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Seelenvermögen.
betrachten das Gehirn ALKMAION von Kroton (Theophrast, De sens. 25 f.),
HIPPOKRATES, HEROPHILOS, Daß die S. im ganzen Leibe ihren
Sitz hat, lehrt PLOTIN (Ennead. IV, 8, 8; vgl. IV, 3, 23: das Gehirn als Aus-
gangspunkt ihrer Tätigkeit); ähnlich NEMESIUS, AUGUSTINUS (De gen. ad litt.
VII, 17 ff.), THOMAS, nach welchem die S. in corpore toto" ist (Sum.
theol. I, 76, 8). Nach DESCARTES hat die S. ihren Sitz in der Zirbeldrüse
pinealis; anim. I, 30 vgl. Seele, Lebensgeister), nach BON-
INET im „Balken", nach HALLER in der Varolsbrücke, nach BOERHAVE im
Mark, nach PLATNER in den Vierhügeln, nach SÖMMERING in
Gehirnflüssigkeit, nach SWEDENBORG (1745) in der Rindensubstanz; vgl.
F. J. GALL, Anatomie et du 1810 ff. (s. Phreno-
logie); FLOURENS, Psychologie 1854, a. (gegen die Lokalisation
psychischen Funktionen, das Gehirn ist gleichmäßig an beteüigt);
H. MUNK, Über die Funktion der Großhirnrinde, 1881 (Seh-, Hör-, Sprach-
sphäre usw.); GOLTZ, Pflügers Archiv f. Physiol. XX, XXVI,
Nach LEIBNIZ ist der Ort der Seele ein bloßer Punkt (Opera ed. Erdmann,
'274 a, 457 a, 749 a), nach KANT (WW. VII, ESCHENMAYER (Psychol.,
1817, 213) u. a. nur ein geometrischer Ort Zusammenfließens der Gehirn-
tätigkeiten, so daß die S. keinen Sitz hat. Daß die S. den Leib durchdringt,
DEMOKRIT, JOH. MÜLLER, CARUS, BURDACH, HEGEL, H. FICHTE, ULRICI,
SCHOPENHAUER, FECHNER (Elemente der Psychophys. II, 1860, 348 ff.),
FOUILLEE U. a. Nach HERBART ist der Sitz der Seele verschiebbar (Psychol.,
II, § 154). Nach LOTZE ist der Seelensitz (in einem homogenen
Parenchym) nur der (bewegliche) Ausgangs- und Endpunkt der Seelenwirkungen
335; Grdz. d. Psychol., S. 65 ff.). — Vgl. Sprache, Apper-
zeption (WUNDT), Assoziationszentren (FLECHSIG), Gesichtssinn, Nullibisten.
sind nicht, wie von der „Vermögenspsychologie"
wurde, selbständige Kräfte der Seele als verborgene Gründe je einer
Klasse psychischer Funktionen. In diesem Sinne gibt es keine S. Hingegen
hat die Seele (das Bewußtsein) die zu verschiedenen Betätigungs-
und Zustandsarten in sich, die sich als Elemente (s. d.), Momente, Seiten,
Richtungen der an sich einheitlichen Bewußtseinstätigkeit unterscheiden lassen.
Aus dem (primären) „Trieb" (s. d.) entwickelt sich das gegliederte Bewußtsein,
als Ganzes, Einheitliches ein (lebendiges oder gehemmtes) „Streben" ist,
welches als Momente Empfindung (oder Vorstellung) und Gefühl einschließt
und auf höherer Stufe zum (s. d.) im engeren Sinne wird, dessen Be-
tätigung im Denken, in der aktiven Phantasie, im praktischen Handeln ver-
Richtungen nimmt (s. Voluntarismus). Grundfähigkeiten der Seele
sind die Rezeptivität gegenüber Reizen, die Fähigkeit des „Bewahrens" und
Reproduzierens von Eindrücken und der Verarbeitung (Verknüpfung) derselben.
Die Seele als Einheit verhält sich teüs reaktiv („passiv"), teils aktiv (schöpferisch).
Dasselbe Ich, Subjekt, das empfindet, fühlt auch, strebt, will, denkt — in ver-
Weise reagierend und agierend.
Nach den Pythagoreern gibt es vier vermögen (vovg,
nach PLATON drei Seelenteile die Vernunftseele
das „Mutartige" der Affekte be-
herrschende Wüle), das Begehrliche Republ. IV, 439 B f.); nach
ARISTOTELES vegetatives begehrendes und empfindendes
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften