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Handwörterbuch der Philosophie
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Sein. 595 lichkeit des Logischen und der Sachgehalt der Erfahrung bedingen. Die beziehungsetzung von S und P ergibt das Urteil (s. d.), die Setzung von S und P überhaupt ergibt den Begriff (s. d.), der stets in Urteilen gesetzt und in solchen nach verschiedenen Gesichtspunkten bestimmt (und weiterbestimmt) wird. „A ist" (wahrhaft) bedeutet: A A ist eine gültige Bestimmtheit, ist ein als gültig gesetzter Inhalt, der als solcher unabhängig ist vom subjek- tiven Erleben, Meinen, Wollen, der also allem bloß Eingebildeten, Vermeint- lichen entgegengesetzt wird. Dieses „Sein" eines Etwas bedeutet theoretische Wertung desselben, es hat eben im Unterschied vom nicht Seienden eine besondere „Dignität" (Seinswert). Das empirisch-ob- Sein bedeutet die im engeren Sinne, d. h. die Zugehörig- keit eines Etwas zum System möglicher Erfahrungen, das feste Eingeordnetsein in ein solches, die gesetzliche Möglichkeit, im Fortgange der Erfahrung unab- hängig von aller subjektiven Willkür und Besonderheit „vorgefunden" oder besser denkend an und in der Erfahrung gesetzt zu werden (s. Von diesem empirisch-objektiven wäre noch das transzendente oder physische S. zu unterscheiden; es wäre das als Bedingung der objektiver Erfahrung und des Sinnes des Geschehens denkend gesetzte, geforderte „Selbstsein", „Fürsichsein" oder „Innensein" des Wirklichen, des (mindest relativen) „An sich" der Dinge (vgl. Transzendent); das Muster eines solchen gibt die Existenzweise des Ich (s. d.), des Subjekts, das sich unmittelbar in seinen Erlebnissen als ein Ich setzt (s. Cogito). Endlich wird das Sein Werden (s. d.) gegenübergestellt und bedeutet dann das Sein, eines Etwas durch alle Zeit hindurch oder in Weise, zugleich oft auch das mit sich das Beharren, Unveränderlichkeit. Doch läßt sich das Sein auch als Dauer im Wechsel, als Beharren (Konstanz) von Gesetzen oder Relationen, oder als ein Dauerndes, das sich qualitativ verändert, auffassen: Das Werdende ist und das Seiende Im Absoluten (s. d.) ist vielleicht alles Werden der ein überzeit- liches „Sein". Bei aller Verschiedenheit dessen, was ist, was als seiend ge- setzt wird (des „Seienden") und der Art des Seins (Sein im allgemeinen, ideelles, immanentes, logisches, mathematisches, ideales Sein, Wesen, psychi- sches oder physisches Dasein oder Existenz, reales Sein usw.) bleibt der Begriff des Seins selbst identisch (vgl. Relation, Mathematik, theorie, Objektiv, Geltung, Wahrheit, Bewußtsein, Erscheinung). Daß das Sein und das wahrhaft Seiende Gegenstand des Denkens, nicht der sinnlichen Wahrnehmung ist, lehren zuerst die Eleaten. So gibt es nach PARMENIDES kein Werden, kein Nichtseiendes, denn ein solches ist undenkbar. Denken (Gedachtes) und Sein sind identisch ydg avxb voeXv xe xal — voeXv xe xal ovvexev Das Seiende ist unent- standen, ewig, unvergänglich, unveränderlich, einheitlich, stetig, unteilbar, homogen, unbewegt, es gleicht einer wohlgerundeten Kugel. Das Seiende ist das stets mit sich identische All-Sein, es ist denkend, Vernunft, die Gottheit (negl ed. 1897). Ähnlich lehrt MELISSOS; das Seiende ist un- begrenzt, eins, da es nichts außer sich hat, unkörperlich (vgl. A. PAPST, De Melissi fragmentis, 1889). Einheitlich ist das unveränderlich Seiende auch nach den Megarikern (vgl. PLATO, Sophist. ff.). Dem allen gegenüber lehrt HERAKLIT, alles Sein sei ein Werden (s. d.); vgl. PROTAGORAS (PLATO, Theaet. 152 D). Als Mittel, zum Seienden zu gelangen, bestimmt
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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