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Sein. 597
anderen Eigenschaften eines Dinges ist. Sein ist „kein reales Prädikat, d. i.
ein Begriff von irgend etwas, was zu dem Begriffe eines Dinges hinzukommen
könne. Es ist bloß die Position eines Dinges oder gewisser Bestimmungen an
sich selbst". Im logischen Gebrauch ist es die Kopula eines Urteils, das, „was
das Prädikat aufs Subjekt setzt". Durch den bloßen Be-
griff wird ein Gegenstand nur „mit den allgemeinen Bedingungen einer mög-
lichen empirischen Erkenntnis überhaupt als einstimmig", durch die Existenz
aber als „in dem Kontext der gesamten Erfahrung enthalten" gedacht. „Unser
Begriff von einem mag also enthalten, was und wieviel er wolle,
so müssen wir doch aus ihm herausgehen, um diesem die Existenz zu erteilen.
Bei Gegenständen der Sinne geschieht dieses durch den Zusammenhang mit
irgend einer meiner Wahrnehmungen nach empirischen Gesetzen; aber für Ob-
jekte des reinen Denkens ist ganz und gar kein Mittel, ihr Dasein zu er-
kennen" (Krit. d. rein. Vern., S. 472 ff.; vgl. Ontologisch). — Als Setzung be-
stimmt das Sein auch FICHTE, aber streng idealistisch: das Sein ist nur als
ein vom (s. d.) Gesetztes und nichts außer dem Ich, welches alles das
setzt und sich entgegensetzt, was zu seiner Selbstsetzung mitgehört. „Alles,
was ist, ist nur insofern, als es im Ich gesetzt ist" der gesamt. Wissen-
schaftslehre, S. 12). „Es gibt kein Sein außer vermittelst des Bewußtseins"
(System d. Sittenlehre, 1798, S. VII; WW. III, 2). Später faßt FICHTE das
Sein als „Leben" (s. d.) auf (WW. VI, 631), dann auch als das „fixierte und
gefesselte Bilden" (Nachgelass. WW. II, 30, 78, 326 ff.). Nach SCHELLING ist
S. das „reine absolute Gesetztsein", Dasein das bedingte eingeschränkte Gesetzt-
sein (Vom Ich, S. 123 ff.). S. ist ein der anschauenden oder
produzierenden Tätigkeit" des Geistes (S. 114). Im Ich sind Wissen und Sein
identisch. Später lehrt er: es gibt nur ein Sein, die „Identität" (s. d.) oder
das Absolute (s. d.), Gott (s. d.) als Identität von Idealem und Realem (vgl.
WW. I 6, 157; II 1, 288 ff.; II 3, 204 ff.). In anderer Weise lehrt die Iden-
tität von Denken und Sein HEGEL. Sein überhaupt ist „Identität mit sich
selbst", der „Begriff nur an sich". Das „reine Sein" macht den Anfang der
Dialektik (s. d.), „weil es sowohl reiner Gedanke, als das unbestimmte einfache
Unmittelbare ist". Es ist „die reine Abstraktion, damit das Absolut-
welches, gleichfalls unmittelbar genommen, das ist" (En-
zyklop., § 84 ff.). Das wahre Sein kommt nur dem „Begriff", der „Idee" (s. d.)
zu. Das „Dasein" ist die Einheit von Sein und Werden (1. c. § 89 ff.; vgl.
Logik II, 118; vgl. K. ROSENKRANZ, System d. Wissensch., 1850, § 10 ff.).
Wieder als Setzung, aber in realistischer Weise, bestimmt das S. HERBART.
S. ist „absolute Position", Anerkennung des gedanklich nicht hebbaren und
bedeutet, es solle beim einfachen Setzen des Etwas sein Bewenden haben. In
der Empfindung ist die absolute Position enthalten, ohne daß man es merkt,
im Denken muß sie erst aus der Aufhebung ihres Gegenteils erzeugt werden
(Allgem. Metaphys., 1828/29, II, § 201 ff.).
Als Gegenstandsbestimmtheit fassen das S. auf LASSWITZ (Seelen u. Ziele,
1908, S. 272), LIPPS (Leitfaden der Psychol., S. 3. A. 1909; Inhalt und
Gegenstand, 1905), O.SELZ (Münchener philos. Th.Lipps gewidmet, 1911)
u. a. S. im allgemeinen ist Setzungsbestimmtheit nach DRIESCH
lehre, 1912, S. 38 ff.). „Indem das Ich sich seine Erlebtheit überhaupt gegen-
übersetzt, setzt es das Sein; auch es selbst, indem es als setzendes gesetzt er-
faßt wird, ist so für sich Sein, für sich." Sein, d. h. „das, was ich über-
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften