (Monist. Seelenlehre, 1887, S. 54: „transzendentales, individuelles
Subjekt"), M. PERTY, AKSAKOW U. a., HARMS, WITTE (Das Wesen der Seele,
1888), GLOGAU, G. THIELE, BRENTANO, HÖFLER, WITASEK (Gr. d. Psychol.,
1908, S. 47 ff.) u. a. — Beeinflußt sind viele Monadologen von LOTZE, der
wiederum von LEIBNIZ, aber auch von SPINOZA abhängig ist. Die S. ist eine
immaterielle Monade, gefordert durch die Einheit des Bewußtseins, aber
als „hartes und unzersprengbares Atom", nicht unveränderlich, sondern nur als
feststehender Mittelpunkt ankommender ausgehender Wirkungen".
Der lebendige Inhalt des Psychischen selbst gewinnt durch die Fähigkeit des
Wirkens und Leidens den Charakter der Die S. ist eine Zen-
tralmonade und steht mit den Körpermonaden in Wechselwirkung (vgl. Seelen-
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften